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Am Feierabende des 16. August.
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Zweihundertachtundzwanzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 16. August.
Vom Empfange des heiligen Sakramentes der Ehe.
Fr. Was sollen Diejenigen beobachten, welche inden Ehestand treten und das heilige Sakrament derEhe empfangen wollen?
Antw. Sie sollen 1) bei der Wahl sehr vorsichtigsein, Gott um seine Gnade und die Eltern und anderebrave Männer um Rath und Aufschluß bitten; 2) inder Religion gut unterrichtet und frei von Ehehinder-nissen sein, endlich 3) in guter Absicht in den Ehe-stand treten.
Belehrung. Don der weisen Wahl des Gatten oderder Gattin hängt der Friede und dis Freude eines ganzen
Lebens ab. Wie viel tausend heiße Thränen der Neuewürden weniger vergossen; wie mancher endlose Kummer,wie mancher täglich erneuerte Schmerz, wie mancher ge-heime, die blühendste Gesundheit zerstörende Gram, wiemancher entsetzliche Entschluß der Verzweiflung würdevermieden werden, wenn man bei dieser Wahl vernünf-tiger und ernstlicher zu Werke ginge! Daher sollen Dieje-nigen, die in den Ehestand zu treten gedenken, 1) beider Wahl vorsichtig sein, Gott um seine Gnadebitten und verständige, brave Leute um Rathfragen; sie sollen also nicht so leichtsinnig zu Werkegehen, wie es z. B alle Jene machen, die nicht vorerstGott anrufcn, und weder Gottes Willen, noch den Rathder Eltern, noch ihr eigenes Seelenheil beachten, die beiihrer Wahl weniger ans Religion und Tugend, als aufzeitliche Vortheile und dgl. sehen, und die nicht vorerstüberlegen, ob sie auch die so schweren Pflichten des Ehe-standes erfüllen können. O der Ehestand ist ein schwerer,ein wichtiger Stanv! Mit Recht sagt ein christlicherLehrer: „Die Ehe ist ein Orden, in dem man noch vordem Novizjahre Profeß machen muß. Gäbe es da einProbejahr, wie in Klöstern, so würden nur sehr Wenigsdie Gelübde ablegen." — Da thut es also wohl noth,daß man mit Bedacht zu Werke gehe, daß man denRath der Eltern einhole und Gott um Beistand undErleuchtung anrufe. „Wollet ihr eine Heirath schließen,"sagt der heilige Franz von Sales, „so ladet Jesumdazu ein (Joh. 2,2); denn ohne ihn habet ihr keineHilfe. Die Heiden riefen bei ihren Hochzeiten den Adonisund die Venus an; und ihr sollet anstatt des AdonisJesum und statt der Venus Maria anrufen." —2) Sollen sie gehörig unterrichtet sein, beidesollen die nöthige Tugend, Einsicht und Religionskenntnißbesitzen, um ihre Kinder christlich erziehen zu können. Zu-gleich sollen sie frei von allen Ehehindernissen sein,nämlich von jenen Hindernissen, z. B. der Blutsverwandt-schaft, der Schwägerschaft, der Heimlichkeit, der öffentlichenEhrbarkeit re., welche die Ehe zwischen zwei Personen uner-laubt oder ungültig machen. 3) Endlich sollen sie nurin guter Absicht in den Ehestand treten, nicht aussinnlicher Lust oder aus irdischen Rücksichten.
Beispiel und Anwendung. Man muß also nuraus guler und heiliger Absicht in den Ehestand treten undbei der Wahl des Ehegatten oder der Ehegattin vorzugs-weise auf Tugend und Rechtschaffenheit sehen. Hiezu willich dir, mein christlicher Leser! ein schönes Beispiel erzählen.