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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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352
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Drittes Hauptstück. Nothwendigkeit der guten Werke und verschiedene Arten derselben.

Dienstmädchen reinigte heiteren Angesichtes den schmutzigenBoden der ärmlichen Wohnstube und sang freudig ihr Liedchen:Herr! Alles dir zu Lieb!

Ja, was ich thu' und üb',

Sei dir, o Herr, geweihtFür Zeit und Ewigkeit!

Sie gingen ruhig vorüber und kamen in einen großen, herr-lichen Dom, Auf heiliger Stätte verkündete eben ein aus-gezeichneter Prediger Gottes Wort vor einer unabsehbarenVolksmenge mit einer Kraft und Begeisterung, daß Allesstaunte, Viele in Thränen zerflossen und zur Lebensbesserungangefeuert wurden. Der Prediger verließ die Kanzel undging gerade an unfern beiden Wanderern stolz vorüber, wobeiman nur zu deutlich merken konnte, wie viel er auf seineRednergabe sich einbilde, und von welch hohem Geiste er be-seelt sei. Da Hub der Engel an und sprach:Sage mir,mein Freund! wer hat nun Größeres vor Gott gethandas arme Dienstmädchen oder der große Prediger?" OhneAnstand entgegnete der Einsiedler:Doch ganz gewißder vortreffliche Prediger."Du irrst gar sehr, meinKind!" erwiderte der Engel;denn Gott der Herr steht vorAllem auf die fromme Gesinnung, auf die guteMein-u ng; durch sie werden unsere Handlungen Gott wohlgefällig,wir selbst aber selig. Schreibe dir dieses in's Herz! Dar-nach lebe und handle!" Ja, so ist es, mein Christ! Wasman nicht aus Liebe thut, hat keinen Werth. Werke, dieauch äußerlich den Anschein des Guten haben, aber nicht mitder rechten Absicht verrichtet werden, gleichen den schönenAepfeln, die man an einen giftigen Baum heftet. Ein mitsolchen Früchten behangener Baum sieht herrlich aus; er er-hält aber durch sie, so gut und wohlschmeckend sie auch sind,da sie nicht aus seiner Wurzel hervorgetrieben werden und ihmnicht angehören, keinen Werth. Jeder, der ihn genau ansieht,erkennt, daß und wie sie angebunden sind. Die Aepfel wer-den sich auch an einem fremden Baume nicht lange erhalten,da es ihnen an Nahrungssaft gebricht. Und wenn sie ihnnoch so lange zieren, wird er darum um irgend Etwas bes-ser? Er ist und bleibt ein giftiger Baum. Ebenso wirdder Mensch, der sich mit guten Werken, die nicht aus derLiebe des Herzens entspringen, behängt, dadurch nicht tugend-haft, sein Herz ist und bleibt vergiftet.

Legende: Der heilige Abt Enneko. (P 1057.)

Ein fruchtbarer Baum im Garten Gottes voll lieb-licher Früchte, d. i. voll guter Werke, die er im Standeder Gnade und in frommer Absicht verrichtete, war derheilige Enneko, Abt des Klosters St. Salvator zu Onniain Spanien, dessen Name uns heute in der Legende be-gegnet. Dieser lebte ganz für Gott und für die Genü-gen, besonders war er ein Vater der Armen und ein Trö-ster der Kranken. Das größte Verdienst aber erwarber sich bei Gott und bei den Großen des Reiches da-durch, daß er die eingerissenen Feindschaften anszusöhnensuchte. Er starb heilig im Jahre 1057.

Gebet. Gib, o Gott! daß auch wir fruchtbareBäume werden in deinem Garten, wie der heilige Abt

Enneko, und Früchte bringen in Liebe und ausLiebe zu dir, Fruchte zum ewigen Leben durchChristum unfern Herrn. Amen.

Hmldertdrenmdfüliszkgstes Lesestnck.

Am Feierabende des 2. Juni.

Nothwendigkeit der guten Werke und verschiedene Arten derselben.

Fr. Muß jeder Christ gute Werke ausüben?

Antw. Ja, jeder Christ muß gute Werke ausüben;denn 1) ist der Glaube des Christen ohne die Werketodt; 2) kann die heiligmachende Gnade nicht in unssein und bleiben ohne die guten Werke; 3) müssen wiruns durch die guten Werke den Himmel als Lohn ver-dienen und als Krone erringen.

Belehrung. Siehe also, mein Christ! wie nothwen-dig uns die guten Werke sind! Denn 1) ohne dieselbenhat unser Glaube keinen Werth;der Glaube ohnedie Werke ist todt," sagt der heilige Apostel Jakobus(2, 26.). Und der heilige Hieronymus schreibt:Derchristliche Glaube ist eine schöne Lampe; das Oel in dersel-ben sind die guten Werke. Wie nun eine Lampe, wenn sieauch noch so schön und kostbar wäre, unnütz ist, wenn sieaus Mangel an Oel nicht brennen und leuchten kann, sonützt auch der Glaube Nichts, wenn er sich nicht in gutenWerken thätig erweist."Was nützet es, meine Brüder,"