Am Feierabende des 2. Juni.
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schreibt der heilige I ak ob ns, „wenn Jemand sagt, er habeden Glauben, hat aber die Werke nicht? Wird der Glaubeihn selig machen können? — Der Glaube ohne Werke istIM.« — 2 ) Kann die heiligmachende Gnade michtin uns sein und bleiben ohne die guten Werke;denn durch gute Werke müssen wir dieselbe nach Außen kundgeben und zugleich in uns nähren und erhalten. Wie dasFeuer durch den Rauch, so muß sich auch die heiligmachcndeGnade durch die guten Werke kund geben; wird diese heiligeFlamme in uns nicht durch gute Werke genährt, so erlischtsie. Daher schreibt Pater Suarcz: „Das Feuer erlischtohne Wärme, der Schnee ohne Kälte schmilzt, die Luft ohneBewegung verdirbt, das Wasser ohne Zug wird faul: ebensoverdirbt und stirbt endlich die göttliche Gnade und Liebe inunserm Herzen ohne die guten Werke." 3) Durch guteWerke müssen wir uns endlich den Himmel alsLohn verdienen und als Krone erringen; wer mitleeren Händen vor Gott erscheint, der empfängt von ihm dieKrone des Lebens nicht. Daher sagt der göttliche Heilandselbst: „Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wirdausgehauen und in's Feuer geworfen." (Matth. 3, 10.)Wie thöricht also Diejenigen handeln, welche diese Pflicht,
Mchler, Hausbuch.
gute Werke zu üben, außer Acht lassen, sehen wir aus nach-folgendem Beispiele.
Beispiel und Anwendung. Einst gab ein Fürstseinem Hofnarren einen Stock mit den Worten: „Wenndu Einen findest, der ein größerer Narr ist, als du, soübergib ihm diesen Stock." Einige Jahre nachher wurdeder Fürst krank, und der Hofnarr besuchte ihn. (Sieh dasnebenstehende Bild!) Da der Kranke zu diesem sagte, daßer ihn bald verlassen werde, so fragte er: „Und wo willstdu hin"? — „In eine andere Welt," antwortete derFürst. — „Wann willst du wieder kommen? Etwa in-nerhalb eines Monats?" — „Nein." — „Innerhalb einesJahres?" — „Nein."— „Wann denn?"— Niemals.—„Und womit hast du dich ans eine so weite Reise und zudem Aufenthalte an dem Orte, wohin du gehest, ver-sehen?"— Mit gar Nichts! — „Wie?" versetzte der Narr,„da nimm meinen Stock! Bist du im Begriffe, auf ewigwegzureisen, und hast keine Anstalt getroffen, noch dafürgesorgt, wie du in der andern Welt, aus der du niemalszurückkchren wirst, glücklich leben kannst? Da nimm hinmeinen Stab; denn einer solchen Thorheit habe ich michnoch nie schuldig gemacht. Du bist ein größerer Narr,als ich." — Hat dieser Hofnarr nicht die Wahrheit ge-sprochen? Oder kann cs wohl einen größeren Thoren ge-ben, als einen Menschen, der mit leeren Händen — alsein Baum ohne Früchte — vor Gott erscheinen will?Uebe daher, mein Christ! gute Werke, so lange du kannst,und warte nicht, bis jene Nacht hercinbricht, in der dunicht mehr wirken kannst!
Fr. Welche gute Werke sollen wir vor allen übri-gen ansüben?
Antw. Diejenigen, 1) welche durch die GeboteGottes und der Kirche allen Christen geboten, 2) welchezur Erfüllung unserer Standespflichtcn nothwcndig undnützlich sind.
Belehrung. Wie viele gute Werke können wir danicht täglich, ja stündlich verrichten, wenn wir die GeboteGottes und der Kirche stets treulich und mit heiliger Liebeerfüllen und unfern Standespflichtcn mit Lust und Eifer ob-liegen? Gott verlangt da nichts Außerordentliches von uns.Daher schreibt ein Prediger der Neuzeit: „Bildet euch nichtein, daß jene Menschen allein dem göttlichen Willen nach-leben, welche solche Werke thun, solche Tugenden übe», diein aller Menschen Augen fallen, welche von Jedermann ge-schätzt und bewundert werden. Nein, der geringste Stern,der am Himmel hängt, der das schwächste Licht von sich gibt,und von den Menschen kaum bemerkt wird, dieser Sterir istebensowohl von der Hand des Herrn dahin gesetzt, sein Strahlist ebensowohl von der Macht Gottes angezündet, als dasprächtige Sonnenlicht, welches Alles beleuchtet, erwärmt und
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