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Drittes Hauptstück. Von der Wirksamkeit der heiligen Sakramente.
Hundertfünsundsünfzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 4. Juni.
Von der Wirksamkeit der heiligen Sakramente.
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Fr. Was wirken die heiligen Sakramente?
Alltw. Sie wirken unsere Heiligung, indem sie ent-weder die heiligmachende Gnade, die wir nicht haben,uns verleihen, oder die heiligmachende Gnade, die wirbereits haben, in uns vermehren und stärken. JedesSakrament ertheilt aber auch noch eine besondere, eigeneGnade, die man die sakramentalische Gnade nennt.
Belehrung. Die Seele hat ihre Krankheiten wieder Körper. Die schwersten geistigen Krankheiten sind Lauig-keit, Unempfindlichkeit für göttliche Dinge, der Aussatz derSünde, weltliche Begierden und die Wunden im täglichenKampfe. Gegen alle diese Krankheiten hat der barmher-zige Samaritan aus dem Oel und dem Weine seiner gött-lichen Verdienste, aus seinem kostbaren Blute Arzneien unsbereitet; dieses sind Heilmittel aus der himmlischen Apotheke,die auf Erden nirgends zu finden waren, und die derKönig seinen Armen sendet, so lange sie fern von seinem
Angesichte pilgern. Der hei-lige Geist bereitet sie undtheilt sie uns durch seineGnade mit. Darum istauch ihre Kraft all-mächtig, sie heilen alleKrankheiten und alle, sogartödtliche Wunden. O werhat es nicht schon empfun-den, welche Kraft und Wirk-samkeit bei würdigem Em-pfange in den heiligen Sa-kramenten liegt? Sie sindes, die die heiligma-chende Gnade uns er-theilen oder sie in unsvermehren; überdies; ver-leiht uns jedes Sakramentauch noch eine besondere,sakramentalische Gna-de. So verleiht unS z. B.die Taufe nebst der heilig-machenden Gnade auch nochdie besondere Gnade, welche nothwendig ist, um als KinderGottes nach den Forderungen des Evangeliums leben zukönnen; die Firmung ertheilt uns nebst der Vermehrungder heiligmachenden Gnade auch noch jene sakramentale Gnade,welche man braucht, um bei jeder Gelegenheit den Glaubenzu, bekennen und zu vertheidigcn, und so ist es bei alleniibigen Sakramenten.
Beispiel und Anwendung. Man erzählt, daß eseinst auf der Insel Kreta wunderbare Brunnen oder Heil-quellen gab (sieh das obige Bild!), welche bei gehörigemGebrauche den Kranken die Gesundheit und den Gesundeneine merkwürdige Kraft und Stärke verliehen, die sogar dieverlorne Schönheit Wiedergaben und das Alter verjüngten. —Haben wir, meine Christen! in unserer heiligen katholischenKirche nicht auch solche wunderbare Heilquellen? Sind esnicht die heiligen Sakramente, welche in Bezug auf unsereSeele ähnliche Wirkungen hervorbringcn, wie die Heilquellenauf der Insel Kreta in Bezug auf den Leib? Sie sind esja, die durch Ertheilung der heiligmachenden Gnade die krankeSeele dvs Sünders wieder gesund machen und die mit derheiligmachenden Gnade bereits ausgerüstete Seele des Ge-rechten noch mehr stärken und kräftigen, die der Seele dieverlorne Schönheit wieder verleihen und den in Sünden Ergrau-ten wieder verjüngen und neu beleben für Gott und die Tugend.
Fr. Was folgt für uns aus dieser so großen Wirk-samkeit und Heiligkeit der heiligen Sakramente?