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Am Feierabende des 1. Juni.
bare Münze für den Himmel und verdienen keine Belohn-ung; mdeß sind sie nicht umsonst, sondern haben doch nocheinen Werth. Außerdem, daß sie zeitlichen Segen verschaffen,nützen sie dazu, um sich in guten Werken zu üben. Warumpflegen die Soldaten, wenn sie im Frieden sind, und vonweitem keinen Feind zu fürchten haben, sich im Gebraucheder Waffen zu üben, mit einander zu fechten und zu schie-ßen, als ob sie wirklich schon dem Feinde gegenüberständen?Warum schießen die Jäger oft auf ein bestimmtes Ziel, aufein Stück Holz oder Papier, obwohl sie das Wild im Waldeerlegen sollten? Ist es nicht beiderseits eine vergebliche Ar-beit? Nein, diese Uebung ist dazu bestimmt, daß die Sol-daten im Kriegführen, die Jäger im Treffen desto mehr Ge-wandtheit bekommen, damit dann, wenn der Feind anrücktoder ein Wild sich blicken läßt, jene den Sieg, diese die Beutedesto sicherer davon tragen. Auf gleiche Weise dient auchDem, der im Stande der Sünde ist, die Uebung guter Werke.Sie nützen ihm zwar insoferne Nichts, als er das rechte Ziel,die ewige Seligkeit, nicht erreicht, allein er bekömmt dadurcheine gewisse Leichtigkeit und Gewohnheit, diese Tugendwerkeauch dann, wenn er mit Gott ausgesöhnt ist, zu verrichten,und dann das Himmelreich zu verdienen. Sie dienen fernerdazu, um den gerechten Zorn Gottes noch eine Zeit langferne zu halten, daß der Sünder nicht gleich, wie er es ver-dient hat, mit Plötzlichem Tode bestraft werde; sie sind gleich-sam ein Wall, wenn auch von lauter Leichnamen aufgerichtet,hinter welchem er sich noch eine Zeit lang gegen den Feindvertheidigen kann, bis er neue Hilfe bekommt.
Beispiele und Anwendung. Daß uns die gutenWerke, auch wenn sie im Stande der Sünde verrichtet wer-den, dennoch in vielfacher Beziehung sehr nützlich sind, indemsie von uns nicht selten zeitliche Strafen abwenden u. dgl.,dich ersehen wir aus vielen Beispielen. So wird uns z. B.von den Einwohnern Judäa's gemeldet: „Und weil sie sichdemüthigten, wandte sich der Zorn Gottes von ihnen, und siewurden nicht völlig vertilgt; denn auch in Juda wurden guteWerke gefunden." (2. Chron. 12, 12.) Ferner von Achab:„Hast du Achab nicht gesehen, wie er sich demüthigte vorMir? Weil er sich also demüthigte um Meinetwillen, willIch das Unglück nicht bringen in seinen Tagen, sondern erstin den Tagen seines Sohnes." (3. Kön. 21, 29.) — Auchin der Weltgeschichte begegnet uns ein ähnliches Beispiel. DieHand des Herrn fing an, sich über die lasterhafte Frede-gunde, Gemahlin des Franken-Königs Chilperich,auszustrecken. In der Zeit von einigen Monaten starben ihrschnell nacheinander drei Kinder ait einer Seuche. Sie fingnun an, ernstlich über ihre Verbrechen nachzudenken, undsagte zu ihrem Gemahl: „Bisher hatte uns Gott verschont,so sehr wir ihn auch beleidigt haben, aber jetzt trifft er unsauf der empfindlichsten Seite, da er unsere Kinder weg-
nimmt. Trachten wir, sein Strafgericht abzuwenden, undtheilcn wir die durch unsere Härte gesammelten Schätze alsAlmosen aus." Chilperich verminderte nun die übertrie-denen Auflagen, und spendete reichliche Geschenke unter dieArmen aus. Die strafende Gerechtigkeit Gottes wurde durchdie Fürbitten der Armen versöhnt. Die Königin wurde nocheinmal mit einem Sohne gesegnet, welcher später unter demNamen Clotar II. über Frankreich herrschte. — So be-lohnt Gott selbst auch die im Stande der Sünde verrichtetenguten Werke, ein Umstand, der uns anspornen soll, Guteszu thun, selbst auch dann, wenn wir gesündigt haben, ja, wirsollen da um so mehr Gutes thun, auf daß sich Gott unsererbarme und uns die Gnade der Bekehrung schenke.
Fr. Was heißt das: Wir sollen die guten Werkein heiliger Absicht verrichten?
Antw. Es heißt: Wir sollen das Gute vollbringenum Gottes willen, aus Liebe zu ihm.
Belehrung. Bei all' unfern guten Werken, bei all'unfern Arbeiten und Geschäften kommt Alles auf die guteMeinung an; eine gute Meinung heiligt sogar das unbe-deutendste Werk und verleiht ihm Werth und Verdienst inden Augen Gottes. Mit Recht sagt man daher: „Die guteMeinung verwandelt Blei in Gold." — Wie ein Malergemeines Holz vergoldet oder versilbert, so können auch wirdie geringsten Arbeiten, um mich so auszudrücken, vergolden,d. h. heilig und verdienstlich machen durch eine heilige Ab-sicht oder gute Meinung. Der göttliche Heiland selbstspricht den hohen Werth der guten Meinung in den Wortenaus: „Wer einem von diesen Geringsten nur einen Becherkalten Wassers zu trinken reicht im Namen eines Jüpgers,wahrlich, sage ich euch, er wird seinen Lohn nicht verlieren."(Matth. 10, 42.) — Wegen dieser hohen Bedeutung sollenwir die gute Meinung öfters während des Tages, besondersaber an jedem Morgen erwecken. Es kann dieß mit sehrwenigen Worten geschehen, indem wir z. B. sprechen: „MeinGott und Herr! Alles zu deiner größeren Ehre!" oder:„Herr, dir zu Lieb!" oder: „O mein Gott! ich opfere dirauf alle meine Gedanken, Worte und Werke zu deiner Ehreund Verherrlichung" u. s. w.
Beispiel und Anwendung. „Ach, wie werde ich se-lig werden? Wenn ich doch nur wüßte, was ich armer, un-gelehrter Mann zu thun hätte, um Gottes Wohlgefallen unddas Heil meiner Seele zu gewinnen!" Also seufzte bei Tagund Nacht ein kleingläubiger Jünger der Wüste, und erhärmte sich entsetzlich ab. Da erschien ihm ein Engel undlud ihn ein, ihm zu folgen. Der Einsiedler machte sich aufund folgte dem Engel, wohin er ging. Sie kamen nun zueiner einfachen Hütte; ein ärmlich gekleidetes, aber freundliches