532 Drittes Hauptstück. Vom heiligen Sakramente der Ehe. Die Ehe — ein Sakrament; ihre Unauflösbarkeit.
sie trennt, nur ihre Körper zerreißt." — Zwar kann diegeistliche Obrigkeit auö wichtigen Gründen gestatten, daßzwei Eheleute getrennt von einander leben; aber sie bleibendennoch verglichet, und kein Ehetheil kann bei Lebzeiten desandern eine zweite Ehe gültig eingehen. — Dieß spricht derheilige Paulus (1. Kor. 7, 10 — 11.) in den Wortenaus: „Denen, welche durch die Ehe verbunden sind, gebietenicht ich, sondern der Herr, daß das Weib sich nicht vomManne scheide. Wenn sie aber geschieden ist, so bleibe sieehelos oder versöhne sich mit ihrem Manne. Auch derMann entlasse sein Weib nicht!"
Beispiel und Anwendung. Als der oströmischeKaiser Coustautin IX., von dem die Geschichte so wenigRühmliches zu melden weiß, dem Tode nahe war, ließ erden Patrizier Romanus vor sich kommen und trug ihmmit der Hand seiner Tochter die Nachfolge in der Herrschaftdes Reiches an. Nomanus, bereits mit einer Frau ver-mählt, die er innig liebte, und die seiner ganzen Liebe werthwar, erschrack bei dieser Eröffnung so sehr, daß seine sonstso ausgezeichnet schönen Züge um so auffallender sich ent-stellten. Doch machte dieß auf den rücksichtslosen Gebieterkeinen andern Eindruck, als daß er ihm zwischen der Handder Tochter und dem Verluste beider Augen die Wahl ließ,wozu er ihm bis zum Abend Bedenkzeit gewährte. Dieseherbe Gunst benützend, kehrte der Geängstigte zu seiner Ge-mahlin Helena zurück, und indem er von dem Ereignisseihr Kunde gab, zeigte er sich entschlossen, aus Liebe zu ihrbas schreckliche Opfer zu bringen; sie aber warf sich ihm zuFüßen, beschwor ihn, seine Sehkraft und Wohl auch seinLeben zu wahren und ihr zur Trennung von ihm die Ein-willigung nicht zu versagen. Sie that noch mehr. Ohneseine Antwort abzuwarten, raffte sie sich auf, floh in einbenachbartes Frauenklostcr, sendete ohne Verzug eine Bot-schaft an den Patriarchen und empfing aus seinen Händenden Schleier. Dann erst setzte sie ihren Gemahl durch einSchreiben von dem Geschehenen in Kenntnis', mit der Ver-sicherung ihn tröstend, daß sie nun sich glücklicher fühle, alswenn sic selber den Kaiserthron bestiegen hätte. Romanuserschien nun zwar vor dem Lager des kranken Gebieters,entschlossen seinen gewaltsamen Befehlen Folge zu leisten,und dieser ließ sogleich seine jüngere Tochter Theodora,eine durch Geist und Frömmigkeit nicht minder, als durchSchönheit ausgezeichnete Prinzessin, vor sich rufen, um siedem erwählten Nachfolger antrauen zu lassen. Sie aberverwahrte sich feierlich gegen dieß Ansinnen, einem bereitsverehlichten Manne ihre Hand zu reichen. „Der zwischenRomanus und seiner Gemahlin geschlosseneBund," erklärte sie, „sei von Gott geheiligt, undkeine irdische Macht vermöge ihn zu lösen, ohnegegen Gottes Gebot sich zu empören." Alle Vor-stellungen blieben erfolglos; sie wollte lieber sterben, alsgegen GotteS Anordnung und Gebot sündigen. Welch ein
rührendes Beispiel von Hochachtung und Heilighaltung desunauflöslichen Bandes der Ehe!
Fr. Welche Gnaden ertheilt das heilige Sakra-ment der Ehe? ;
Antw. Das heilige Sakrament der Ehe vermehrt1) die heiligmachende Gnade und 2) verseiht es denEheleuten die besondere Gnade, bis in den Tod inLiebe und Treue gottselig mit einander zu leben, ihreKinder christlich zu erziehen, und die im Ehestande un-vermeidlichen Beschwerden geduldig zu ertragen.
Fr. Welches ist endlich das äußere Zeichen beimheiligen Sakramente der Ehe?
Antw. Das beiderseitige Ehebündniß zweier ledigenPersonen. Die Materie also ist die Handlung,wodurch die Brautleute öffentlich im Angesichte derKirche vor dem eigenen Pfarrer und zwei Zeu-gen ihre beiderseitige Einwilligung zum Ehestand erklä-ren, und die Form sind die Worte, wodurch sie dieseEinwilligung zur unzertrennlichen Verbindung genauausdrücken, und der Segen, womit der Priester den !Ehebund heiligt. ,
Legende: Mariä Himmelfahrt.
Die Kirche feiert heute eines der vorzüglichstenMarienfeste, die Aufnahme Mariens in den Himmeloder Mariä Himmelfahrt. Denn am heutigen Tagewurde Maria, die jungfräuliche Mutter des göttlichenErlösers, nach einem heiligen, mühe- und leidenvollen ^Leben auf eine ihrer Tugenden und der Mutter Gotteswürdige Weise glorreich in den Himmel ausgenommen.Siehe, mein Christ! so wird die Tugend und Heilig-keit belohnt. Möchten doch alle Christen, besondersaber christliche Eheleute dieses erhabene Tugendmustersich zum Vorbilde nehmen und so leben und wandeln,wie Maria, ans daß sie auch mit ihr nach ihremHinscheiden in die Glorie des Himmels ausgenommenwerden mögen! (Sieh das nachfolgende Bild!)
Gebet. O Gott! der du dich gewürdigt hast,den Schooß der heiligen Jungfrau Maria zu deinerWohnung ausznerlesen; wir bitten dich, schenke unsdie Gnade, daß wir ihres Schutzes theilhaftig, froh-lookend ihrer Feier beiwohnen können, der du lebest >und regiresi von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.