55K Drittes Hauptstiick. Vom Weihrauch und von jenen Ge
fahrt. An diesem Tage feiert Maria die Vereinigung mitihrem Geliebten — ihr Brautfest; und dieses BraulfestMariens verherrlicht nun die Kirche durch die Weiheduftender Kräuter, indem sie sich hiebei zugleich an die lieb-lichen Bilder erinnert, unter denen diese himmlische Brautso oft in der heiligen Schrift dargestellt wird, als die „Liliein den Thälern," die „Blume des Feldes rc."
5) Das geweihte Agnus Dei. Es ist dich einWachs mit dem Abbilde des Lammes Gottes; denn ^§nu8voi heißt „Lamm Gottes." Diese kleinen geweihtenBildnisse des Lammes Gottes in Wachs werden deßhalb sohoch in Ehren gehalten, weil der heilige Vater selbst dieselbenweiht, und zwar nur alle sieben Jahre einmal. Der Anblickdes Bildes soll Dem, der es an sich trägt oder gebraucht,erinnern an die Unschuld, Sanftmuth und Geduld, durchwelche wir uns als Nachfolger Christi, des Lammes GotteS,auszeichnen sollen. Ist dieß unser Streben, dann wird ge-wiß die Kraft der hohen Weihe dieser Agnus Dei auch nichtohne Wirkung auf uns bleiben.
6) Endlich weiht die Kirche auch noch Kreuze, Sca-puliere, Rosenkränze, Bilder und Medaillen,auf daß wir durch ihren eifrigen und andächtigen Gebrauch um sooster und segensreicher an Christus, seine gebeuedeite Mutterund die Heiligen Gottes erinnert werden. —
Beispiel und Anwendung. Du siehst also, meinchristlicher Leser! daß die Kirche bei all diesen geweihtenGegenständen nur das Heil deines Leibes und deiner Seeleim Auge hat; gebrauche sie daher mit gebührenderEhrfurcht und Andacht; verwende sie nie zu andernZwecken, als zu denen sie von der Kirche geweiht wordensind; denn was den geweihten Dingen ihre Kraft gibt, dasist das Gebet der Kirche; sie können also auch nur jeneWirkungen Hervorbringen, auf welche die Kirche ihr Gebetrichtete. Wie strafbar und gottlos ist es also, wenn mandie Sakramentalien der Kirche zu Zaubereien, zum Schatz-graben und dergleichen mißbraucht! Hüte dich aber auch,mein Christ! vor Gleichgiltigkeit oder wohl gar vorVerachtung gegen geweihte Sachen; es könnte dir sonstergehen, wie jenem unglücklichen Mädchen, von dem der ge-lehrte und fromme Pater de la Colombiizre folgendebetrübende Geschichte erzählt: Eine junge Person, welche dasUnglück gehabt hatte, die ihr eingepflanzten guten Grund-sätze zu vergessen, indem sie schlechte Bücher las und gefähr-liche Gesellschaften besuchte, ließ sich zu einem schweren Fehltrittverleiten, der ihre Ehre bloßstellte. — Von Gewissensbissenverzehrt, überließ sie sich der Verzweiflung, dem einzigenunverzeihlichen Verbrechen, anstatt daß sie zu den FüßenJesu und Mariä sich warf, um Verzeihung und Barmher-zigkeit zu erlangen. Von den finstersten Gedanken umherge-
enständen, welchezum Privatgebrauche geweiht werden.
trieben, stürzte sie sich in einen Fluß; aber wie groß warihr Erstaunen, als sie sah, daß sie, obgleich des Schwimmensunkundig, sich nicht ertränken konnte und ungeachtet ihrerAnstrengungen beständig über dem Wasser blieb. — Inzwi-schen eilte ein Fischer, welcher sie wahrgenommen hatte, alssie ihr Verbrechen beging, zu ihrer Hilfe herbei; aber sieheda, im Augenblick, da er sie erreichte, gab ohne Zweifelder Dämon dieser Unglücklichen ein, daß das Scapulier, dassie am Halse trage, sie am Ertrinken hindere; Plötzlich rißsie es ab und warf es weit von sich, und zu gleicher Zeitversank sie nicht bloS in die Fluthen, sondern auch in denboden- und uferlosen Abgrund der Ewigkeit. — So furchtbarstraft Gott nicht selten die Verachtung Dessen, was seineKirche geweiht und geheiligt hat. Hüte dich also, mein Christ!halte es nie mit den Verächtern Dessen, was heilig ist,sondern folge vielmehr dem Beispiele des heiligen KönigsLudwig, dessen Fest wir heute feiern, und der als treuerSohn der Kirche auch stets die tiefste Ehrfurcht und Verehr-ung gegen alles Heilige im Herzen trug.
Legende: Der heilige Ludwig, König vonFrankreich (ch 1270).
Von seiner gottseligen Mutter Blanka und durchMithilfe tugendhafter Lehrmeister ward Ludwig alsPrinz und als Christ vortrefflich erzogen. Um ihm dieLiebe zu Gott und die ernstliche Sorge für das Heilseiner Seele recht nachdrücklich an's Herz zu legen, sagteihm seine Mutter öfters: „Lieber will ich dich des Thro-nes und des Lebens beraubt, als mit einer schwerenSünde befleckt sehen." Als sein Vater i. I. 1226 starb,ward Ludwig unter der Vormundschaft seiner Mutterauf den Thron gesetzt. Er gehorchte ihr bis in sein 21.