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Drittes Hauptstück. Von der Zahl und Verschiedenheit der heiligen Sakramente.
die Wiederholbarkeit oder Nichtwiederholbarkeittheilt man die heiligen Sakramente in solche, die man nurEinmal im Leben, und in solche, die man öfter empfan-gen kann. Die Taufe, Firmung und Priesterweihe könnennur Einmal-empfangen werden, weil sie ein unauslösch-liches Merkmal eiudrücken; die übrigen Sakramente kannman öfter empfangen.
Fr. Was versteht man unter diesem unauslösch-lichen Merkmal?
Antiv. Man versteht darunter eine Weihe undWürde, die ewig bleibt entweder zum Gerichte oder zurVerherrlichung.
Belehrung. Die Taufe, Firmung und Priesterweihedrücken, wie so eben gesagt wurde, der Seele ein unaus-löschliches Merkmal ein, d. h. ein Zeichen, eine Weiheund Würde, wodurch sie von Andern unterschieden wird. DieTaufe drückt uns nämlich den Charakter eines Christen,die Firmung den Charakter eines Streiters Christi unddie Priesterweihe den Charakter eines Dieners Christiein. Diese Charaktere sind zwar nicht sichtbar, weil dasein rein geistiger Unterschied ist; aber in den Augen Gotteswerden dieselben gar wohl beachtet und angesehen; sie wer-den uns zum Gerichte oder zur Verherrlichung dienen, jenachdem wir die Gnaden der obengenannten drei heiligenSakramente benützt haben oder nicht. — Diese Merkmalesind auch unauslöschlich, d. h. sie können nie und nim-mer vernichtet werden, weil man, wenn man einmal Christ,Priester oder Streiter Jesu Christi ist, nicht mehr aushörenkann, es zu sein. Eben darum können auch diese Sakramentenicht mehr wiederholt werden, weil man nicht von Neuemwerden kann, was man ohnehin schon ist. Zwar könnendiese unauslöschlichen Merkmale herabgewürdiget werden, undman würdigt sie, leider! nur allzusehr herab; aber ver-nichtet können sie nie werden.
Beispiel und Anwendung. Die unauslöschlichen Merk-male können durch keine schwere Sünde, durch keinen Abfallvom Glauben, durch keinen Austritt aus dem Priesterstande,durch keine noch so feierliche Abschwörung der Religion ver-nichtet werden; sie bleiben der Seele ewig eingedrückt ent-weder zum Gerichte oder zur Verherrlichung. Folgende Ge-schichte bestätiget uns diese ernste Wahrheit auf eine furcht-bare Weise. Kaiser Julian fiel nach zwanzig Jahren,nachdem er die heilige Tanfe empfangen hatte, vom Glau-ben ab und kehrte zum Heidenthume zurück. Wohl wissend,daß er in der Taufe und in der Firmung Merkmale em-pfangen habe, die seiner Seele ewig bleibend eingedrückt seien,wollte er sich dieser Merkmale entledigen. Er opferte daher
öffentlich Thiere, die er den Götzen schlachten ließ, und ließdaS Blut der Thiere über sich ansgießen, auch bestrich ersich mit dem Blute, und wusch seine Hände in demselbenund meinte, so habe er das Merkmal, das er in der Chri-stentaufe und in der Firmung empfangen habe, vertilgt undausgelöscht. Doch der Thor! umsonst wüthete er gegen denin diesen heiligen Sakramenten empfangenen Charakter seinerSeele. Diese Eigenschaften der Seele werden dnrch keineUnreinigkeit, durch keine teuflische Erfindung, durch keineKunst der Hölle ausgelöscht, ewig werden sie an ihm bleiben,ihm seinen Abfall vom Glauben vorwerfen, um Rache wider ihnschreien, Schmach und Schande und Verwirrung auf ihnhäufen, und wird er einst am Tage des Gerichtes anfer-stehen, so wird er sich als einen getauften Christen, als einenKämpfer Christi sehen und bekennen müssen, und diese Merk-male werden dann sein Gericht nur erschweren, weil er vomGlauben abfiel, und wider Christum, nicht für ihn kämpfte,sondern die Fahne des Heiles treulos und schändlich ver-lassen hat. — Uni so herrlicher aber werden diese unaus-löschlichen Merkmale an allen Jenen erscheinen, dieals wahre Christen leben und sterben, die so wirken undwandeln, wie der große und heilige Bischof Bonifacius,dessen Fest auf den heutigen Tag fällt.
Legende: Der heilige Bonifacius, Bischofund Märtyrer, (ch 755.)
MW
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Bonifaz war um das Jahr 680 in England auseinem sehr vornehmen Geschlechts geboren. Der erbau-liche Wandel und die Lehre einiger Mönche, die in dasHaus seines Vaters kamen, erweckten in seinem zartenGemüthe das Verlangen, dem Mönchsstande sich widmenzu dürfen. Als er von seinem Vater die Erlanbnißhiezu erhalten, ging er in das Kloster Exeter. Erglühtvom heiligen Eifer für die Ehre Gottes und für das