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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
375
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Am Feierabende des 10. Juni.

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Antw- Die Anordnung, daß im Nothfalle Je-dermann taufen kann.

Belehrung. Tie eigentlichen und gewöhnlichenAusspender der Taufe sind die Bischöfe und die dazu auf-gestellten Priester. Weil aber die Taufe zur Seligkeit un-umgänglich nothwendig ist, so kann im Nothfalle Je-dermann taufen, sei es Mann oder Frau, sei es ein Geist-licher oder Laie, ein Gläubiger oder Ungläubiger. Dabeisind aber folgende drei Punkte zu merken: 1) muß Derjenige,der tauft, die Meinung haben, wahrhaft zu taufen, d. i.das Sakrament zu ertheilen, das Christus eingesetzt hat, unddas die Kirche Christi, wenn sie tauft, ertheilt; 2) muß ernatürliches Wasser, oder wenn es leicht sein kann, Tauf-oder Weihwasser nehmen, welches er über das Haupt des Täuf-lings, oder wenn dieß nicht sein kann, doch über den Körperdesselben ausgießt, indem er 3) zu gleicher Zeit, wo erdas Wasser über den Täufling ausgießt, die Worte spricht:„Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und desheiligen Geistes. "

Fr. Können zwei Personen mitsammen Eine« taufen?

Antw. Nein; nur ein und dieselbe Person kannund darf die Taufhandlnng vornehmen; würde z. B.eine Person das Wasser über den Täufling ausgießen,und eine andere die Worte sprechen: „Ich taufe dich re.,"so wäre die Taufe nicht giltig.

Belehrung. Wenn der Eine das Wasser ausgießt undder Andere die Form ausspricht, so ist die Taufe nicht gil-tig, weil Derjenige, der die Form ansspricht, nicht thut, waser sagt, nämlich: „Ich taufe dich," und im Gegentheil derAndere, der es thut, nicht sagt, was er thut- Dieß wirdauch bekräftigt durch Das, was das Concilium von Florenzim Dekret des Papstes Eugen von den Erfordernissen zurGiltigkeit der Sakramente lehrt, wo es heißt: „Das Sakra-ment besteht ans drei Bcstandthcilen. Aus Dingen, welchedie Materie sind; aus Worten, und die sind die Form, undaus der Person des Ausspenders, der das Sakrament voll-bringt," nicht aus den Personen, sondern in der einfachenZahl, „aus der Person des Ausspenders."

Beispiel und Anwendung. Dieses Alles ist sehr wich-tig, und Jedermann soll es wissen, weil, wenn Gefahr vor-handen ist, Jedermann taufen darf und soll. Ja, es isteine heilige Pflicht für uns, im Nothfall die heilige Taufezu ertheilen; wir sollen in dieser Beziehung, wenn es dieNoth erfordert, das Beispiel jenes christlichen Jünglings nach-ahmcn, von dem Folgendes erzählt wird. In einem Pariser-Hospital wurde ein Kind geboren, das allem Anscheine nach

nur wenige Stunden leben konnte. Während man nur derMutter gedachte, und diese vom Tode zu retten suchte, ver-gaß man ganz die Pflicht, dem armen Kinde die Wohltbatdes Sakramentes der Wiedergeburt angedeihcn zu lassen.Da rief ein junger Mann voll Glaubenseifer: Man sollegeschwind den Priester rufen, damit das arme Kind nichtohne Taufe sterbe. — Anstatt zu gehorchen, ergoß man sichaber in Spöttereien über den Glaubenseifer dieses jungenMannes. — „So will ich selbst hingehen und den Pfarrerholen," rief er nun. Aber eben als er das Zimmer ver-lassen wollte, kam das Kind dem Hinscheiden nahe. Ge-schwind holte er jetzt Wasser, goß cs über das Haupt dessterbenden Kindes unter Aussprechung der vorgeschriebenenWorte, und öffnete ihm so die Pforten des Himmelreiches.

Legende: Die heilige Margaretha, Königinvon Schottland, (f 1093.)

Bon derNoth-wendigkcit der hei-ligen Taufe über-zeugt, sorgte dieseheilige Königin,deren Fest heutedie Kirche feiert,besonders dafür,daß ihre Kindernach der Geburtsobald als mög-lich zur heiligenTaufe gelangten.

— Die hl.Mar-garetha war umd. 1.1046 in Un-garn , wohin ihrVater Eduard,ans dem könig-lichen Hause vonEngland sich ge-flüchtet hatte, als eine Enkelin des Königs Stephandes Heiligen geboren. Eduard kam wohl nach Eng-land zurück, starb aber nach kurzer Zeit. Die widrigenReichsverhältnisse veranlaßtcn den Prinzen Edgar undseine Schwester Margaretha zur abermaligen Flucht,wo sie, mehr nach höherer Fügung, vom Könige Mal-colm III. von Schottland thcilnehmend ausgenommenwurden. Margaretha glänzte in Schottlanv als derschönste Tngendstern, so daß Malcolm im Jahre 1070sie zur königlichen Gemahlin nahm. -— Bald gab sie alsKönigin, Gemahlin und Mutter ein hohes Beispiel ge-treuester Pflichterfüllung. Sie sah Schottland als einegroße Familie an, deren Mutter sie sei. Margarethabelehrte ihren Gemahl, daß die Könige auf Erden Got-tes Stelle vertreten, also die Völker in Gerechtigkeit,Weisheit und Güte beherrschen sollen. Ihre Kinderunterrichtete die gute Mutter selbst im Lesen und Schrei-ben, hielt sie besonders zur Gottesfurcht und zum