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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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357
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Am Feierabende des 3. Juni.

Sünder vor; die sieben Kräuter aber bezeichnen diesieben heiligen Sakramente; durch die vielen andernAerzte werden die Weisen aller Zeiten verstanden, welche diewahre Wissenschaft der Erkenntnis; Gottes und seines Heileszwar lehren wollten, aber dieselbe nicht nach dem Sinne desEvangeliums auffaßten. Die Fremden aus allen Ländernaber bezeichnen die ungezählten Schaarcn, die sich der LehreJesu und seiner Heilsmittel schon durch Jahrhunderte er-freuten, und in denselben Heil und Segen, Kraft und Stärkegefunden haben.

Fr. Welches ist daher das dritte und letzte Stück,das zu einem Sakramente erfordert wird?

Antw. Die innere wirkende Gnade.

Belehrung und Beispiel. Die heiligen Sakramentesind keine bloß unfruchtbaren Zeichen, sondern kräftige,wirksame Zeichen, d. h., sie deuten die Gnade nicht bloßan, sondern sie wirken auch die Gnade, die sie andeuten,wenn wir unserer Seits kein Hinderniß setzen. Das äußereZeichen bei einem Sakramente sieht man, die innere Gnadeaber sieht man nicht, und dennoch ist D'as, was man beieinem Sakramente nicht sieht, weit größer als Das, wasman sieht. Als einst der heilige Ambrosius einenErwachsenen getauft hatte, hielt er eine eindringliche Redean denselben und sprach zu ihm:Du hast gesehen, wasdu mit deinen leiblichen Augen sehen konntest; nicht gesehenhast du, was es wirkte, weil man eS nicht sieht. Was mannicht sieht, Das ist weit größer, als Das, was man sieht;denn Das, was man sieht, ist zeitlich, was man nicht sieht,das ist ewig."- Ja, so ist es, mein Christ! Das, wasman bei den heiligen Sakramenten sieht und hört, ist nurunbedeutend; groß ist aber die Wirkung, die sie in uns Her-vorbringen, wenn wir sie würdig empfangen. Diese Wirk-ungen werde ich dir, mein Christ! mit Gottes Hilfe morgenerklären; heute wollen wir noch die Lebensgeschichte jenerheiligen Königin betrachten, deren Fest auf den heutigenTag fällt, und die es uns zeigt, wie wirksam die heiligenSakramente sind, wenn wir sie würdig empfangen.

Legende: Die heilige Clotildis, erste christ-liche Königin von Frankreich, (s 545.)

Clotildis, eine Tochter Chilperichs, Königs derBurgunder, wurde schon im zarten Alter eine Waise,indem der Oheim alle die Ihrigen, bis auf eine Schwe-ster, ermordete; doch hatte sie das große Glück unddie Gnade von Gott, daß sie im katholischen Glaubenerzogen wurde, ungeachtet sie in der Mitte der Arianerlebte. Frühe lernte sie die Güter des Geistes höher alsalles Irdische schätzen und bewahrte unter den Reizender Eitelkeit, die sie umgaben, durch christliche Klugheit

und Wachsamkeit ihre Unschuld. Als Clodwig I., derKönig der Frauken, Kunde von den seltenen geistigenund körperlichen Vorzügen dieser Fürstentochter erhielt,warb er um ihre Hand und schloß im Jahre 493 denehelichen Bund, nachdem er das Versprechen gegebenhatte, seiner Gemahlin in Ausübung ihrer Religion volleFreiheit zu gestatten und auch selbst den christlichen Glau-ben anznnehmen. Die Neuvermählte errichtete in demPalaste ein kleines Bethaus, wo sie einen großen Theilihrer Zeit in heiliger Andacht Gott diente; übte strengeAbtödtuug, wachte sorgfältig über die Untergebenen, spen-dete reichliches Almosen, wobei sie immer die Absichthatte, ihren Gemahl für den christlichen Glauben zu ge-winnen. Clotildis redete öfters mit ihm darüber und

endlich, überzeugt von der Wahrheit der christlichen Re-ligion, als er eines Tages in einem Treffen der größtenGefahr dadurch entkam, daß er Jesum Christum umHilfe angerufen hatte, ließ er sich im Jahre 496 vomheiligen Remigius taufen. Nach seinem Tode ergabsich Clotildis ganz den Uebungen der Gottseligkeit undstärkte sich besonders durch den oftmaligen würdigen Em-pfang der heiligen Sakramente zur Reise in die Ewig-keit, in welche sie auch getrost und freudig einging imJahre 545.

Gebet. Wir bitten dich, o Herr! schenke auch unsdie Gnade, daß wir uns recht oft auf unserer irdischenPilgerreise, wie die heilige Königin Clotildis, durchden würdigen Empfang der heiligen Sakramente stärkenmögen, damit auch wir getrost und freudig hinübergehenkönnen in die Ewigkeit durch Christum unfern Herrn.Amen.