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Viertes Hauptstück. Von den Eigenschaften der christlichen Nächstenliebe.
Schnee auch einen übelaussehenden Haufen von Auskehrichtmit einer weißen und säubern Decke überzieht.
Fr. Wann ist unsere Liebe uneigennützig?
Antw. Wenn wir dem Nächsten Gutes erweisenwegen Gott, nicht um von den Menschen gelobt oderbelohnt zu werden.
Belehrung. Wir müssen also den Nächsten nicht ausEigennutz lieben, sondern Gottes wegen; wir dürfen ihm nichtGutes erweisen, um gelobt und belohnt zu werden, sondernnur aus Liebe zu Gott. „ Wenn du eine Mahlzeit anstellst,"sagt der göttliche Heiland, „so lade nicht deine Freunde, oderdeine Brüder, oder deine Verwandten, oder reiche Nachbarn,damit sie dich nicht etwa wieder laden und dir wieder ver-golten werde, sondern wenn du ein Gastmahl gibst, so ladeArme, Schwache, Lahme und Blinde, und selig wirstdu sein, weil sie dir nicht vergelten können; denn ver-golten wird dir werden bei der Auferstehung der Gerechten."(Luk. 14, 12—14.)
Beispiel und Anwendung. Als ein Mann volluneigennütziger Nächstenliebe erscheint jener Einsiedlervon Cuziba in Syrien, von welchem Sophrouius so-viel Schönes und Rühmliches berichtet. Solange dieser nochin seinem heimatlichen Dorfe wohnte, wo er seinen eigenenGrund und Boden bebaute, erwies er sich vorzüglich solchenLandleuten als ein heimlicher Wohlthäter, denen es an Ge-treide zur Aussaat mangelte, indem er in nächtlicher Stillehinging, ihren kleinen Acker pflügte und mit Sämereien be-stellte. Seitdem er aber Einsiedler geworden, hatte er sich'szur Regel gemacht, jede Woche einmal über Jericho nach
Jerusalem zu wandern. Auf diesem Wege trug er jedesmalBrod und Wasser bei sich, um die dürftigen Pilger damitzu erquicken; traf er schwache und erschöpfte Leute, so nahmer ihnen ihre Reisebündel ab, um selbe statt ihrer zu tragen,und hob wohl überdieß noch ermüdete Kinder auf seine Schulter.Außerdem führte er noch das nöthige Handwerkzeug bei sich,mittelst dessen er den Pilgern gleich auf der Straße dieSchuhe und Sandalen ausbesserte; und wo er, wie es imOrient nicht selten vorkommt, eine Leiche am Wege fand,begrub er sie, indem er die dabei üblichen Gebete und Psal-men absang. Dieser Lebensweise blieb er treu bis in dashohe Greisenalter. — Was der treffliche Mann aus demErdenleben mit sich nahm, war das frohe Bewußtsein, daßer wirklich Alles gethan, was er nur immer vermochte, undzwar immer nur aus Liebe zu Gott, ohne seinen ei-genen Vortheil oderMenschenlob dabei zu suchen.— Von gleicher Liebe war auch der heilige Camillusvon Lellis beseelt, so daß er einen eigenen Orden stiftetezum Heile und Segen der leidenden Menschheit. (Sieh neben-stehendes Bild!) Seine Liebe war ebenso aufrichtig, alsuneigennützig. Selig alle Diejenigen, welche in die Fuß-stapfen dieser edlen Menschenfreunde eintreten!
Fr. Wann ist endlich unsere Nächstenliebe all-gemein?
Antw. Wenn wir keinen Menschen, sei er Freundoder Feind, von unserer Liebe auöschließen.
Belehrung. Unsere Liebe ist also nur bann allge-mein, wenn sie alle Menschen ohne Ausnahme umfaßt;daher dürfen wir keinen Menschen, er mag was für einemStande oder Glaubensbekenntnisse angehören, er mag unserFreund oder Feind sein, -von unserer Liebe ausschließen.„Wenn ihr nur Die liebet, welche euch lieben," sagt wieder-um der göttliche Heiland (Matth. 5, 46—47.), „was solletihr da für einen Lohn haben? Thun dieß nicht auch dieZöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßet, was thutihr mehr? Thun dieß nicht auch die Heiden?" Und wie lieb-lich schildert er uns nicht diese wahre, allgemeine Nächsten-liebe in der bekannten Parabel vom barmherzigen Samaritan!
Beispiel und Anwendung. Aber auch in derneueren Zeit findet sich oft noch ein barmherziger Samaritan,dessen Liebe alle Menschen umfaßt, ohne Rücksicht auf Standund Glaubensbekenntnis, ohne Rücksicht ans dessen freund-liche oder feindliche Gesinnung. Nur Ein Beispiel! — Esbegab sich unser gegenwärtiger heiliger Vater, Papst PiuS IX.,einst in ein abgelegenes Quartier in Trastevere, wo er einenGreis ohnmächtig auf den Boden hingestreckt sah. „Es istnur ein Jude," hörte er rufen. „Es ist ein Mensch," riefder heilige Vater, hob ihn selbst auf und ließ ihn in seineKutsche bringen. Der heilige Vater begleitete ihn nach Hause,und verließ ihn erst, nachdem der Ohnmächtige wieder zu