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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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580
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580 Viertes Hanptstück. Von der christlichen Nächstenliebe: Nothwendigkeit derselben nnd Beweggründe dazu.

hin. Und was duldete er nicht Alles aus Liebe zu »ns?Welch ein erhabenes, unerreichbares Muster von Nächsten-liebe! Daher ruft der heilige Johannes uns Allen zu<1. 4, 1l.):Meine Lieben! Gott hat uns so sehrgeliebt; also müssen auch wir einander lieben."Und der heilige Paulus schreibt an die Ephesier (5, 12.):Seid Nachahmer Gottes, als die lieben Kinder, und wandeltin Liebe, wie auch Christus uns geliebt und sich für unshingegebcn hat."

Fr. Waö soll uns ganz besonders zur christlichenNächstenliebe ermuntern?

Antw. 1) Der Gedanke, daß jeder Mensch einKind und Ebenbild Gottes ist, erlöst durch das kostbareBlut Jesu Christi und berufen zur ewigen Seligkeit,nnd 2) die Vortheile, welche ans der christlichen Näch-stenliebe für uns selbst entspringen.

Belehrung. 1) Alle Menschen sind nach GottesBild und Gleichniß geschaffen (1. Mos. 1, 27.), sindGottes Werk und tragen auf ihrer Stirne den Abdruck derGottheit. Wie sehr muß dieß Alles den Nächsten in unfernAugen liebenswürdig machen! Daher ruft uns Gott schondurch den Propheten Malachias (2, 10) zu:Habenwir denn nicht Alle Einen Vater? Hat uns nicht Ein Gotterschaffen? Warum verachtet also unter uns Einer denAndern?" Und ein christlicher Lehrer schreibt:Wer Gottden Herrn liebt, der muß nothwendiger Weise auch den

Nächsten lieben: sowie Derjenige, der den Vater liebt, auch -die Kinder desselben um des Vaters willen liebt!Selbstauch den Bösen müssen wir lieben" fügt der heilige Augu-stinus bei,weil er als Mensch Gottes Ebenbild ist.

Liebe im Menschen nicht den Fehler, sondern den Menschen!Denn der Mensch ist ein Werk Gottes, der Fehler aberein Werk des Menschen. Liebe Das, was Gott gemacht,nicht aber, was der Mensch gemacht hat!" 2) Aberauch die Vorth eile, welche aus der christlichen Nächsten-liebe für uns selbst entspringen, sollen uns zur Ausübungdieser Tugend mächtig anspornen. O wenn alle Menschensich in christlicher Liebe umfingen, würde da nicht schon diese IErde zum Himmel werden? Die Liebe," schreibt der heiligeChrysostomus,erzeugt Frieden und Eintracht. Nichtsaber kommt der Eintracht gleich, Nichts dem Frieden Der-jenigen, die Eines Sinnes sind."

Beispiel und Anwendung. Karl Friedrich,Herzog von Jülich, hatte einen Schild, der ganz mit Men-schenherzcn bemalt war, mit der Inschrift:Dieser ist eineeherne Mauer." Er wollte damit andeuten, daß, wer dieHerzen der Mitmenschen durch Liebe gewonnen, keinen Feindzu fürchten habe. Möchten daher alle Menschen einander inchristlicher Liebe umfangen! Wahrlich, die Erde würde zumHimmel werden.

Legende: Die heilige Jungfrau Nosalia(ch 1160).

Die Geschichte der Heiligen stellt uns heute einbesonderes Muster von christlicher Gottes- und Nächsten-liebe vor Augen in der heiligen Jungfrau Nosalia,einer Tochter Sinibalds, der eine der ersten Würdenam kgl. Hofe zu Palermo in Sicilien bekleidete. Schonin ihrer zartesten Jugend bewies diese heilige Jungfrau !eine besondere Liebe gegen ihre ärmeren und unglück-licheren Mitmenschen, die sie alle als ihre Brüder undSchwestern betrachtete, und denen sie gerne nach Kräften !Almosen spendete. Noch glühender aber war ihre Liebe I

zu Gott; denn aus Liebe zu Jesus faßte sie den Helden- h

müthigen Entschluß, alle Freuden, Güter und Genüsseder Welt zu verachten, um nur ihm allein zu dienen.Ausgezeichnet durch herrliche Geistesgaben und körperlicheSchönheit erkannte sie nämlich frühzeitig die Gefahrenam kgl. Hofe. Sie verließ daher in der schönsten Jugend-blüthe den Hof nnd die Ihrigen nnd begab sich nacheinem nahen Berge, wo sie eine Höhle fand, die vorWind und Regen Schutz gewährte und durch einen etwasvon der Erde erhabenen langen Stein eine Art Lieger-stätte bot. Diesen Aufenthalt zog die zarte Jungfrau,nach christlicher Vollkommenheit strebend, dein Palastevor. Wie lang sie an diesem Orte ihr strenges Bnß-leben geführt, ist unbekannt. Sie verließ denselben und 1