370 Drittes Hanptstück. T
gebetet, geopfert und Gutes getha» wird, Gemeingut ist, andem auch jeder einzelne Gläubige Thcil nimmt. Welch eine«erhabene und segenrciche Wirkung!
Fr. Wird in uns durch die Taufe nicht auch dieSchwachheit und Begierlichkeit ausgerottet?
Antw. Nein; die Schuld der Begierlichkeit wirdin dem Getauften nachgelassen, zum Kampfe aberbleibt die Begierde, sagt der heilige Augustin.
Belehrung und Beispiel. Gott ließ die menschlicheSchwäche und Begierlichkeit auch nach der Taufe in uns zu-rück, damit wir stets im Vertrauen auf Gottes Gnade käm-pfen müssen, um so den Sieg und die Siegerkronc zu er-ringen; zugleich aber auch deßhalb, daß wir immer für un-sere Tugend fürchten und gegen unsere Feinde wachsam seinmüssen. So scheint es der Herr auch mit den Israelitengemacht zu haben. Er befreite sie zwar aus der Dienstbar-keit der Acgypticr, versenkte den Pharao sammt seinem Kriegs-Heere in das Meer, führte aber die Israeliten doch nicht so-gleich in jenes verheißene gelobte Land, sondern übte siezuvor in vielen und verschiedenen Fällen; und da er sic hier-auf in den Besitz des versprochenen Landes kommen ließ, ver-trieb er zwar die vorigen Einwohner, ließ ihnen aber den-noch einige Nationen übrig, welche sic nicht vertilgen konn-ten, damit es dem Volke Gottes nie au Gelegenheit fehlte,die kriegerische Tugend und Tapferkeit zu üben.
Legende: Der heilige Bischof Medardns.
(1- 545.)
!N den Taufgelübden rc.
Von der Nothwendigkeit nnd den beseligenden Wirk-ungen der heiligen Taufe überzeugt, gab sich der heiligeBischof Medardns, dessen Fest auf den heutigen Tagfällt, alle nur erdenkliche Mühe, um die Einwohner vonFlandern zum christlichen Glauben zu bekehren und siedurch die heilige Taufe aus Kindern des Zornes undder Sünde zu Kindern Gottes und zu Erben des Him-melreiches umznbilden. — Dieser Heilige wurde um dasJahr 457 zu Salcneh in der Pikardie geboren. SeinVater war ein edler Franke und seine Mutter eine vor-nehme und fromme Römerin, die ihren Sohn in allerSorgfalt zur Tugend und Frömmigkeit anleitete. Schonin seinem Knabenalter zeichnete sich daher Medardusdurch edle Gnlmüthigkeit und durch erbarmendes Mit-leid gegen Unglückliche und Hilfsbedürftige aus. Nach-dem er sich den Studien gewidmet hatte, und in Bezugauf Fleiß, Ordnungsliebe, Gehorsam, Eingezogenheitund reine Gottesfurcht gar bald ein Vorbild seinerSchnlgenossen geworden war, entsagte er den Freudenund Hoffnungen der Welt, begab sich in den geistlichenStand und wurde als Priester eine glänzende Zierdeim Heiligthnme des Herrn. Groß war der Segen, dener stiftete durch seinen glühenden Eifer in Verkündungdes göttlichen Wortes und durch das Licht seines heiligenWandels. Es darf uns daher nicht wundern, daß erim Jahre 530 znm Bischof zu Vermand und 531 zuTournai erwählt wurde. In letzterem Sprengel gab csdamals noch viele Götzendiener, die er alle, wie schondben gesagt wurde, durch die Macht seiner Rede zuJesus Christus bekehrte und durch die heilige Taufe zuKindern Gottes umbildcte. Reich an Verdiensten' undallgemein betrauert, starb dieser große Diener Gottesim Jahre 545.
Gebet. O Gott, der du uns durch die heiligeTaufe wiedergeboren und geheiligt, zu deinen Kindernund zu Erben des Himmelreiches umgeschaffen hast, ver-leihe uns auf die Fürbitte des heiligen Bischofs Me-dardus, daß wir hienieden als deine Kinder leben,und einst als Erben des Himmels uns ewig erfreuenin der Gesellschaft aller Heiligen und Anserwählten,durch Christum, unfern Herrn. Amen.
Himdertimdsechzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 9. Zuni.
Bon den Taufgelübden, von der öftern Erneuerung und von dertreuen Beobachtung derselben.
Fr. Werden uns die bezeichnten Wirkungen oderGnaden der heiligen Taufe ohne alle weitere Verpflich-tung mitgetheilt?