567
Am Feierabende
der seligsten Jungfrau zu eilen und daselbst seine Bruder-schaftsgebete zu verrichten. — Möchten alle Mitglieder derBruderschaften von einem gleichen Eifer beseelt sein; gewiß,auch sie würden den Nutzen und Segen der Bruderschaftenim Leben erfahren und auf dem Sterbbette am Meisten Trostund Beruhigung darin finden, daß sie in diese oder jeneBruderschaft eingetreten sind.
Fr. Was sind Missionen?
Antw. Missionen nennt man eine mit der ganzenGemeinde vorgenommene Geisteserneuerung durch Ab-haltung von Betrachtungen, Unterweisungen und be-sonderen Feierlichkeiten, bei welchen den Gläubigen allesDas an's Herz gelegt wird, was zur Besserung undHeiligung des Lebens besonders wirksam und dienlichist. (Sieh das vorhergehende Bild!)
Fr. Seit welcher Zeit sind Missionen im Gebrauch?
Antw. Der Sache nach sind dieselben so alt, alsdas gepredigte Evangelium selbst. Die Büßpredigt des hei-ligen Johannes in der Wüste war schon ein Vorbildderselben; um so mehr trägt das Lehramt Christi undseiner Apostel an sich das' Gepräge der heiligen Mission.Die eigentlichen Missionen aber, wie wir sie jetzt haben,wurden durch die geistlichen Uebungen des heiligen Ig-natius von den Vätern der Gesellschaft Jesu einge-führt und verbreitet. — Späterhin schlossen sich nochmehrere Orden denselben zur Abhaltung von Missionen an.
Fr. Sind die Missionen heilsam und nützlich?
Antw. Allerdings; sie sind nach dem Zeugniß derErfahrung das wirksamste Mittel zur Besserung undHeiligung einer Gemeinde.
Belehrung. Man kennt keine Uebung, welche kräftiger,allgemeiner und anhaltender für die Heiligung des Volkessich bewährt hätte, als eben die Abhaltung wohlgeordneterMissionen. Die Mission besteht ja eben in der wohlgeord-neten Anwendung der uns von Gott gegebenen Mittel desHeiles und ist an und für sich eine von Gott besonders er-wählte und dazu bestimmte Zeit der Gnaden. Die Erfahr-ung lehrt es uns ja in zahlreichen Beispielen, daß durch dieMissionen nicht nur Einzelne, sondern ganze Gemeindenwunderbar umgewandelt und vom Wege des Lasters auf denWeg der Tugend zurückgeführt wurden. Nur ein Beispiel hiezu!
Beispiel und Anwendung. Die Schwester MariaBonaventura hatte sich in einem berühmten Kloster zu
des 30. August.
Rom dem beschaulichen Leben gewidmet; aber bald erkaltetesie in ihrem Eifer und ergab sich mehr als je dem Weltsinnund der Lauheit. Nun wurden geistliche Uebungen, eine ArtMission, abgehalten, und ihre Freundinen und Mitschwesternschickten sich an, mit allem Eifer an denselben Theil zunehmen. Als Maria Bonaventura dieß bemerkte,sprach sie spöttisch zu ihnen: »Ziehet euch nur in die Ein-
samkeit zurück, gehet fort in die Einöden! Ich will keineEinsiedlerin werden. Machet nur, daß ihr recht heilig werdet,und in Verzückung gerathet; denn ihr seid ganz aus Geistzusammengesetzt; ich habe auch Fleisch, ich will auf der Erdebleiben und meine gewöhnlichen Geschäfte verrichten." —Dessenungeachtet ging sie, von Gott angetrieben, zur erstenBetrachtung, die von dem Ziel und Ende des Menschen han-delte, und dachte mit aller Sammlung des Geistes über diesewichtige Grundwahrheit nach. So groß war der Eindruck,den diese Betrachtung in ihrem Gemüthe zurückließ, daß siesogleich zu den Füßen des geistlichen Führers eilte, und zuihm die wenigen, aber gewichtigen Worte sprach: „Vater!
ich darf nicht mehr mit Gott scherzen, ich habe bereits wohlverstanden, was Gott an mir verabscheut, und was er vonmir fordert. Ich will heilig werden, und zwar bald." —Sie wollte mehr reden, allein ein Guß von Thränen ver-hinderte sie. — Ihre Zunge schwieg, aber dafür sprachendie Thaten. Sie zog sich in ihr Zimmer zurück, schrieb undlegte eine vollkommene Schenkung ihrer selbst zu den Füßendes Gekreuzigten nieder. Darauf entfernte sie Alles, wasEitles an ihr war, nahm aus ihrem Zimmer alles Ueber-flüßige hinweg, und fing an, ein zurückgezogenes, frommes,genaues, abgetödtetes und büßendes Leben bis zu ihrem Todezu führen. — Verachte daher, mein Christ! niemals irgendeine von jenen religiösen Uebungen, Gebräuchen, Segnungenund Weihungen der Kirche; sie sind ja alle nur zu unsermHeile und Segen angeordnet. Trage vielmehr eine kindlicheVerehrung gegen all diese heilsamen Anordnungen in deinemHerzen und benütze die Segnungen, Weihungen und heiligenGebräuche der Kirche in frommer Absicht; sicherlich wirst duauch die wohlthätigen Folgen davon erfahren, wie jene frommeund treue Tochter der heiligen katholischen Kirche, Rosavon Lima, deren Fest auf den heutigen Tag fällt.
Legende: Die heiligeRosa von Lima, Jung-frau (1- 1617).
Diese Heilige wurde aus einer vornehmen spanischenFamilie zu Lima in Amerika geboren i. I. 1586 undbewies von Jugend an große Neigung zur Frömmigkeit,zärtliche Liebe zu dem göttlichen Erlöser und kindlicheVerehrung zu seiner Mutter. Den Eltern bezeigte sieden pünktlichsten Gehorsam und beeiferte sich sehr, die-selben in Allem getreulich zu unterstützen. Die heiligeKatharina von Siena war ihr Vorbild, und siemachte, wie diese, sehr frühe das Gelübde, Gott injungfräulicher Reinigkeit zu dienen. Ihr Geist warmit Gott eben so anhaltend als ihre Hände mit den