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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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522
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522 Drittes Hauptstück. Vom

mand müsse deine Jugend verachten" (1. Thimoth. 4, 12.),d. h.: Gib Niemand Veranlassung, dich deiner Jugend wegenzu verachten! — 2) Hohe Frömmigkeit; und dieß zurFörderung des Heiles der Seelen, und zur Vermeidung eige-nen Unterganges. Heiliges muß heilig behandelt werden. —3) Gründliche Wissenschaft, ohne die man dem hei-ligen Amte unmöglich recht obliegen kann, und ohne die oftwahr wird: „Wenn ein Blinder einen Blinden führt, sofallen beide in die Grube" (Matth. 15, 14.). — 4) Klug-heit und Bescheidenheit, die nicht nur Wegweiserinund Führerin der Tugenden, sondern auch des amtlichenWirkenS sein muß. Unbesonnene, voreilige und unbedacht-same Leute sind znm Priesterstande ganz untauglich. —5) Beruf von Gott, indem es Gott zugehört, seine Die-ner zu wählen, wie dem Könige die Wahl seiner Beamtenzusteht. Es erwählte auch unser Herr selbst — seine Apostel,und zwar jene, die er wollte (Mark. 3, 13.). Und der hei-lige Apostel Paulus schreibt: „Niemand darf diese Ehre sichselbst herausnehmen, sondern man muß von Gott, wie Aaron,dazu berufen werden." (Hebr. 5, 4.) Vom Mangel an gött-lichem Berufe kommt soviel Unheil! . . Die Kennzeichen die-ses Berufes aber sind: übernatürliche, beständige Neigungznm Priesterstande, Lebensreinheit, Andacht und Liebe zu hei-ligen Dingen uud Uebungen, welche auf die Ehre Gotteszielen, Seeleneifer, Keuschheit, Verachtung der Welt, Fähig-keit und Tüchtigkeit zu den Verrichtungen dieses heiligen Stan-des. — 6) Vollkommen reine Absicht, wobei mannichts Anderes beabsichtiget, als Gott zu verherrlichen undan seiner eigenen Heiligung sowohl, als an der HeiligungAnderer zu arbeiten.

Beispiel und Anwendung. Nicht weit von Düsseldorf

lebte der Pfarrer H.. ein Geistlicher, der ein Mann

war von felsenfestem Glauben und grenzenlosem Vertrauenauf des himmlischen Vaters Hilfe. Eine kleine Gemeindehätte gerne einen eigenen Seelsorger gehabt; aber sie konntedemselben keine hinreichende Besoldung geben, und sein Un-terhalt mußte hauptsächlich von der freiwilligen Unterstützungder Wohlhabenden abhängen. Gewiß für den Seelsorger,der sich dieses Namens werth bezeigen will, eine schwereLage. Diese Stelle wurde einem braven, jungen Priesterangeboten; und er, der in Allem, was ihm begegnete, Got-tes Hand sah, machte sich alsbald auf den Weg. Unterwegsgesellte sich ein Bekannter zu ihm, ein vermöglicher Land-mann aus der Nachbarschaft, und fragte den Priester, woer hin wolle. „Nach D....," sagte er: „wohin ich alsSeelsorger berufen bin." — „Wie?" rief sein Begleiter,„nach D...., um dort Hungers zu sterben?" — „Lassenwir das gut sein," sprach mit ruhigem Lächeln der Glau-

Berufe zum Priesterstande.

bcnsmann, und sing an, von andern Dingen zu reden. Auseinmal wendet er sich folgendermaßen an den Bauer: „Ichmuß Euch doch Etwas sagen, das mir recht leid thut umEuch. Bisher habe ich Euch immer für einen rechtlichenMann gehalten, und nun muß ich hören, daß Ihr EurenTaglöhnern und Dienstboten, welche den ganzen Tag fürEuch arbeiten, nicht einmal satt zu essen gebt." — „Was?"fuhr der Landmanu heftig auf, „ich gebe meinen Leuten nicht

genug zu essen? Wer mir so Etwas nachredet-

„Nur gemach," siel ihm der Diener Gottes besänftigend indie Rede, „so bös ist's gar nicht gemeint. Ich Hab' Euchnur darauf hinzeigen wollen, daß der liebe Gott sicherlichnicht schlechter ist, als Ihr. Wenn ich in Seinem Dienstetreulich arbeite, so wird Er mich gewiß nicht verhungernlassen." Das war des Mannes Glaube, und auf diesemblieb er fest bis in den Tod. Und die Stürme des Lebensund seine viele Noth konnte dieses sein festes Gebäude nichterschüttern; denn es war auf den Fels gegründet. Wer souneigennützige Absichten und ein so kindliches Vertrauen aufGott im Herzen hat und nährt, der ist zum Priester desHerrn berufen.

Fr. Sind aber nicht alle Christen schon durch dieTaufe wahre Priester?

Anlw. Nein; wie in A. B. das eigentliche Priester-thum durch leibliche Abstammung von Aaron sich fort-pflanzte, so Pflanzt es sich auch im N. B. nur durchdie geistige Abstammung der Weihe fort.

Belehrung. Man muß unterscheiden zwischen inneremund äußerem Priesterthume; dem innern Priesterthumenach sind alle Gläubigen, besonders die Gerechten, Priester,nicht aber dem äußern Priesterthume nach. Wenn alsoder heilige Petrus (1. Petr. 2, 9.) alle Christen „einkönigliches Priesterthum" nennt, so ist dieß nur imgeistigen Sinne zu verstehen; wir sollen nämlich Alle, diewir getauft sind, innerliche oder geistige Opfer desGlaubens, der Hoffnung und Liebe, des Gebetes und derAbtödtung Gott darbringen (siehe nachstehendes Bild!), so-wie wir auch geistiger Weise Könige und Herrscher sind,indem wir über unsere bösen Neigungen und Leidenschaftenherrschen sollen. — Sehr schön stellt uns der heilige Ephremdieses geistige Priesterthum in folgendem Gleichnisse dar:„Strebe mit allem Fleiße darnach," schreibt er, „daß du indeiner Brust Gott einen Tempel aufbauest, und sei Küsterund Priester darin! Diene ihm unverzüglich, und weil erfür dich Priester und Opfer wurde, so bringe ihm dein Herzdar und reinige es von allem Unflathe!" — Dem äußernPriesterthume aber können nicht alle Gläubigen angehören,d. h. sie könnem nicht Ausspender der Geheimnisse