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Drittes Hauptstück. Von der Bürde des Priesterstandes.
seinem himmlischen Vater auf; durch seinen Mund ergehtGottes Wort an die Gläubigen. Welch eine Reinheit anLeib und Seele ist zu einem so erhabenen Amte noth-wendig!
Beispiel und Anwendung. DerheiligeFranziskuszitterte oft am ganzen Leibe vor heiliger Furcht, wenn erbedachte, welche englische Reinheit dazu gehöre, die heiligenFunctionen eines Priesters zu verrichten, besonders aber dashochheilige Meßopfer zu feiern. Obschon zum Priester ge-weiht, weigerte er sich dennoch, die heilige Messe zu lesen;und da mau ernstlich in ihn drang, doch einmal dem Herrndas heilige Opfer darzubringen, ging er stillschweigend seinesWegeS; und indem er darüber nachdachte, empfahl er sichGott. Da erschien ihm ein Engel mit einer sehr glänzendenFlasche, voll von einer Flüssigkeit, die noch Heller und glän-zender war; der sprach zu ihm: „Franziskus, so klarwie diese Flüssigkeit ist, so hell und rein soll die Seele desPriesters sein." Und der Glanz der Flüssigkeit wurde sogroß, daß es Franziskus schien, wenn er einen Vergleichzwischen jener Flüssigkeit und seiner Seele anstellte, als habeer nicht die hinreichende Befähigung, eine Messe zu celebri-ren, und er dürfe es nicht wagen, je diesem Amte vorzu-stehen.— Auf daß der Priester diese heilige Reinheit bewahre,auf daß er zur Zeit der Gefahr, wo z. B. ansteckendeKrankheiten herrschen, nicht durch Familienverhältnisse vonErfüllung seiner Pflichten abgehalten werde, hat es die heiligekatholische Kirche in weiser Absicht dem Priester zur strengenPflicht gemacht, chelos zu bleiben. Er soll kein Weib undkeine Kinder haben, damit er Allen Vater, AllenAlles werden könne.
Fr. Was wird von dem Priester noch weiter gefordert ?
Antw. Es wird noch gefordert ein unermüdeterEifer, gepaart mit Klugheit und Liebe.
Belehrung. Der Priester muß unermüdet eifrigsein; unermüdet im Gebete, da er zu seinem schweren Be-rufe Kraft und Stärke von Oben braucht; unermüdet inseinem Amte; beständig sei sein Auge wach für die Guten,wie für die Bösen von den Seinigen: — für die Guten,auf daß sie nicht fallen; für die Bösen, auf daß er sie rette.Zu jeder Stunde sei er bereit den Gesunden Rath, denKranken Trost zu spenden! — Bei allem Eifer muß er aberauch stets klug und liebevoll sein; er muß sein, wieein Vater unter seinen Kindern, gut mit den Guten undväterlich streng und ernst mit den Ungerathenen. Er suchezu bessern, nicht zu erbittern; überall zeige sich bei ihm derwahre Geist des Christenthums, geneigt zum Verzeihen undzum Lieben.
Beispiel und Anwendung. Einer der Lasterhaftesten,der zur Zeit der französischen Revolution mit den gröbsten
Verbrechen besudelt und mehr als einmal im Blute derPriester sich gebadet hatte, fiel in eine Krankheit. Er hattegeschworen, daß nie ein Priester einen Fuß in sein Haussetzen sollte, oder, wenn er es wagte, von selbst hineinzu-gehen, er nie mehr hinauskommen würde. Die Krankheitwurde indeß ernster. Ein Priester erfährt dieß, sowie auchdie feindlichen Gesinnungen des Kranken. Thut Nichts; dergute Hirt weiß, daß er sein Leben für seine Schafe hin-geben muß. Ohne Bedenken opfert er sich, er besucht denKranken. Bei seinem Anblicke geräth dieser in Wuth, ersammelt alle seine Kräfte und schreit mit fürchterlicher Stimme:„Was! ein Priester bei mir? Man gebe mir meine Waffe!" —„Mein Bruder," fragt ihn der Priester, „was willst dudamit thun? Ich halte dir noch mächtigere entgegen, meineLiebe und meine Standhaftigkeit." Man gab ihm seineWaffen nicht. Da streckt er aus seinem Bette einen starkenArm, er droht damit dem Priester und sagt: „Wisse, dieserArm erwürgte zwölf deines Gleichen." — „Du irrst dich,mein Bruder," entgegnete ihm sanft der Priester, „es istEiner weniger: der zwölfte ist nicht gestorben, dieser zwölftebin ich. Erkenne," fügte er seine Brust öffnend hinzu,„die Narben von deinen Streichen! Gott erhielt mir dasLeben, um dich zu retten." Mit diesen Worten wirft er sichdem Kranken um den Hals, umarmt ihn zärtlich und er-leichtert ihm das Sterben. Haben tausend Priester nichtdasselbe gethan, dann hat eben nur Einer die Gelegenheitdazu gefunden. Das ist der Priester, der wahre Priester,wie er sein soll.
Fr. Was muß also der Priester mit aller Sorgfalt meiden?
Antw. Jede Sünde und jedes Aergerniß.
Belehrung. Der heilige Chrhsostomus schreibthierüber: „Wenn an dem Körper nur ein geringes und un-bedeutendes Glied verletzt wird, so ist dieß kein großerSchaden für den Körper; wird hingegen das Auge oder dasHaupt verletzt, so geht der ganze Körper zu Grunde; so istes auch mit einem Menschen, der auf einen erhabenenPosten als Leuchte gestellt ist, und zwar in der Absicht, umAndern zu leuchten. Fällt nämlich dieser in eine Sünde, sorichtet er einen allgemeinen und sehr großen Schaden an;denn er hat sich nicht blos selbst zu Grunde gerichtet, son-dern er gibt auch allen Denen ein großes Aergerniß, diebisher auf ihn gesehen haben und noch sehen."
Legende: Die heilige Filomena, Jungfrauund Märtyrin.
An jener Heiligen, deren Fest wir heute feiern,und deren heilige Gebeine erst am Anfänge diesesJahrhunderts, am 2. Mai l802, in den Katakombenzu Rom aufgefunden wurden, sehen wir ein besonderserhabenes Beispiel von jungfräulicher Reinigkeit, die