Am Feierabende
liebte Laurentius seinen geistlichen Vater. Daherbestellte aber auch der heilige Sixtus, als er im Jahre257 zum Papste gewählt worden war, den heiligen Lau-rentius, der vorzügliche Eigenschaften des Geistes undregen Eifer für Tugend besaß, zum Ersten der siebenDiakonen bei der römischen Kirche und vertraute ihmdie Verwahrung der Kirchengüter und die Besorgung derArmen an. Als Sixtus später zum Tode geführtwurde, ging ihm Laurentius nach und jammerte undweinte, und fühlte in sich ein Verlangen, eines gleichenHeiles gewürdigt zu werden. Der heilige Papst trösteteihn und sprach: „Nach drei Tagen wirst du mir folgen."Laurentius war hoch erfreut, da er vernommen hatte,daß ihn Gott bald zu sich rufen werde. Unverzüglichtheilte er das Kirchenvermögen unter die Armen aus,verkaufte die kostbaren Kirchengefäße und verwendete daserlöste Geld auf dieselbe Weise. Als der StatthalterRoms verlangte, daß ihm Laurentius die Schätze derKirche ausliefern sollte, führte er alle Armen, die ansKosten der Kirche unterhalten wurden, vor den Statt-halter. Aber wie erstaunte der habsüchtige Mensch beidiesem Anblicke! Mit Ungestüm forderte er die Schätzeder Kirche. Der heilige Diakon aber sprach: „Siehe! da istunser Gold und unser Silber; und in diesen Jungfrauenund Wittfranen siehst du unsre Perlen und unsre Edel-steine. Uebernimm diese Schätze, versorge sie, dann wirstdu den Ruhm der Stadt vergrößern, das Wohl desKaisers befördern und dich selbst bereichern." Der Statt-halter gerieth in Wuth und ließ ihn ans einem glühendenRoste eines langsamen, schmerzhaften Todes sterben. In-zwischen erhob er seine Hände zum Himmel und flehtezu Gott durch Jesum Christum und durck> die Fürbitteder heiligen Apostel für die Bekehrung Roms. Betendgab er endlich seinen Geist auf, am 10. August 258.
Gebet. Erfülle, o Gott! unsere Herzen mit jenerEhrfurcht und Liebe gegen unsere Bischöfe und Priester,von welcher der heilige Laurentius erfüllt war, undverleihe uns die Gnade, die schändlichen Flammen unsrerbösen Begierden auszulöschen, sowie du den heiligenLaurentius über das Feuer, durch das er litt, hastsiegen lassen — durch Jesum Christum, unfern Herrn.Amen.
Zweihundertdreiundzwanzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 11. August.
Von der Bürde des Priesterstandes.
Fr. Ist das Amt eines Priesters so leicht undangenehm, wie es sich Viele vorstellen?
Antw. O nein; das Amt eines Priesters ist ein
des 11. August. 519
sehr hartes und schweres Amt; denn an den Priesterwerden viele und große Anforderungen gestellt.
Belehrung. Die pricsterliche Würde ist in Wahr-heit eine schwere Bürde; denn das Amt deS Priesters wirdverglichen mit dem Amte eines Winzers (Matth. 20,1. 4. 7.),eines Fischers (Matth. 4, 19.), eines Jagers (Jerem. 16, 16.),eines Hirten (Joh. 21, 17; I. Petr. 5, 2.) Lauter mühe-volle Stände! Ein Winzer muß die Hitze der Sonne beischwerer Arbeit ertragen, muß pflanzen, ausreißen, wiederpflanzen u. s. w. Der Fischer muß seine Netze anSwerfcnund darf nicht ermatten, wenn er auch in ganzen Tagenund Nächten Nichts fängt. Der Jäger muß seine Beuterastlos durch Wald und Flur verfolgen. Der Hirt mußWachen Tag und Nacht, auf daß der Wolf ihm kein Schafentreiße; er muß denen, die sich verirren, Nacheilen, bis ersie findet. Aehnliches muß auch der Priester thun; schweralso ist sein Amt und groß seine Verantwortung.
Fr. Was fordert die priesterliche Würde insbe-sonders von dem Priester?
Antw. Sie fordert von ihm vor Allen einen reinenund frommen Lebenswandel.
Belehrung. Der Wandel des Priesters sei rein, seifromm und heiligmäßig (Sieh das obige Bild!); denn inseine Hände find große Geheimnisse gelegt; ihm ist die Ver-waltung und Ausspendung der heiligen Sakramente anver-traut; durch seine Hände opfert sich täglich Jesus Christus