584 Drittes Hauptstück. Von den Ceremonien bei der Priesterweihe, und zwar von der Tonsur rc.
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ein Kloster sich begab. Bald verbanden sich mit ihrviele andere Personen ihres Geschlechtes, und es ent-stand der Orden der armen Klarissinen, welcher dieKirche bisher erbaut und die Weichlichkeit der Töchterdieser Welt beschämt hat. Als Oberin zeichnete sichKlara durch Demuth, Andacht und Geduld aus. Dieletzten 28 Jahre ihres Lebens brachte sie meistens aufeinem schmerzlichen Krankenlager zu, wo sie sich freute,daß der Herr ihr seinen Leidenskelch zu kosten gab.Als zur Zeit des Krieges die Stadt Assisi belagertwurde, und die Ungläubigen bereits daran waren, indas außer der Stadt gelegene Kloster der heiligen Klarazu dringen, ließ sich die Heilige an die Pforte tragen,dort vor sich das Hochwürdigste in der Monstranz hin-stellen und betete dann unter Thränen zu dem Aller-höchsten um Schutz für seine Dienerinen. Und sieh,plötzlich ergriffen die Ungläubigen in größter Bestürzungdie Flucht. Von dieser Begebenheit nahmen die MalerAnlaß, der Abbildung der heiligen Klara eine Mon-stranz beizufügen. — Zweiundvierzig Jahre hatte dievielgeprüfte, wundersame Jungfrau in dem Kloster ge-lebt, als sie am 11. August 1253 unter himmlischenTröstungen sanft und ruhig entschlief.
Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! wir vereinigenunser schwaches Gebet mit der mächtigen Fürbitte deiner
treuen und heiligen Dienerin Klara und bitten dichdemüthig, sende uns stets würdige Priester und getreueArbeiter in deinem heiligen Weinberge — durch Chri-stum, unfern Herrn. Amen.
Zweihundertfünfundzwanzigstes Lesestück. ^
Am Feierabende des 13. August.
Bo» den Ceremonien bei der Priesterweihe, und zwar von derTonsur und den vier niederen Weihen.
Fr. Auf wie vielen Stufen gelaugt man zur Prie-sterweihe?
Antw. Ans sieben; auf vier niederen, denendie Tonsur voransgeht, und auf drei höheren.
Belehrung. Es gibt kein Sakrament, zu dessen Er-reichung man durch so viele Stufen hinansteigt, wie zurPriesterweihe. „Der Altar," sagt Gaume in seiner Re-ligionslehre, „ist ein Heiligthum, zu dem viele Stufen führen,
(sieh das nachfolgende Bild!) ein heiliger, furchtbarer Berg,den man nur langsam ersteigen kann, und erst nach langenund strengen Reinigungen. Die verschiedenen Weihen sind !die Stufen dieses geheimnißvollen Berges." Es gibt nämlich7 Stufen oder Grade: vier niedere, denen die Tonsurvorausgeht, und drei höhere. Diese verschiedenen Gradeund die dabei vorkommenden Ceremonien wollen wir nunnäher betrachten; wir werden hieraus die Größe und Er-habenheit des heiligen Sakraments der Priesterweihe ken-nen lernen.
Fr. Was versteht man unter Tonsur?
Antw. Unter Tonsur versteht man die geschorne jKrone auf dem Haupte des zu Weihenden; sie ist nochkeine Weihe, sondern nur eine Vorbereitung dazu, gleich-sam die Einkleidung zum geistlichen Stande.
Belehrung und Beispiele. Die Vorbereitung zumheiligen Sakramente der Weihe ist die Tonsur. Sie istselbst, wie schon gesagt, keine Weihe, sondern verhält sich zuderselben, wie die Verlobung zur Ehe. Durch die Tonsurwird Der, welcher sie empfängt, von dem Laienstande getrenntund in den geistlichen Stand erhoben. Wer sie trägt, gibtdamit zu verstehen, daß er gesonnen und entschlossen ist, sichdem besonderen Dienste Gottes und der Kirche zu weihen.Der Bischof ertheilt die Tonsur, indem er dem Tonsurandeneinen Theil seines Haupthaares abschneidet, wobei Letzterer