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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Am Feierabende des 3. August.

der Büßer zu Rom. Die Aufnahme wurde ihr nicht ver-weigert, sondern der hohe Grad ihrer Reue erzeugte einenvölligen und schleunigen Nachlaß. „Welche Sünden,"sagt Hieronymus, „sollen dieseThräuen nicht abwaschen;welche veralteten Mackeln soll dieß Wehklagen nicht auStil-gen?" — So erzählt auch Eusebius, daß Papst Ze-pherin den reuigen Bischof Natalis gleich in die Ge-meinschaft der Kirche wieder ausgenommen und ihm sonacheinen vollkommenen Ablaß verliehen habe.

Fr. Was ist ein Jubiläums-Ablaß?

AntW. Ein vollkommener Ablaß, den der heiligeVater alle 25 Jahre oder bei wichtigen Veranlassungenertheilt, mit besondern Privilegien oder Freiheiten fürBeichtväter und Beichtkinder auszeichnet und für dieganze Christenheit aus schreibt.

Belehrung. Da der Jubiläums-Ablaß durch solcheVorzüge ausgezeichnet ist, so ist er eine besondere Zeit derGnade und des Jubels für alle Sünder; daher auch dieBenennung: „JubiläumS-Ablaß." Schon bei den Js«raeliten gab es ein sogenanntes Jubeljahr, d. h. einJahr der Freude und des Nachlasses. Im 3. Buch Mosis25. Kap. liest man hierüber Folgendes. Gott sprach zu

Moses: „Und du sollst sieben Jahreswochcn zählen, d. i.siebenmal sieben, zusammen neunundvierzig Jahre, und sollstmit der Posaune blasen im siebenten Monat, am zehntenTage des Monats zur Zeit der Versöhnung. . . Und dusollst das fünfzigste Jahr heiligen, und es Erlaßjahrnennen allen Bewohnern deines Landes; denn eS ist dasJubeljahr. Da soll Jeder wieder zu seinem Eigcnchumekommen, und Jeder zu seinem vorigen Geschlechte zurück-kehren; denn es ist das Jubeljahr, das fünfzigste Jahr." —Was den Juden das fünfzigste Jahr in zeitlichen Dingenwar, daS soll uns Christen das Jubiläum in Sachen desGeistes sein. Im Jubeljahre wurden bei den Israelitendie Gefangenen entlassen und die Sklaven in Freiheit ge-setzt: eben so wird uns zur Zeit eines Jubiläums Gelegen-heit verschafft, durch wahre Buße uns aus der Knechtschaftdes bösen Feindes zu befreien und die Fesseln der Sündeabzuwerfeu. Die Juden traten zur Zeit deS Jubeljahreswieder in ihre väterlichen Güter und in den Schooß ihrerFamilien zurück: ebenso finden auch wir beim JubiläumS-Ablaß Gelegenheit, wieder in die Kindschaft Gottes und indas verlorne Erbe des Himmelreiches einzutreten.

Geschichte deS Jubiläuinsablaffes. — Das ersteJubelfest ließ Papst Bonifacius VIII. im Jahre 1300feierlich ausschreiben mit der Verordnung, daß so ein Jubi-läum allezeit nach hundert Jahren wieder für Diejenigen sollverliehen werden, welche zu Rom die Kirchen der heiligenApostel Petrus und Paulus andächtig besuchen würden. Da-her bedeutete das Jubiläum im Anfänge auch so viel,als einen hundertjährigen Ablaß, oder ein neues Jahrhundertnach der gnadenreichen Geburt unsers Herrn Jesu Christi.Papst Bonifacius VIII. ward zur Einführung des Jubi-läums durch besondere Umstände veranlaßt. Gegen dasEnde des Jahres 1299 kamen von allen Enden und Ortender Christenwelt Wallfahrer ohne Zahl nach Rom. Auf Be-fragen, warum sie diese Pilgerfahrt so weit her anstellten,war ihre allgemeine Aussage: Sie hätten von ihren Elternund Voreltern für gewiß gehört, daß man zu Rom am Endeeines jeden Jahrhunderts besondere Gnaden-Ablässe ge-winnen könne, wenn man daselbst die Kirchen der heiligenApostel Petri und Pauli besuchen und dabei nach Vorschriftder 'Kirche seine Andacht verrichten würde. Unter der Mengevon Leuten jedes Standes und Alters, die im Jahre 1300aus allen Gegenden zur Hauptstadt eilten, um den großenAblaß zu gewinnen, machte ein besonderes Aufsehen ein ge-wisser Herr von hohem Adel aus Savoyen. Wohl etwasüber hundert Jahre alt ließ er sich von seinen Söhnen nachRom tragen, und erzählte wohl bedächtlich, er wäre vorhundert Jahre eben so wohl schon da gewesen und habe, wiejetzt, mit Andern das heilige Jahr in Nom gefeiert. Hun-dert Jahre werden aber selten, noch weniger, wie von jenem