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Am Feierabende
bleibe; ich will hier thun, was ich seit 20 Jahren nicht mehrgethan." Und des andern Tages legte er eine rcumüthigeBeicht ab und empfing in der heiligen Communion den Herrnder Heerschaaren. — Erkennst du hieraus nicht, mein christ-licher Leser! wie heilsam und nützlich für uns Alle einefromme, dem Geiste der Kirche entsprechende Wallfahrt werdenkann und muß?
Fr. Sind die Wallfahrten schon alt?
Antw. Schon die Juden wallfahrteten auf GottesBefehl dreimal des Jahres nach Jerusalem, und schon dieersten Christen wallfahrteten gerne an die geheiligten Orte.
Belehrung und Beispiele. Gott der Herr selbstbefahl schon den Juden, jährlich dreimal an dem Orte zuerscheinen, den er zu seiner Wohnung erwählen würde (nämlichzu Jerusalem). Die drei Feste der Wallfahrt waren Ostern,Pfingsten und das Laubhüttenfest. (5. Mos. 16, 16.) Undsie durften dabei nicht ohne Opfer erscheinen. Jesus selbstbegab sich dom zwölften Jahre an an den jüdischen Haupt-festen nach dem 36 Stunden entfernten Jerusalem. Dieersten Christen aber wallfahrteten häufig nach den durchdie Fußstapfen Jesu geheiligten Orten, wie denn der heiligeHieronymus, der selbst in Bethlehem lebte, erzählt: essei nicht möglich, alle Bischöfe, Märtyrer und andere durchGelehrsamkeit und Wissenschaft ausgezeichnete Männer herzu-zählen, welche von der Himmelfahrt Christi an bis auf seineZeit nach Jerusalem gekommen seien; (sieh das vorhergehendeBild!) sie hätten geglaubt, es gehe ihnen an der Religion oderWissenschaft Etwas ab, wenn sie nicht Christum an demnämlichen Orte angebetet hätten, wo zuerst das Evangeliumvom Kreuze erschienen war. Dergleichen wallten auch Vielenach Rom zu den Gräbern der Apostelfürsten; schon derheilige Chrysostomus redet von dieser Sitte, indem ersagte, er selbst wünschte, den Staub der Erde zu küssen,welcher die heiligen Leiberbedecke; ebenso wallfahrtete man auchzu den Gräbern der heiligen Märtyrer und an andere heiligeOrte, z. B. auf den Berg Sinai, der von vielen Tausenden ausder Nähe und Ferne besucht ward. — Auf solche Weise sind alsodie Wallfahrten schon sehr alt und sogar durch das Beispielder Heiligen, ja selbst durch die Ablässe der Kirche bestätigt.
Legende: Enthauptung des heiligen Jo-hannes des Täufers.
Die Kinder der Welt wollen von frommen Hebungen,von Processionen und Bittgängen, von Wallfahrten u. dgl.Nichts wissen; sie lausen lieber den Vergnügungen nach,und anstatt an Gnadenorte, gehen sie lieber an Orteder Sünde und des Verderbens, wie jene berüchtigte
des 30. August.
Herodias mit ihrer Tochter Salome, die ans dem Tanz-boden ihre Freude und Wonne suchten und durch zier-liche Tänze die Leidenschaft des wollüstigen Königs HerodeSnoch mehr anznfachen wußten, so daß er ihnen Alles zugeben versprach, was immer sie von ihm verlangenwürden. Erbittert über Johannes den Täufer,welcher den Muth hatte, dem Herodes offen in's Ange-sicht zu sagen: „Es ist dir nicht erlaubt, deines BrudersWeib zu haben!" — ließ nun Herodias durch ihreTochter das Haupt des heiligen Johannes verlangen;und so war das Haupt des Propheten der Preis einerTänzerin. Das Andenken an den Martertod des heiligenJohannes feiert nun heute die Kirche durch eineigenes Fest.
Gebet. Bitte für uns, heiliger JohannesBaptist«! auf daß wir die Orte der Sünde und desVerderbens fliehen und hineilen an die Gnadenorte dergöttlichen Barmherzigkeit, um daselbst Heil und Segenzu finden für unsere unsterblichen Seelen — durchChristum, unfern Herrn. Amen.
Zweihundertzweiundvierzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 30. August.
Von den Bruderschaften und Missionen.
Fr. Was versteht man unter Bruderschaften?Antw. Unter Bruderschaften versteht man gott-selige, meistens von den Päpsten gutgeheißene Verbind-