Am Feierabende des 4. September.
37»
des Kaisers Diocletian, Männer, durch Adel, Reick>-thum und Talente ausgezeichnet, und hatten früher denGötzen gedient; als sie aber durch den heiligen Lucianzum Christenthume bekehrt worden waren, erkannten siebald die unendliche Liebe Gottes in dem großen Werkeder Erlösung und wurden von so inniger Gegenliebezu Gott, ihrem Herrn und Heiland, erfüllt, daß siesrendig seinen heiligen Namen bekannten und für ihrenGlauben heldenmüthig das Leben opferten. Sie wurdenauf Befehl des erzürnten Tyrannen Diocletian er-drosselt um das Jahr 306. Die Reliquien des heiligenGorgonius befinden sich noch heut zu Tage in derPeterskirche zu Rom.
Gebet. Verleihe uns, o Gott! die Gnade, daßwir das Fest deines heiligen Märtyrers Gorgoniusund seiner Gefährten mit heiliger Freude und mit Nutzenfeiern, indem wir ihnen in ihrer innigen Liebe zu GottNachfolgen, durch Christum, unfern Herrn. Amen.
Zweihundertsiebennndvierzigstes Lesestttlk.
Am Feierabende des 4. September.
Von der christlichen Nächstenliebe: Nothwendigkeit derselben undBeweggründe dazu.
Fr. Wen sollen wir nach Gott besonders lieben?Antw. Den Nächsten, d. h. alle Menschen ohneAusnahme.
Belehrung. Nach Gott müssen wir besonders unfernNächstenlieben, d.h. alle Menschen ohne Ausnahme;
denn also lautet das Hauptgebot: „Du sollst den Herrn,deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen rc. Dießist das größte und das erste Gebot. Das andere aber istdiesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dichselbst." (Matth. 22, 37—40.) klnd der heilige Johannesbestätiget dieses mit den Worten: „Wenn Jemand sagt:
Ich liebe Gott, und hasset doch seinen Bruder, der ist einLügner. Denn wer seinen Bruder, den er sieht, nicht liebet,wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht?" (1. Joh. 4,20—21.) Ja, Gottes- und Nächstenliebe gehörenzusammen. Ganz schön stellt dieß der heilige Augustinin folgendem Gleichnisse dar: „Du mußt zum Gehen zwei
Füße haben, und willst du zum Himmel gehen und zu Gottkommen, so brauchst du wieder zwei Füße. Und. welche sinddiese? Die beiden Füße der christlichen Liebe zu Gott undzu dem Nächsten. Wenn dir einer dieser Füße fehlt,wirst du hinken und das Ziel deiner Wanderschaft nicht erreichen."
Fr. Warum sollen wir den Nächsten lieben?
Antw. Weil Christus der Herr es durch Wortund Beispiel gelehret hat.
Belehrung und Beispiele. Christus selbst hat unsdie Nächstenliebe gelehrt 1) durch sein Wort; denn oftund nachdrücklich hat er befohlen, daß wir den Nächsten liebensollen, indem er beifügt, daß er daran seine wahren Jüngererkenne. Als der göttliche Heiland mit seinen Jüngern Heimletzten Abendmale saß, sprach er mit Nachdruck zu ihnen:„Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch einander liebet,wie ich euch geliebt habe. Daran werden Alle erkennen,daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr euch lieb habet untereinander." (Joh. 13, 34—35.) — Der heilige Johannes,der diese Aufforderungen zur Nächstenliebe so oft aus demMunde des göttlichen Heilandes vernommen hatte, konntedaher nicht oft genug zur christlichen Bruderliebe anmahnen.Als er schon sehr alt geworden war und deßhalb keinen länger»Vortrag mehr an die Gläubigen halten konnte, da rief erihnen beständig zu: „Kindlein! liebet einander!"Und als man ihn fragte, warum er denn immer dieselbenWorte wiederhole, so gab er zur Antwort: „Dieses Ge-bot habe ich selbst vom Herrn empfangen, undwenn ihr dieses thut, so ist es schon genug." — Der gött-liche Heiland hat uns dkeß aber auch 2) durch sein Bei-spiel im Leben und Sterben gelehrt. Sein Herz warvoll Liebe. (Sieh das nachfolgende Bild!) Die Liebe zum Men-schengeschlecht zog ihn vom Himmel auf die Erde herab; vondieser Liebe durchglüht, gab er sogar sein Leben für uns
73*