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Drittes Hauptstück. Bedeutung der Priesterweihe.
Kelches mit Wein und Brod. Die Materie des Sakra-mentes ist also die Auflegung der bischöflichen Hände sammtdem Anrührcn der geweihten Gefäße; die Form aber sinddie Gebete deS Bischofs. — Schon zur Zeit der Apostel be-stand die Priesterweihe in der Handauflegung und imGebete. So schreibt der heilige Paulus an den BischofTimotheus (2. Tim. 1, 6.): „Ich ermahne dich, daß dudie Gnadengabe wieder erweckest, welche in dir ist durchAuflegung meiner Hände." Und in der Apostelge-schichte (13, 1 — 4) wird die Art und Weise, wie Barna-bas und Paulus zu Priestern geweiht wurden, folgender-massen erzählt: „Es waren aber in der Kirche zu AntiochiaPropheten und Lehrer, (Solche, die Andere im Christenthumeunterrichteten); darunter Barnabas, Simon, genanntNiger, Lucius von Cyrene, Manahen, der mit Herodes, demVierfürsten, erzogen ward, und Saulus. Als diese nundem Herrn den heiligen Dienst verrichteten und fasteten,sprach der heilige Geist zu ihnen: „Sondert mir ab denSaulus und Barnabas zu dem Werke, wozu ich sieausgenommen habe." Alsdann fasteten sie; und sie betetenund legten ihnen die Hände auf; und sie ließen sie ziehen."Also auch damals schon wurde die Priesterweihe unter Gebetund Händeauflegung ertheilt.
Fr. Welches sind die vorzüglichsten Wirkungender Priesterweihe?
Antw. Besonders folgende drei: 1) erhält der Ge-weihte ein unermeßlich großes Maaß der Gnade; 2) drücktsie ihm ein unauslöschliches Merkmal ein, und 3) wer-den dadurch Diejenigen bezeichnet, die nach der Anord-nung Christi die Kirche leiten und regiren.
Belehrung. Groß sind die Wirkungen dieses heiligenSakramentes. 1) Erhält der Geweihte ein uner-meßlich großes Maaß der Gnade — wegen seinerinnigsten Vereinigung mit Christus im heiligen Amte undwegen der Beziehung seines Berufes zum Reiche Gottes.Niemand fürwahr vermag es zu ahnen, wie sehr das Sa-krament der Weihe die heiligmachende Gnade in der Seeledes Geweihten vermehre. Er wird der Stellvertreter Christials Ausspender der Gnaden (1. Cor. 4, 11.) 2) DasSakrament der Weihe drückt dem Geweihten auchden unauslöschlichen Charakter ein. „GleichwiederGetaufte nie mehr getauft werden kann, ebenso kann derGeweihte nie mehr geweiht werden;" nämlich wegen diesesunauslöschlichen Merkmales. So schreibt der heilige PapstGregor der Große an Johannes von Ravenna. —
3) Durch dieWeihe werden zugleich diePersonenbezeichnet, die Christus unter dem Einfluß und der Anord-nung des Oberhauptes der Kirche dazu bestimmte, die KircheGottes auf Erden zu leiten und zu regiren. Ge-wiß, die Kirche Gottes, sie wäre nicht das wohlgeordneteKriegsheer, das sie wirklich ist, wenn die Eintheilung undOrdnung der Weihe nicht festgehalten würde, und wenn un-berufene Miethlinge sich in das heilige Amt oder in dieLeitung der Kirche Gottes selbst eindringen dürften; dagegenhat Christus durch die Anordnung der heiligen Weihen einenmächtigen Damm gesetzt, der nie durchbrochen werden wird.
Beispiel und Anwendung. Durch die Priester-weihe erhalten also die Geweihten, wie gesagt, ein unermeß-lich großes Maaß von Gnaden, ganz besonders aber auchdie Gnade, das Priesterthum recht zu verwalten, die schwerenPflichten ihres heiligen Amtes treu zu erfüllen, mit Lust undFreude allen möglichen Mühen und Beschwerden sich zu un-terziehen und, wenn es noth thut, selbst Blut und Leben inihrem heiligen Dienste zu opfern. Wie wunderbar tritt nichtdiese besondere Gnadenwirkung der Priesterweihe bei so vielen,treuen und frommen Priestern der Kirche hervor, z. B. beijenen frommen Missionären, die Haus und Hof, Heimat undVaterland, Geld und Gut verlassen und auf alle Freudender Erde verzichten, um als fromme Priester und treueDiener des Herrn das Reich Gottes auf Erden zu verbrei-ten! Wie oft zeigt sich nicht diese wunderbare Wirkung derPriesterweihe zur Zeit ansteckender Krankheiten oder bei sonstigenGefahren, wo die Priester mit Verachtung ihres eigenen Le-bens hilfreiche Hand bieten! Hiezu nur Ein Beispiel. —Ein spanisches Schiff segelte mit vielen Menschen nach Amerika.Unterwegs litt es Schiffbruch. Der Kapitän ließ schnell dasBoot nieder, und dieses war bald mit Menschen angefüllt.„Wo ist Don Alfonso?" rief er; so hieß der Priesterdes Schiffes; ihn hätte der Kapitän noch gerne ausgenommen.Allein dieser rief vom Borde hinunter: „Lebet wohl, Freundeund Brüder! Meine Pflicht beginnt jetzt." Er tröstete dieVerzweifelnden, hörte die Beichte der dem Tode Geweihten,spendete die Tröstungen der Religion und wurde mit Allenin den Wellen begraben. — Welch ein rührendes Beispielpriesterlicher Pflichttreue! Woher hat wohl dieser frommePriester einen so heiligen Muth und die Gnade empfangen,mit solcher Ausdauer und Selbsthinopferung die Pflichtenseines heiligen Standes zu erfüllen? Antwort: Ganz gewißdurch das heilige Sakrament der Priesterweihe.
Legende: Der heilige Märtyrer Cyriakusund seine Gefährten, (ch 303).
Auch in der Lebens- und Leidensgeschichte des hei-ligen Cyriakus, dessen Fest wir heute feiern, ersehenwir die wunderbaren Wirkungen- des heiligen Sakra-mentes der Priesterweihe. Ja, er war noch nicht einmalzum Priester, sondern blos zum Diakon geweiht, und