Am Feierabende
der Person des Adam gegen Gott. Es wird zum ewigenTode verdammt. Alsdann stellt sich der Sohn Gottes darund bittet um Gnade, indem er sich zum Tode dafür an-bietet. Der ewige Vater läßt sich erflehen, und der Menschwird begnadigt: Gott ertheilt einen Ablaß, und dasganze Christenthum ist gleichsam nur ein großer Ablaß, derin Anbetracht der ganz vorzüglichen Unschuld, welche sichfreiwillig für die schuldige Welt hinopferte, dem Menschenge-schlechte ertheilt wurde.
Fr. Wer kann Ablässe ertheilen?
Antiv- Die heilige katholische Kirche, d. h. derPapst und mit seiner Vollmacht auch die Bischöfe; dennChristus hat zum heiligen Petrus gesagt: „Ich will dirdie Schlüssel des Himmelreiches geben; was du aufErden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelösetsein" rc. (Matth. 16, 19.)
Belehrung. Der Vater in seiner Familie, der Königin seinem Reiche genießen das herrliche Vorrecht, Gnade zugewähren. Warum sollte die Kirche, unsere Mutter undunsere Königin, nicht dasselbe Recht in Bezug auf ihreKinder haben? Der Erlöser beehrte sie damit, als er zumheiligen Petrus sagte: „Ich will dir die Schlüssel des Him-melreiches geben; Alles, was du auf Erden lösen wirst,wird auch im Himmel gelöset sein" rc. (Matth. 16, 19.)Diese Verheißung ist allgemein und läßt keine Ausnahmezu. Wir schließen demnach also: die Kirche hat von JesusChristus in der Person des heiligen Petrus, der ihr Hauptist, die Macht bekommen, den reuigen Sündern den Himmelzu öffnen, indem er ihr die Schlüssel des Himmelreiches gab;mit andern Worten: Christus hat seiner Kirche die Gewaltgegeben, Alles zu beseitigen, was uns den Himmel ver-schließt, also auch die zeitlichen Sündenstrafen, weil uns die-selben den Himmel verschließen; sonach hat die Kirche dasRecht und die Gewalt, die zeitlichen Sündenstrafen aufzu-heben, oder was dasselbe ist, einen Ablaß zu ertheilen.
Beispiel und Anwendung. Daß die Kirche dasRecht, Ablässe zu ertheilen, von Gott selbst, von Christuserhalten habe, magst du, mein christlicher Leser! aus fol-gendem Beispiel oder Gleichniß noch dentlicher ersehen. —Wenn ein Steuereinnehmer oder ein königlicher Nentbeamterein allerhöchstes Rescript erhalten hat und laut desselbenden Unterthanen anzeigt, daß ihnen wegen Mißwachs odersonst erlittenen Feldschadens an den jährlichen Steuern undGülten vom gnädigsten Landesherrn Alles oder ein Theilnachgelassen sei; so verdankt man diese Gnade Seiner Ma-jestät dem Könige selbst. Eben so können Papst und Bischöfe,
Mchler, Hausbuch.
des 1. August. 497
so zu sagen, vom Himmel aus ein göttliches Schreiben auf-weisen, nach welchem sie befugt sind, den Büßern ihreBußen und zeitlichen Strafen entweder ganz oder zum Theilnachzulassen, weil im Evangelium selbst, in diesem göttlichenBuche, geschrieben steht: „Alles, was ihr auf Erden lösetoder nachlasset, soll auch im Himmel gelöset und nachgelassensein." So ist also ursprünglich jeder Ablaß im ge-wissen Sin ne soviel als einGeschenk vom Himmel,eine Wohlthat Gottes, die Er uns durch denPapst oder die Bischöfe spenden läßt.
Fr. Hat es in der Kirche von jeher Ablässe ge-geben ?
Antw. Ja; schon zu den Zeiten der Apostel hates Ablässe gegeben und so durch alle Jahrhunderte derKirche.
Belehrung und Beispiele. Von jeher hat dieKirche Ablässe ertheilt. Nur die Form der Ablässe hat sichgeändert, das Wesen ist immer geblieben, wie es die Kirchevon den Aposteln ererbte. — Man kann vier Perioden an-nehmen, in welchen sich die Form der Ablässe geändert hat.Die erste ganz einfache Form ist in dem apostolischen Zeit-alter, wo der Blutschänder zu Corinth als das einzige Bei-spiel dieser Periode angeführt werden kann. Der Apostelerließ ihm einen Theil der Bußstrafe in der Person Christiauf das Bitten der Gemeinde, und nahm ihn wieder in dieKirchengemeinschaft auf. (2. Cor. 2, 10.) — Die zweitePeriode fällt in die Zeiten der Verfolgungen, wo die Bischöfeden Gefallenen auf Begehren der Märtyrer einen Theil dernoch schuldigen Strafen nachließcn. Die heiligen Märtyrerbaten nämlich für die Gefallenen, und wandten ihnen ihreVerdienste zu, wodurch die Strafe derselben gemildert wurde. —Die dritte Periode kann man mit dem Ende des neuntenJahrhunderts anfangen, wo ein großer Theil der Vußstrafendurch Wallfahrten, Almosen, Geißelungen, Kreuzzüge rc.gelöst wurde. — Unsere jetzige Form, die die vierte undletzte Periode ist, kam im 11. Jahrhunderte auf, und istvon da an immer dieselbe geblieben.
Legende: Petri Kettenfeier.
Das Fest, welches heute die Kirche feiert, sinnbildetgewissermassen die Wirklingen des Ablasses. Der großeApostelfürst P etrns wurde nämlich von Herodes Agrippa,den Inden zu gefallen, in's Gefängniß geworfen. Alleinder schuldlose Apostel überließ fick) ganz der göttlichenVorsehung, und die Gläubigen beteten ohne Unterlaßfür ihn. Und siehe da, ein Engel Gottes kam, zerbrachdie Ketten und setzte den bewachten Petrus in Freiheit.(Sieh das nachfolgende Bild!) — Etwas Aehnliches nun