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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Seite
350
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Drittes Hauptstück. Beschaffenheit der guten Werke.

Antw. 1) Der Stand der Gnade, 2) heilige Ab-sicht oder die gute Meinung.

Beispiel. Der hoch-selige Bischof Witt-mann von Regens-burg (f 1833.) wan-delte als ein Musterder Tugend und Fröm-migkeit, als ein Mannvoll Gottes- und Näch-stenliebe. (Sieh dasnebenstehende Bild!)Er that unendlich vielGutes, nie aber suchteer hiebei seine Ehreoder Menschenlob, son-dern nur die Ehre Got-tes und seiner Mit-menschen Heil; er thatAlles in der Liebe zuGott und aus Liebezu Gott, d. h. imStande der Gna-de und in frommerAbsicht, und das sindeben die zwei Eigen-schaften, die unsere guten Werke haben müssen, wenn sie ver-dienstlich sein sollen.

Fr. Was heißt das: Wir müssen die guten Werkeim Stande der Gnade verrichten?

Antw. Das heißt: Wir müssen sie verrichten in derLiebe Gottes, indem wir nämlich durch die heilig-machende Gnade in der Liebe und im Wohlgefallen Got-tes uns befinden und mit ihm vereinigt sind.

Belehrung und Beispiel. Nur diejenigen gutenWerke, die wir im Stande der heiligmachcnden Gnade ver-richten, haben vor Gott einen Werth, sind verdienstlich; imStande der Sünde kann der Mensch nichts Verdienstlichesfür den Himmel thun. Lege bei finsterer, dunkler Nacht aufeine Seite ein kostbares Stück Gold, auf die andere einStück Eisen; stelle auf die eine Seite das schönste, künstlichausgearbeitete Bild, auf die andere das schlechteste, häßlichsteGemälde, und sage mir dann, welches Stück ist kostbarer,welches Bild schöner? Du kannst weder den Werth, nochdie Schönheit bestimmen; denn in der Finsterniß kannst dumit den Augen Nichts unterscheiden. Kostbar sind in denAugen Gottes die guten Werke eines Menschen am HellenTage, d. h. im Stande der Gnade. Alles, was er thut, wirdjhm belohnt. Aber wie beweinenswerth ist eine Seele, die

in der Nacht arbeitet! Alles, was du in dieser Nacht thust,ist in Finsterniß eingehüllt, ist vergebens, wird von Gottnicht gesehen und nicht beachtet. Wenn ich dir, meinChrist! diese Wahrheit durch ein anderes Beispiel klar ma-chen soll, so höre! Nimm ein Blatt Papier und schreibein eine Reihe hundert Nullen nacheinander. Alle sindNichts ohne Eins; alle Nullen heißen und bedeuten Nichts,wenn nicht eine Zahl davor gesetzt wird. Sechs Nullenz. B. sind Nichts; setze aber Eins davor, so hast du die ZahlMillion. So verhält es sich auch mit unfern Gedanken,Worten und Werken; geschehen sie ohne Gott, ohne hei-ligmachende Gnade, so sind sie Nichts, gelten Nichtsund verdienen Nichts; geschehen sie aber mit Gott, d. h. imStande der heiligmachenden Gnade, so haben sieSegen, Werth und Verdienst. Wie im Herbste, wenn dieSonne allgemach von uns weichet, und die Kälte zmümmt,nicht allein die Früchte, sondern auch die Blätter von denBäumen fallen, so erkaltet auch die Seele des Sünders, wennGott, die Sonne der Gerechtigkeit, von ihm gewichen, in derLiebe, und wird von allen guten Werken entblößt; sie istdann im Stande der Ungnade Gottes ebenso wenig fähig,ein gutes, für den Himmel verdienstliches Werk zu verrichten,wie der Baum im Herbste, Früchte zu tragen.

- Fr. Ist sonach das Gute, das wir im Stande derTodsünde vollbringen, ganz unnütz?

Antw. Keineswegs. Man hat zwar kein Verdienstdavon für die ewige Seligkeit, allein es macht doch Gottzur Ertheilung der heiligmachenden Gnade geneigter; wirerlangen dadurch von der göttlichen Barmherzigkeit dieGnade der Bekehrung, zuweilen auch Abwendung zeit-licher Strafen.

Belehrung. Wenn auch die Werke, im Standeder Sünde verrichtet, nicht verdienstlich für den Himmel sind,(sagt der bekannte Prediger Hunolt), so darf man doch nichtunterlassen, sie zu verrichten, zu beten, die heilige Messe zuhören u. dgl. Eben weil du in Sünden bist, sollst du destofleißiger sein in Uebung guter Werke. Wenn du eine zerbro-chene Eisenstange hast, wirfst du sie gleich weg? Gewißnicht; aber sie taugt doch zu Nichts mehr? Oder wenn einGuldenstück in der Mitte auSeinandcrgebrochen ist, wirfst dues gleich weg? Und doch, es ist keine gangbare Münze mehr;du kannst Nichts damit kaufen. Obwohl zerbrochen, habendennoch beide noch einen Werth. Ebenso ist cs mit denguten Werken, die man im Stande der Sünde verrichtet;allerdings taugen sie nicht für den Himmel, sind keine gang-

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