Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
544
Einzelbild herunterladen
 

544 Drittes Hauptstück. Von den Sakramentallen im Allgemeinen, nnd von der Kirchweihe im Besonder«.

nehmer oder Besucher, und nicht selten wurden bei solchenGelegenheiten Kirchenversammlungen gehalten, um das Wohlder Christgläubigen und die Verbesserung der Sitten zu be-lachen. So fand bei Gelegenheit einer Kirchweihe im Jahre344 eine Versammlung zu Antiochia statt, wobei sich 90Bischöfe vereinigten. Diese erhöhten und heiligten die Feier-lichkeit theils durch ihre Predigten, die sie an das Volkhielten, theils durch das heilige Meßopfer, welches sie dar-brachten, theils auch durch ihr eigenes Gebet.

Fr. Wie wird die Einweihung einer Kirche vor-genommen?

Antiv. Ans folgende Weise: Der Tag vor derEinweihung ist ein Fasttag, und es werden die Vespernvor den Reliquien der Heiligen gesungen, die auf denAltar gelegt werden sollen, und die an einem andernandächtig gezierten Orte aufbewahrt werden. Alsdannam frühen Morgen des nächsten Tages zieht der Bischofdreimal um die Kirche und besprengt dieselbe mit Weih-wasser. Hierauf tritt er in die Kirche ein, und schreibtauf den Fußboden in geweihte Asche in Form einesAndreaskreuzes das griechische und lateinische Alphabet,als in welchen beiden Sprachen vorzüglich die heiligeSchrift des alten und neuen Testamentes geschrieben istund gelesen wird, und in welchen beiden Sprachen derheilige Glaube anfänglich vorzüglich gepredigt ward.Alsdann werden unter Absingung der Psalmen, die mitden salbungsvollsten und kräftigsten Gebeten und sinn-vollsten Ceremonien verbunden sind, die Altäre mit demheiligen Chrhsam und heiligen Oele gesalbt und einge-weiht. Dasselbe geschieht an den Mauern der Kirche,die zur Erinnerung an die zwölf Thore des himmlischenJerusalems mit zwölf Kreuzen bezeichnet werden.Der vorzüglichste Gegenstand bei dieser Weihe ist derAltar (sieh das vorhergehende Bild!), als auf welchemdas Opfer des neuen Testamentes dargebracht wird.Darum wäre, wenn der Altar von seiner Stelle gerücktwürde, auch die ganze Kirche dadurch entweiht.

Fr. Woran soll uns die Kirchweihe erinnern?

Antw. An die große Wahrheit, daß auch wirlebendige Tempel Gottes sind, und daß wir ihm daherunfern Leib und unsere Seele weihen und heiligensollen, dem Ausspruche des Apostels gemäß (1. Cor. 3,

16 17):Wisset ihr nicht, daß ihr ein TempelGottes seid, und der Geist Gottes in euch wohnet?Wenn aber Jemand den Tempel Gottes entheiligt, sowird ihn Gott zu Grunde richten; denn der TempelGottes ist heilig, und der seid ihr."

Legende: DerheiligeAbtund KirchenlehrerBernhard ('s 1153).

Ein solch lebendiger Tempel Gottes war der heiligeBernhard, dessen Fest die Kirche heute feiert; denner weihte und heiligte sein ganzes Leben hindurch Leibund Seele Gott dem Herrn. St. Bernhard, ans-gezeichnet sowohl durch Gelehrsamkeit, als auch durchHeiligkeit und Gottesfurcht, wurde i. I. 1091 auf demSchlosse Fontaines bei Dijon geboren. Seine edle Ge-burt, seine vortrefflichen Leibes- und Geistesgaben, dasväterliche Vermögen rc. rc. schienen ihn in seiner Jugendzu locken, in der Welt sein Glück zu versuchen; alleinder Geist Gottes wies den jungen Bernhard auf seinbesseres Glück hin. In einem Alter von 23 Jahrenbegab er sich in das Kloster Cisterz. Diesem seinenEntschlüsse widersetzten sich zwar seine Brüder und Ver-wandte; allein er wußte ihnen solche Gründe anzuführen,daß nicht nur seine Brüder, sondern auch eine großeAnzahl anderer edler Jünglinge seinem Beispiele folgten.Nach Vollendung des Probejahres wurde er von demAbte in das neuerrichtete Kloster zu Clairvaux alsOberer gesandt. Auf daß sein Eifer nicht erkaltete,munterte er sich selbst mit der Frage auf:Bernhard,wozu bist du hieher gekommen?" Vom Herrn mit be-sonderen Gaben begnadigt, war er nicht blos ein ausge-