Am Feierabende des 11. Juni.
377
wurde, bedauerte Alles, daß er die heilige Taufe noch nichtempfangen hatte. Er war aber im Christenthume schon un-terrichtet, und hatte von Mailand den heiligen Ambrosiusnach Vienne gerufen, der ihn taufen sollte. Während Am-brosius auf der Reise war, starb Valentinian an denWunden der Meuchelmörder. Der heilige Ambrosius hielteine Rede auf seinen Tod, und sagte in derselben: „Ichhöre, ihr betrübet euch, weil er das Sakrament der Taufenicht empfangen hat; aber sie war ja eben der Gegenstandseines Verlangens. Darum ließ er mich rufen. Soll ernun nicht die Gnade haben, die er so sehnlich verlangt? Ja,er hat sie erhalten, weil er nach ihr verlangte; denn wenndie Märtyrer ihr vergossenes Blut tauft, so hat diesenValentinian seine Frömmigkeit, seine Begierde,sein Wille getauft."
Fr. Was ist die Blut taufe?
Antw. Der Marthrtod um Christi willen. (Siehdas vorhergehende Bild!)
Belehrung und Beispiele. In dieser Beziehung sagtder göttliche Heiland selbst (Matth. 10, 39.): „Wer seineSeele (d. i. sein Leben) um meinetwillen verliert, der wirdsie finden." Und der heilige Cyprian schreibt: „Die dasBad der Wiedergeburt nicht erhalten haben, und wegen desBekenntnisses Christi sterben, denen nützt es das Nämlichezur Nachlassung der Sünden, als wenn sie die Wassertaufeempfangen hätten." Diese Bluttaufe empfingen alle heiligenMärtyrer, die vorher noch nicht getauft waren; unter ihnenheben wir besonders hervor die heilige Emerentiana.Diese wurde, da sie noch nicht getauft, jedoch schon gläubigwar, von den Heiden gesteinigt, als sie am Grabe der hei-ligen Agnes betete. Sie starb also den Martyrertod fürChristus. Daher sagt die katholische Kirche so schön vonihr: „Sie wurde im eigenen Blute, das sie für Chri-stus vergoß, getauft, und übergab Gott ihre Seele."(llrov. Rom. 23. ckan.) — Ebenso sagt auch Eusebiusvon einer gewissen Herais: „Noch eine Katechumene er-langte sie durch das Feuer (sie wurde nämlich des Glaubenswegen verbrannt) die Taufe und ging von da in ein bes-seres Leben ein." — Daher hat die Kirche jederzeit auch dieBethlehemitischen Kinder, welche Herodes aus Haßgegen Jesum ermorden ließ, als Heilige verehrt, weil siesür Jesus starben, obwohl in einem Alter, wo sie Gottweder kennen, noch bekennen konnten.
Legende: Der heilige Apostel Barnabas,(ch um d. I. 70.)
Heute feiert die Kirche das Fest eines Heiligen,
Meblcr, Hausbuch.
der nicht nur dieWasser-, sondernauch die Bluttaufeempfing, da er umdes Glaubens wil-len starb. Es istdieß der hl.B ar-nabas, welchervon den Kirchen-vätern und selbstvom heil. Evange-listen Lnkas einApostel genanntwird, weil er ansbestimmten gött-lichen Befehl vonder Kirche zu An-tiochien mit demheil. Paulus znmapostolischen Be-rufe ansgeschiedenuno eingeweiht wurde, und weil er an Dem, was die Apostelzur Stiftung des Christenthnms thaten, einen großen Nnthcilhatte. Als die Stadt Antiochien in Syrien ebenfalls dasChristenthnm angenommen hatte, wurde Barnabas, ans dendie ganze Christengemeinde sowie die Apostel ein vorzüg-liches Vertrauen setzten, dorthin geschickt, um das Werkdes Herrn mehr zu betreiben, den dortigen neuen Chri-sten einen vollständigen Unterricht und das heilige Sa-krament der Firmung zu erthcilen. Als er dort ange-kommen war, und die große Anzahl der durch die GnadeGottes nenbekehrten Christen sah, bezeigte er darübergroße Freude, ermahnte die Gläubigen nachdrücklich znmEifer und zur Beharrlichkeit, vermehrte durch seineneifervollen Unterricht die Zahl der Nenbekehrten undtrug durch die Heiligkeit seines Wandels sehr vieles zurAusbreitung und Befestigung des thätigen Christcnthn-mes bei; denn er war ein Mann von geprüfter Recht-schaffenheit, voll des heiligen Geistes und des lebendigenGlaubens. Die Kirche von Antiochien wurde mit jedemTage zahlreicher, und in dieser Stadt erhielten die An-hänger Jesu zuerst den Namen Christen. Auch derheilige Paulus kam nach Antiochien, um des BarnabasGehilfe und Mitarbeiter bei einer so reichen Ernte zusein. Nach einigen Jahren begleitete Barnabas denPaulus auf seiner Reise nach Selencien, Chpern, Sala-mina, Paphos und Listra. Er theilte mit Paulus alleArbeiten und Leiden, die Verfolgung der Inden und denSpott der Heiden. Er rechnete es sich ebenfalls zurEhre, um des Namens Jesu willen Schmach und Ver-folgung leiden zu können, und starb so für seinen hei-ligen Glauben im Jahre 70.
Gebet. O Gott, der du durch den heiligen Apo-stel Barnabas so Viele znm wahren Glauben undzur ewigen Seligkeit geführet hast, verleihe auch uns auf
48