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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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581
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Am Fererabende des 5. September. 581

begab sich auf den Berg Peregriui. Da bewohnte sieeine noch engere Felsenkluft als eine vollkommene Klaus-nerin, abgesondert von der Welt und von allem Um-gänge mit den Menschen. Ihr verborgenes Leben inGott, ihre frommen Geistesübungen, die Abtödtnng desFleisches, sowie die Kämpfe, die sie bestanden, und dieSiege, die sie errungen, werden, weil sie geheim waren,uns bekannt werden an jenem Tage des allgemeinenWeltgerichtes. Ihr Leichnam blieb auf dem Berge Pere-grini, wurde erst spät nach ihrem Tode gefunden unddurch viele Wunder verherrlicht.

Gebet. Erfülle auch unsere Herzen, o Gott!ans die Fürbitte der heiligen Jungfrau Rosalia mitwahrer Gottes- und Nächstenliebe und erwecke in unsdie Begierde nach himmlischen Gütern, ans daß wirallezeit das Unvergängliche dem Vergänglichen und denHimmel der Erde vorziehen durch Christum, unfernHerrn. Amen.

Zweihuildertachtmidvierzigstes Lesestülk.

Am Feierabende des 5. September.

Von den Eigenschaften der christlichen Nächstenliebe.

Fr. Wie soll unsere Nächstenliebe beschaffen sein?AutW. Sie soll 1) aufrichtig, 2) uneigennützigund 3) allgemein sein.

Fr. Wann ist unsere Liebe aufrichtig?

Antw. Wenn wir den Nächsten nicht bloß mit

Worten und zum Scheine, sondern so lieben, wieuns selbst.

Belehrung und Beispiel. Wir müssen unfern Näch-sten nicht bloß lieben mit Worten und dem Scheine nach,sondern in Werken, in der That und Wahrheit, wie derheilige Johannes (l. 3, 18.) schreibt:Meine Kindlein!lasset uns lieben nicht mit Worten und mit der Zunge, son-dern in der That und Wahrheit;" mit andern Worten: wirmüssen ihn lieben wie uns selbst, d. h. wir müssen so gegenihn handeln, wie wir an seiner Stelle wünschen würden, daßer gegen uns handeln möchte.Alles, was ihr wollet, daßeuch die Menschen thun sollen, das thuet ihnen auch!"(Matth. 7, 12.) und:Was du nicht willst, daß man dirthue, das ihn' auch einem Andern nicht!" (Tob. 4, 16.)Demnach müssen wir unserm Nächsten, wenn er Hilfe be-darf, nicht nur Hilfe wünschen, sondern auch, soviel wirkönnen, leisten; wir müssen, wenn er Fehler und Schwach-heiten an sich hat, schonend sein in der Bcurtheilnng des-selben u. s. w. Die liebe Sonne hat die Tugend, daß sieAlles, was schön ist, sichtbar macht; der Schnee hingegenverdeckt, was häßlich ist. Also macht es auch die Liebe desNächsten. Sie sagt und offenbart, was sie Gutes und Löb-liches von dem Nebenmenschcn weiß, nämlich die Tugenden;die Fehler und Mängel aber bedeckt sie mit ihrem weitenMantel. Wir sollen hierin dem berühmten Maler Apellcsfolgen. Als dieser den einäugigen macedonischcn König Anti-gones malen sollte, stand er an und wußte nicht, was zuthun sei. Denn (so dachte er) male ich den König mangel-haft und einäugig, so werde ich schlechte Ehre einlegen undSchmach ernten; gebe ich ihm aber zwei Augen, so wirdman sagen, ich habe geschmeichelt oder schlecht getroffen.Er ersann sich also eine kluge Finte: er malte den Königherrlich und schön, stellte ihn aber so dar, als wenn derHerrscher sich auf die Seite wendete, so, daß man nur dashalbe Gesicht sehen konnte; mithin vermochte der Abgang deseinen Auges von Niemanden gesehen oder bemerkt zu wer-den. Thun wir nun ein Gleiches! Wenn man von einemNebenmenschen redet, wie er beschaffen sei, oder wie er sichverhalte, da sollen wir behutsam sein, und nur Dasjenigemelden, was ihm zur Ehre und zum Guten gereicht; hin-gegen verschweigen, was ihm Übeln Ruf bringen oder zumSchaden gereichen könnte. Die guten Werke und Sittenunsers Nächsten sollen wir mit dem Pinsel unserer Zungeabbilden; die schlimmen Werke und Sitten aber mit demSchnee des Stillschweigens bedecken, gleichwie der natürliche