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Am Feierabende des 1. Jnni.
denn mit Recht können wir jedes gute Werk, das wir imStande der Gnade verrichten, einen Himmelsschlüssel nennen.Ein Laienbruder, der in einer Ordensgemeinde sich vieleJahre lang mit der Sorge und Verfertigung der Kleiderbeschäftigte, kam zum Sterben. Da verlangte er, manmöchte die Nähnadel, mit welcher er zu arbeiten Pflegte, ihmmit m's Grab legen. „Seht diese Nadel!" rief er aus.„Ich hoffe, sie ist für mich ein Schlüssel des Paradieses gewor-den; denn jeden Stich, den ich damit gemacht habe, pflegteich Gott und seiner größeren Ehre zu weihen." — Ja,mein Christ! So oft du ein Almosen gibst aus Liebe zuGott, eine Freude dir versagst, einem Liebesdienst u. dgl.um Gottes willen dich unterziehst: so oft legest du einenPfennig nieder in die Hände Gottes; er sammelt sie dirin deiner Sparkasse für das Himmelreich; und wenn er siedir einst öffnet, sieh, da liegen lauter Goldstücke darin.Welche Schätze hast du dir erworben! Wie wirst du danndich freuen! — Eile und lege zusammen, täglich, stündlich!
Fr. Woher kommt den guten Werken, die wir imStande der Gnade verrichten, die Verdienstlichkeit oderder innere Werth zu?
Antw. Nur von Gott, nur von den VerdienstenJesu Christi, dessen lebendige Glieder wir durch die hei-ligmachende Gnade werden.
Belehrung. Von Gott also, von den unendlichenVerdiensten Jesu Christi, dessen lebendige Gliederwir durch die heiligmachende Gnade werden, erhalten unsereguten Werke jenen hohen Werth, so daß sie uns die Ver-mehrung der heiligmachenden Gnade und die ewige Seligkeitverdienen. Daher sagt der göttliche Heiland selbst: „Ichbin der Weinstock (sieh das vorhergehende Bild!), ihr seid dieReben; wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt vieleFrucht; denn ohne mich könnet ihr Nichts thun." (Joh. 15, 5.)Oder was vermag die Rebe ohne den Weinstock? Und wemgebührt also das Verdienst, wenn der Weinstock Früchte trägt,der Rebe oder dem Weinstocke? So haben also alle unsereguten Werke ihre Verdienstlichkeit von Jesus Christus,dem lebendigen Weinstocke, mit welchem vereinigt wir erstans wilden zu veredelten und fruchttragenden Rebzweigengeworden sind.
Beispiel und Anwendung. Die Wahrheit, daß allunsere guten Werke ihre Verdienstlichkeit oder ihren hohenWerth nur von Gott, von den Verdiensten Jesu Christi ha-ben, zeigt uns ein christlicher Lehrer in folgendem Beispieloder Gleichniß: Bilde dir ein (sagt er), es liege eingroßer Haufen falscher Münzen vor deinen Augen. Wasnützt nun dieß Geld einem Bettler? — Nichts! Er kanndamit keine Schuld bezahlen, nicht das geringste Bedürfnißsich bestreiten; bei der großen Menge Geldes bleibt er doch
arm und ein Bettler. — Was nützen alle Werke, wenn siezwar das äußere Gepräge von Tugenden haben, aber wennihnen das Verdienst Christi abgeht, wodurch sie erstihren innern Werth von Gott erhalten? Sie gleichen ebenjenen falschen Münzen; nicht die geringste Sünde kann durchsie ausgelöscht, nicht die geringste Seligkeit im Himmel da-für erkauft werden. In der Welt, die blos nach dem äußernSchein geht, mögen solche Münzen wohl gelten, nicht abervor Gott, der außer dem Gepräge auch noch den wahrenWerth beachtet.
Legende: Die heilige Jungfrau Petronilla.
Die Früchte der heilig-machenden Gnade zeigtensich recht deutlich im Lebendieser Heiligen, deren Festauf den heutigen Tag fällt;denn ihr ganzes Leben undWirken ist eine fortlau-fende Kette von guten undverdienstlichen Werken.
Die heilige Jungfrau Pe-tronilla glänzte wie einHelles Gestirn unter denersten Jüngern und Jün-gerinen der Apostel. Sieblühte zu einer Zeit, wodie Christen sich durch hel-denmüthige Gottes-- undNächstenliebe auszeichne-ten. Sie lebte zu Romund wird eine Tochterdes heiligen Petrus ge-nannt, nicht dem Fleische,sondern dem Geiste nach;denn dieser heilige Apostel hat sie im Glauben unter-richtet und getauft. Nach ihrem seligen Hinscheidcnwurde sie an der ardeatischen Strasse beerdigt, wo vorAlters eine Kirche ihres Namens war, diesto berühmt wurde,daß Papst Gregor III. daselbst eine Station errichtete.
Gebet. Wir bitten dich, o Gott! verleih unsdurch die Fürbitte der heiligen Jungfrau Petronilla,daß wir dir im Stande der heiligmachenden Gnade die-nen» und unser Leben mit recht vielen guten und ver-dienstlichen Werken bezeichnen mögen, durch Christumunfern Herrn. Amen.
Hmidertzweiundsünszigstes Lesestück.
Am Feierabende des 1. Juni.
Beschaffenheit der guten Werke.
Fr. Was wird zu einem guten, verdienstlichen Werkeerfordert?