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Drittes Hauptstück. Wirkungen der heiligen Taufe.
sehen hieraus, daß uns die Taufe von Uebeln befreitund uns besondere Güter verleiht. Daher schreibtschon der heilige Basilius: „Die Taufe äußert eine dop-pelte Macht. Sie zerstört in uns den Leib der Sünde unddie Früchte des Todes, welche die Sünde darin erzeugt, undsie errichtet das Reich des heiligen Geistes und bringt jeneFrüchte in uns hervor, die ihm eigen sind."
Fr. Von welchen Uebeln befreit die Taufe?
Antw. Sie befreit den Täufling von der Erb-sünde und von allen vor der Taufe began-genen Sünden, zugleich aber auch von allenStra -fen der Sünde.
Belehrung. Der Mensch wird durch die Taufe vonaller Sünde gereinigt, d. h., es werden in der Taufedie Erbsünde und alle Sünden, dw der Mensch vor derTaufe begangen hat, nachgelassen, zugleich aber auch sowohldie zeitliche als ewige Strafe der Sünde. Dießläßt uns Gott schon durch den Propheten Ezechiel (36, 25.)weissagen mit den Worten: „Ich will reines Wasser übereuch ausgießen, auf daß ihr von allen eueren Unreinigkeitenrein werdet." Ferner sprach ja der heilige Petrus zuJenen, die ihn auf seine erste Predigt fragten, was sie thunsollten: „Thut Buße, und lasset euch taufen im NamenJesu zur Vergebung euerer Sünden!" — Und in Betreffder Nachlassung der zeitlichen und Ewigen Sünden-strafen lehrt Eugen IV. ausdrücklich: „Wirkung diesesSakramentes ist die Nachlassung aller Strafe, welche für dieSünde zu erstehen ist. Deßhalb ist den Getauften keine Ge-nugthuung für die früheren Sünden aufzuerlegen, sondernsie gelangen, wenn sie sterben, bevor sie eine Sünde bege-hen, sogleich in den Himmel und zur Anschauung Gottes." —Es ist dieß auch natürlich; denn durch die Taufe wird derMensch wiedergeboren und durchaus ein neuer Mensch, undals'solcher hat er keineswegs mehr einzustehen für die Sün-den und für die Schuld des alten Menschen. Ueberdieß wirdder Mensch durch die Taufe mit Christus vereinigt undnimmt sonach Theil an den Verdiensten und an der voll-gültigsten Genugthuung Christi. — Gar schön wird unsdiese doppelte Wirkung der Taufe durch das Taufwasser ge-sinnbildet. WiedasWasser reinigt und löscht; so reinigtauch die Taufe von allen Sünden und löscht zugleichdas Feuer des Reinigungsortes und der HölleauS, d. h. sic läßt sowohl die zeitlichen als die ewigenSündenstrafen nach. In Anbetracht dieser Wirkungenruft der heilige Clemens von Nom auS: „Fliehet zu
diesem Wasser! Dieß allein kann die Gewalt des künftigenFeuers löschen."
Beispiel und Anwendung. Diese unbegreifliche Rei-nigung von allen Sünden und Umwandlung in eine ebensounbegreifliche Schönheit der Seele, welche durch die Taufegeschieht, hat Gott auch manchmal bei Ertheilung der heili-gen Taufe durch äußere wunderbare Zeichen zu erkennen zugeben sich gewürdigt. So erzählt ein ehrwürdiger Schrift-steller, Thomas Boz, und ich habe diese Geschichte beimehreren glaubwürdigen Männern gelesen: „Im Jahre 1296brach Cassanus, König der Tartaren, mit einer großenArmee in Armenien ein, und hätte das ganze Land mitFeuer und Schwert verheert, wenn ihm nicht der König vonArmenien seine einzige Tochter zur Ehe gegeben hätte. Dochließ auf ihre Bitten Cassanus, der ein Heide war, essich gefallen, daß seine Braut, die eine Christin war, ihrenGlauben behalten dürfe. Nach Jahresfrist ward die Köni-gin von einem Kinde entbunden, aber zum großen Schrecken
war es mißgestaltet, häßlich und schwarz. Cassanus, vomAberglauben dahingerissen, glaubte, seine Gemahlin müsseeine Ehebrecherin sein, und verurtheilte beide, Mutter undKind, zum Feuertode. Da erbat sich die unglückliche Mut-ter nur noch, dieß ihr Kind taufen zu dürfen. Es wurdeihr erlaubt; und sieh! die Taufe war kaum vollzogen, soänderte sich die Gestalt des Kindes, es war überaus schönund ansehnlich. Durch dieses Wunder bewogen, schenkteCassanus nicht nur der Mutter und dem Kinde das Le-ben, sondern ließ sich selbst die heilige Taufe ertheilen."Was nun Jemand auch von dieser Geschichte halten mag,ich finde keinen Grund, an ihrer Wahrheit zu zweifeln; dennauch die heilige Ottilia erhielt durch die Taufe das Augen-licht, dessen sie zuvor beraubt war. (Sieh das obige Bild!)So verhält es sich mit der Taufe auf ähnliche Weise beijedem Menschen: er, der zuvor durch die Sünde mißgestaltet