Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
354
Einzelbild herunterladen
 

334

Drittes Hauptstück. Nothwendigkeit der guten Werke und verschiedene Arten derselben.

belebt. Der kleinste Stern steht im Dienste Gottes, wie dieSonne. Ebenso der Hausvater, der in der Stille für dasWohl seiner Kinder sorgt; die Hausmutter, die Tag undNacht ihre Kinder Pflegt; der Hausherr, der über sein Ge-sinde wacht; die Hausfrau, die ihrem häuslichen Geschäfteweislich vorsteht; der Künstler, der seiner Kunst obliegtund sein Werk mit allem Fleiße verfertigt; der Handwerks-mann, der in seiner Werkstätte sitzt, und den ganzen Tagmit der mühsamsten und verdrießlichsten Arbeit zubringt;der Taglöhner, der mit den schwersten Bürden beladen ist;der Ackcrsmann, der sein Feld bebauet, sein Vieh ernährt;der Knecht, der auf den Wink seiner Herrschaft jeden Augen-blick etwas Anderes vornimmt; die Magd, welche die Spei-sen bereitet und die Hausarbeiten jeglicher Art besorgt; mitEinem Wort, Derjenige, der irgend Etwas thut, was sei-nem Stande gemäß ist, es mag so gering und schlecht sein,als es nur immer wolle, thut den Willen Gottes, undalso ein gutes, Gott wohlgefälliges Werk." O wie vielegute Werke können wir da ausüben, wie viele Schätze kön-nen wir uns da Alle für den Himmel sammeln, wenn wirnur ernstlich wollen!

Fr. Welche gute Werke werden ganz besonders inder heiligen Schrift empfohlen?

Alltw. Beten, Fasten und Almosengeben.

Belehrung. Die drei vornehmsten guten Werke sindBeten, Fasten und Almosengeben, wobei jedoch unterBeten alle Werke der Andacht, unter Fasten alle Werkeder Abtödtung und unter Almosengeben alle Werke derchristlichen Nächstenliebe verstanden werden. Zur fleißigenAusübung dieser drei guten Werke fordert uns schon der hei-lige Erzengel Raphael in jener herrlichen Unterweisung auf,die er dem alten und jungen Tobias gab mit den Worten:Das Gebet mit Fasten und Almosen ist besser, als Schätzevon Gold aufzuhäufcn." (Tob. 12, 8.) Und der heiligeBernhard ermuntert uns gar nachdrücklich zur Uebung die-ser guten Werke, indem er schreibt:Drei Dinge sind es,wovon sich Alle enthalten müssen, welche gerechtfertigt zuwerden verlangen. Erstens müssen wir uns enthalten derbösen Werke, zweitens der fleischlichen Begierden, drittens derSorgen der Welt. Ferner sind es drei Dinge, deren wiruns befleißen müssen, die auch des Herrn Predigt auf demBerge enthält: Almosen, Fasten, Gebet. Es sollenden bösen Werken die Werke der Barmherzigkeit entgegen-gesetzt, wider die fleischlichen Begierden das Fasten angcwendetwerden, und an die Stelle der weltlichen Sorgen trete die

Liebe Gottes und häufiges Gebet!" Mit besondermEifer sollen wir also vorzugsweise diese drei guten Werke:Beten, Fasten und Almosengeben - ausüben; sol-len uns dadurch recht viele Schätze für den Himmel sammelnund recht viele Aepflein über den Zaun werfen, wie jeneralte Gärtner, von dem uns Folgendes erzählt wird.

Beispiel und Anwendung. Ein alter Gärtner wargegen die Armen sehr wohlthätig, und manches Stück Geld,wofür er sich ein neues Kleid, ein zierliches Hausgcräth oderirgend ein Vergnügen hätte verschaffen können, gab er denNothleidendcn, die ihn um Hilfe ansprachen. Dabei sagteer gewöhnlich:Je nun, ich muß wieder ein Aepflein überden Zaun werfen." Man fragte ihn einmal, was er mitdiesen sonderbaren Worten sagen wollte. Da erzählte derGärtner:Ich rief einst einige Kinder zu mir in meinenGarten, und erlaubte ihnen, von dem Obst, das unter denBäumen lag, so viel zu essen, als sie wollten, verbot ihnenaber. Etwas in die Tasche zu stecken und mit sich zu nehmen.Einige Knaben waren jedoch so listig und warfen einige derschönsten Aepfel über den Gartenzaun, um sie draußen wie-der zu finden. Diese Knaben handelten allerdings schlecht,und ich ließ sie deßhalb nie wieder in meinen Garten kom-men. Allein, wie die Biene auch aus mancher GiftpflanzeHonig zieht, so lernte ich aus dieser bösen That Gutes.Sieh, fiel mir ein, es ist mit uns Menschen in der Welt,wie mit den Kindern in diesem Garten. Wir dürfen dieGüter dieser Welt zwar gebrauchen, aber Nichts davonmitnehmen. Was wir aber davon den Armen geben, daswersen wir gleichsam über den Gartenzaun, und wirwerden es einmal jenseits des Zaunes, in der Ewig-keit wieder finden." Merke dir, mein Christ! diese weiseLehre; versage dir, wie dieser brave Gärtner, manches Ver-gnügen, tödte dich ab, faste, damit du Almosen gebenkannst, und sei überzeugt, daß Gott dann auch dein Gebetgerne erhören wird; denn der heilige Augustin sagt:Willst du, daß dein Gebet zu Gott sich aufschwingc, somache ihm zwei Flügel: Fasten und Almosen."

Legende: Die heilige Blandina, Jungfrauund Märtyrin, (fl 177.)

Heute begegnen uns in der Legende die Nainenjener berühmten heiligen Märtyrer zu Lyon, welche imzweiten Jahrhundert unter Kaiser Mark Aurel den Mar-tertod erlitten haben, und die also heißen: der heiligeBischof Photinus, der heilige Diakon Sanktus, derheilige Attalus und die heilige Jungfrau und Dienst-magd Blandina. Sie alle übten die Werke der An-dacht, der Abtödtung und der christlichen Nächstenliebe;ganz besonders aber zeichneten sie sich aus durch das hel-denmüthige Bekenntniß ihres Glaubens. Keine Qual,keine Marter konnte von der Grausamkeit und Bosheitder Menschen ausfindig gemacht werden, um die Stand-haftigkeit dieser treuen Glanbensbekenner zu erschüttern;sie starben alle freudig für Christus. Als eine wunder-