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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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495
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Am Feierabende des 31. Juli.

legenheiten auf's Sorgfältigste meiden, undAlles entfernen, was uns schon oft Anlaß zur Sündegeworden ist oder gar leicht werden könnte.

Beispiel und Anwendung. Die heilige LandgräfiuElisabeth theilte einmal Almosen unter die armen Leuteaus. Dem Hungrigen gab sie Speise, und dem Nacktengab sie ein Kleid, und den Durstigen tränkte sie, und diefremden Pilger pflegte sie, und es war kein Armer, dem S t.Elisabeth nicht gab. Da sah sie auch eine Jungfraustehen. Die hatte ein schönes, langes, goldgelbes Lockenhaar.Und sie winkte die Jungfrau zu sich, und sprach zu ihr:

„Allen Armen und Pilgern, die kamen, habe ich Almosen

gegeben, auch du sollst nicht ohne Gabe von hinnen gehen."Und darauf wendet sich die Laudgräfin zu den Frauen, diebei ihr waren, und sagte: „Geht in das Kloster und holt

eine Scheere!" Die gingen hin, die Scheere zu holen, und

brachten sie, und gaben sie der Gräfin. Und St. Elisa-beth nahm mit der einen Hand die Scheere, und mit derandern Hand ergriff sie das schöne, goldene Lockenhaar derJungfrau und schnitt es ab mit raschem Schnitte. Da schriedie Jungfrau laut auf, und weinte und sprach: „Weh mir!Ihr habt mir geraubt die Zierde meines Hauptes, meinHaar lang und schön und golven." Und Alle, die umher-standen, beklagten die Jungfrau. Die heilige Elisabethaber lächelte gütlich und wischte ab mit ihrer Hand dieThränen von den Wangen der Jungfrau sanft und mild,und sagte: „Mein Kind, weine nicht! Wisse, ich habe dirGutes gethan, dieweil ich abschnitt dein Haar. Hätte ichnicht abgcschnitten dein Lockenhaar, so wärest du stolz ge-worden darauf, und Hochmuth hätte dein Herz erfüllt. Suchenicht die äußere Schönheit, suche die innere Schönheit, dieimmer bleibt." Und St. Elisabeth nahm die Jungfrauzu sich, und sie ward frömmer von Tag zu Tag, und pflegtedie Armen, und starb zuletzt eines sanften und seligen To-des. — So müssen auch wir Alles entfernen, was uns Anlaßzur Sünde werden könnte, und müssen besonders alle Gelegen-heiten zur Sünde meiden; wenn wir dieß nicht thun, sowerden wir sicherlich in die alten Sünden wieder znrück-sallen. — Und nun haben wir die wichtige Lehre vom hei-ligen Bußsakramente vollendet, und ich kann nicht umhin,dir, mein christlicher Leser! noch einige ernste Worte an'sHerz zu legen. Höre, was der heilige Anastasius dirzuruft! „Wer Gift gegessen hat, ist verloren, wenn er esnicht schnell durch ein Brechmittel von sich wirft. Darumbesinne dich nicht lange, wenn du etwa aus eigenem Ver-sehen oder durch Bosheit Anderer Gift gegessen hast! Eilesoviel du kannst, dich zu entladen, und deinen Todfeind, dendu im Innern trägst, von dir zu schaffen. Die Sünde istdas ärgste Gift, entledige dich desselben durch die Beicht!"Folge dieser Ermahnung und säume nicht, zu beichten, wenndu gesündigt hast! Beichte gerne und oft, wenn du inder Vollkommenheit Fortschritte machen willst. „Gleichwiedie seltener genommene Arznei," sagt Scaramelli, „nureine Erleichterung verschafft, die öfter genommene aber die

Gesundheit bewirkt: ebenso bringt die seltene Beicht wohlheilsame Früchte, die öftere aber die ganze Vollkommenheit." —Beichte aber auch jedesmal recht — unter fleißigerErforschung des Gewissens, mit wahrer Reue, mit kräftigemVorsatz und aufrichtigem Sündcnbckenntniß, auf daß diegnadenreiche Bnßaustalt für dich nicht eine Quelle des ewi-gen Verderbens werde; denn „viele Christen," sagt die Hei-lige Theresia, „kommen in die Hölle, weil sie nicht rechtbeichten."

Legende: Der heilige Ignatius von Lojola,Stifter der Gesellschaft Jesu (ch 1556).

Heute begegnet uns im Leben der Heiligen ein er-habenes Muster und Vorbild der Tugend, welches dieso eben bezeichneten Mittel sorgfältig anwendete, um janicht mehr in das vorige sündhafte Leben zurückzufallen,sondern vielmehr in der christlichen Vollkommenheit immervorwärts zu kommen. Es ist dieß der heilige Ignatiusvon Lojola. Er wurde im Jahre 1491 in der spa-nischen Provinz Biskaha geboren und ganz für die Welterzogen, so daß schon frühzeitig in ihm das Strebennach Ruhm und Auszeichnung rege wurde. Sobald seinAller es gestattete, trat er in das königliche Heer, beidem er sich durch seine Tapferkeit besonders auszeichnete.Im Jahre 1521 traf ihn bei der Vertheidigung der Burgzu Pampelona gegen die Franzosen eine Kanonenkugel,die ihm das rechte Schenkelbein zerschmetterte. Auf demSchloße Lojola, wohin man ihn führte, befiel ihn einFieber, das ihn dem Rande des Grabes nahe brachte.Während seines Krankenlagers las er das Leben Jesuund der Heiligen, und konnte nicht müde werden, audenselben die Liebe zur Einsamkeit und zum Kreuze zubewundern. Als er den Entschluß gefaßt hatte» ihrem