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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Drittes Hauptstück. Nothwendigkeit der heiligen Taufe.

Beispiel und Anwendung. Von der Nothwendigkeitund Wichtigkeit der heiligen Taufe überzengt, unternahm derheilige Franziskus Taverius (sieh das obige Bild!) diegefahrvollsten und beschwerlichsten Reisen nach Indien undJapan, um den heidnischen Völkern daselbst die heilige Taufeund mit derselben das Licht des Christenthums zu bringen,und auch heut zu Tage noch treffen die christlichen Missionäredie sorgfältigsten Anstalten, um die sterbenden Kinder derHeiden durch das Bad der Wiedergeburt für den Himmelzu retten. Herr Veröl es, apostolischer Missionär, erzähltuns dieß in folgenden Worten: „Die Art und Weise, wiewir zu Werke gehen, um den sterbenden Kindern der Götzen-diener die Taufgnade zu verschaffen, ist diese. An den be-völkertsten Plätzen der Mission halten wir Personen, welcheeigens darauf angewiesen sind, dieses Werk christlicher Liebezu verrichten. Die hiemit beauftragten, mit der heiligenTaufhandlung wohl vertrauten Personen sind meistens Frauenvon gewissem Alter, die einige Erfahrung in der Behand-lungsweise der Kinderkrankheiten besitzen, und unter diesemVorwände leicht überall Eingang finden. Mit einigen un-schädlichen Pillen, deren Kraft sie ungemein rühmen, und miteiner Flasche Weihwasser versehen, begeben sie sich in dieHäuser, wo sie wissen, daß kranke Kinder sind. Sie fangenmit dem Fühlen des Pulses an und erkennen daraus mitziemlicher Gewißheit, ob Todesgefahr ist oder nicht. Im er-steren Falle benachrichtigen sie die Eltern von der Gefahrdes Kindes und geben vor, daß das Wichtigste und Noth-wendigste für den Augenblick sei, die Stirn des kranken Kin-des mit dem in ihrer Flasche befindlichen Wasser zu waschen.Dieses Waschen erhöhe die Wirksamkeit der später anzuwen-deuden Mittel. Die Eltern, die keine Ahnung von diesemfrommen Betrüge haben, willigen mit Freuden ein. Auf die-sem Wege frommer List wird jährlich sieben- bis achttausendKindern die Taufe crtheilt." — Hieraus sollen auch zugleich

christliche Eltern erkennen, welch eine strenge und heiligePflicht es für sie sei, ihre Kinder sobald als möglich zurheiligen Taufe zu bringen oder bringen zu lassen, damit siedurch das Bad der Wiedergeburt gereinigt, Kinder Gottesund Erben des Himmelreiches werden mögen.

Fr. Ist die Taufe auch schon unmündigen Kin-dern nothwendig?

Antw. Ganz gewiß; denn die Worte Christi: „Wernicht wiedergeboren ist aus dem Wasser rc.," und: „Leh-ret alle Völker und taufet sie" — beziehen sich offen-bar auf alle Menschen, auf jedes Geschlecht und Alter,folglich auch auf die Kinder.

Belehrung. Daß man auch die Kinder, wie dieErwachsenen taufen müsse, war allezeit Lehre der Kirche;stets deutete sie die Worte Christi in diesem Sinne — undmit ihr deuteten sie ebenso die heiligen Väter. So schreibtder heilige Hieronymus: „Wie man die blutigen Körperder Kinder, sobald sie aus dem Mutterleibs kommen, abzu-waschen pflegt, so bedarf die geistige Geburt des heilsamenBades; denn Keiner ist von aller Makel rein, wenn er auchnur einen Tag gelebt hat."

Fr. Welches Loos trifft nun aber jene Kinder,welche ohne die heilige Taufe sterben?

Antw. Das ist uns ein Geheimniß, da uns Gotthierüber Nichts geosfenbaret hat; jedenfalls aber dürfenwir annehmen, daß auch für sie das Leben eine Wohl-that Gottes ist.

Belehrung. Da solche Kinder mit der Erbsünde be-haftet sind, so können sie auf den Himmel keinen Anspruchmachen; denn Unreines kann in den Himmel nicht eingehen.Aber auch in das ewige Feuer werden sie nicht verflossen;denn mit dem ewigen Feuer der Hölle wird nur die eigene,persönliche Sünde bestraft. Wo kommen sie nun hin? Gotthat für sie einen Ort geschaffen, wo sie, zwar der himmli-schen Seligkeit, der Gesellschaft der Heiligen, des AntlitzesGottes beraubt, doch, wie der heilige Thomas vonAquinlehrt, eine natürliche Freude und Liebe im Herrn empfinden.Obwohl nun dieß tröstlich für uns ist, so muß doch jederVater, jede Mutter sich beeifern, ihr Kind nicht ohne Taufe ster-ben zu lassen; denn die Freude der ungetansten Kinderdort —verhält sich zur Wonne der getauften im Himmel, wie derSchein einer matten Lampe zum Sonnenglanze am hellsten Tage.

Fr. Da die Taufe zur ewigen Seligkeit so unum-gänglich nothwendig ist, welche Vorsorge oder vielmehrAnordnung hat daher die heilige Kirche getroffen?