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Drittes Hauptstiick. Bedeutung und Alter des Ablasses.
Beispiele zu folgen, tödtete er seine Sinne ab, und standoft in der Nacht auf, seine Sünden zu beweinen. DurchGebet und Abtödtung ward sein Herz den Einflüssender Gnade immer mehr geöffnet und endlich ganz vonaller sinnlichen Lust geläutert. Im Kloster Montferrathing er seinen Degen an einen Pfeiler neben dem Al-täre auf, dadurch anzuzeigen, daß er dem weltlichenKriegsdienste entsagt habe. Zu Manresa verfaßte er dasherrliche Büchlein, welches jetzt noch unter dem Titel:„Geistliche Uebungen des heiligen Ignatius" bekannt ist,zur Erbauung und Förderung des innern Lebens derGläubigen. Der Besuch der heiligen Orte im Jahre1523 erfüllte sein Herz mit den lebhaftesten Gefühlender Andacht und der Zerknirschung. Zu Barzelona,Salamanca und Paris vollendete er seine Studien. FranzLader, Nikolaus Alphonso und viele Andere über-ließen sich der geistlichen Führung des heiligen Igna-tius. Der neue Orden, den er stiftete, wurde imJahre 1540 vom Papst Paul III. bestätiget. Er ent-schlief freudig im Herrn im Jahre 1556 am 31. Juli.Sein Wahlspruch war: „Alles zur größeren Ehre Gottes!"
Gebet. O Gott, der du deiner streitenden Kircheden heiligen Ignatius gegeben hast zur Verbreitungdeines heiligen Namens, laß uns auf seine Fürbitte undnach seinem Beispiele so gegen die Sünde und gegenalle Feinde unsers Heiles streiten, daß wir mit ihm imHimmel gekrönet zu werden verdienen — durch JesumChristum, unfern Herrn. Amen.
Zweihundertunddreizehntes Lesestück.
Am Feierabende des 1. August.
Vom Ablasse.
Bedeutung und Alter de« Ablasses.
Fr. Wodurch kommt uns die Kirche bei Abbüßungder zeitlichen Sündenstrafen zu Hilfe?
Antw. Durch Ertheilung der Ablässe.
Fr. Was ist ein Ablaß?
Antw. Der Ablaß ist eine außerhalb des Buß-sakramentes ertheilte Nachlassung der zeitlichen Strafen,welche wir, nach bereits vergebener Sünde, entweder hieroder im Fegfeuer noch abbüßen sollten.
Belehrung und Beispiele. Mit der Bußanstaltsteht der Ablaß in enger Verbindung und zeigt uns dasBußwesen von seiner milden Seite; denn die Kirche kommtuns durch Ertheilung der Ablässe bei Abbüßung der zeit-lichen Sündenstrafen zu Hilfe; ich sage „der zeitlichenSünden strafen;" denn durch den Ablaß, den die Kirche cr-theilt, läßt sie keine Sünden, nicht die Schuld, nichtdie ewigen Strafen nach; dieß Alles wird nur im Buß-sakramente durch die Absolution des Priesters nachgelassen;der Ablaß bezieht sich nur auf die zeitlichen Strafen, diedem Sünder auch nach der Nachlassung der Sünden zu til-gen übrig bleiben; daher ist auch nach unsrer obigen Erklär-ung der Ablaß nichts Anderes als „eine außerhalb desBußsakramentes ertheilte Nachlassung der zeitlichenStrafen, welche wir nach bereits vergebener Sündeentweder hier oder im Fegfeuer noch abbüßcn sollten;" undzwar läßt uns die Kirche die schuldigen Sündenstrafen nach,indem sie der göttlichen Gerechtigkeit für uns Ersatz leistetaus dem unerschöpflichen Schatze der Genug-thuungen Christi und seiner Heiligen, der daherauch der geistige Kirchenschatz genannt wird. (Sieh dasnebenstehende Bild!) Diese Lehre vom Ablaß ist unstreitigeines der schönsten Dogmen des Christenthums und trotzaller Lästerung und Mißdeutung sowohl der Vernunft, alsauch dem Herzen des Menschen gleich wohlthuend. Ich willdir dieß, mein christlicher Leser! durch einige Gleichnisse oderBeispiele Nachweisen. — In einer Familie ist ein Kind un-gehorsam: der Vater legt ihm eine Buße auf. Der Schul-dige muß sie ertragen, da kommt seine Mutter oder seinBruder oder seine Schwester und bittet für ihn um Gnade.Der Vater läßt sich erweichen und verzeiht in Anbetrachtder Bitten und der Vermittlung seiner Gattin oder seinerKinder. Dieser Familienvater ertheilt einen Ab-laß. — In einem Königreiche macht sich ein Mensch einesVerbrechens schuldig. Die Gesetze verurtheilen ihn zum Tode.Schon soll er sterben; da wirft sich eine bedeutende Persondem Monarchen zu Füßen und bittet um Gnade für denVerbrecher. Der König läßt sich erbitten; der Schuldigewird begnadigt; dieser König ertheilt einen Ab-laß. — Das gesammte Menschengeschlecht empört sich m