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Drittes Hauptstück. Wodurch die heiligmachende Gnade geschwächt oder gänzlich verloren wird.
welches das Band zwischen Gott und den Menschen zerhaut;und so geht durch die Todsünde die heiligmachende Gnadewieder verloren; denn wie der Blitz verheerend in der Naturwirkt (sieh das obige Bild!): eben so die Todsünde in einermit der heiligmachenden Gnade ausgestatteten Seele.
Beispiel und Anwendung. Die heilige Theresiawar schon in ihrer zartesten Jugend ein Muster der Tugendund eines ausgezeichneten gottseligen Wandels. Ihre Elternthaten alles Mögliche, um sie für Gott zu erziehen, und siehatte in der christlichen Vollkommenheit große Fortschritte ge-macht. Allein im zwölften Jahre ihres Alters raubte ihrder Tod ihre gottesfürchtigc Mutter, und nun nahm ihr Le-ben eine ganz andere Richtung. Es kamen ihr nämlich aller-lei Arten von Büchern unter die Hände; durch ihre Neugierdegetrieben, las sie Alles, und besonders gerne, wie sie selbstsagte, die Romane. Da nun erlosch gar schnell wiederumdie göttliche Liebe in ihrem Herzen, und von Tag zu Tagnahm die Weltliebe in ihr immer mehr zu; sie bekam jetzteinen Hang zur Eitelkeit und Eigenliebe; es erwachte in ihrdie Begierde zu sehen und gesehen zu werden, und sie liebteden Aufputz und das Vergnügen. Sicherlich wäre sie anden äußersten Rand des Verderbens gekommen, wenn sichGott ihrer nicht erbarmt und sie von ihren Abwegen wiederzurückgerufen hätte. — Auf solche Weise entfernt die Sündeden Menschen mehr und mehr von der Liebe zu Gott undversetzt ihn aus dem Stande der Gnade wieder in den Standder Sünde. — Darum ermahnt der heilige Johannes(I. 2, 15.): »Habet nicht lieb die Welt, noch was in derWelt ist! Wenn Jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebedes Vaters, also auch die heiligmachende Gnade, nicht in ihm."— Ein so großes Unheil richtet also die Sünde in dir an,christliche Seele I Sie raubt dir die heiligmachende Gnadeentweder gänzlich, oder schwächt dieselbe wenigstens in dir.Ach, ich bitte dich, fliehe doch wenigstens die Todsünde! Oderist es nicht die größte Bosheit, wenn du das kostbare Kleidder heiligmachenden Gnade mit dem Schmutze der Todsündebefleckest oder gänzlich ruinirest? Das Kleid, womit dieJungfrau an den Altar trat, um den Bund der Ehe zuschließen, schätzt auch die Ehefrau noch hoch und bewahrt esmit Sorgfalt. Was würde man aber von einer Frau sagen,welche geflissentlich ihr Brautkleid besudelte oder in Gegen-wart ihres Mannes mit Füssen träte? Würde sie nicht für
unverschämt gehalten werden und den Zorn ihres Mannessich zuziehen? Was wird nun aber dir widerfahren, christ-liche Seele, wenn du das kostbare Kleid der heiligmachendenGnade, welches dich zum Gegenstände des Wohlgefallens inden Augen Gottes und der himmlischen Heerschaaren macht,leichtsinnig und gewissenlos mit der Sünde besudelst? Waswird dir geschehen, wenn du die Gnade Gottes mit Füssentrittst oder sie um die Wollust der Sünde verkaufst? Ach,es wird dir ergehen, wie Jenem, der kein hochzeitlichesKleid anhatte!
Fr. Kann man mit Bestimmtheit wissen, ob mansich im Stande der Gnade befinde?
Antw. Der Mensch hat keine Gewißheit, ob ersich im Stande der Gnade befinde; es gibt jedoch einigeKennzeichen und Vermuthüngen, welche eine moralischeWahrscheinlichkeit gewähren.
Belehrung. Die heilige Schrift sagt: „Der Menschweiß nicht, ob er der Liebe oder des Hasses würdig sei."Daraus ist klar, daß wir in diesem Leben ohne besondereOffenbarung Gottes keine unfehlbare Gewißheit haben, obwir uns in der Gnade und Freundschaft Gottes befindenoder nicht; aber immer gibt es einige Merkmale, die eineArt moralischer Wahrscheinlichkeit hierüber gewähren. Einsolches Kennzeichen ist, wenn man immer an Tugend undVollkommenheit zu wachsen Verlangen hat. Nicht minderist es ein Merkmal, daß man im Zustande der Gnade sichbefindet, wenn man seine Freude nur an Gott hat, oderwenn der Mensch Gott mit Fröhlichkeit dient und gerne vonGott und himmlischen Dingen redet und ebenso gerne davonreden hört. Es sagt ja schon das Sprüchwort: „Wovondas Herz voll ist, davon geht der Mund über." Hast duGott mit seiner Gnade im Herzen, so wird er auch in dei-nem Munde, d. h. in deinen Worten sein, und es wird dichfreuen, wenn er auch in deine Ohren kömmt, das will sa-gen, wenn du davon reden hörst. Endlich ist vollkommeneErgebung in Gottes heiligen Willen und die Bereitwilligkeit,jeden Augenblick, wo der Herr es verlangt, zu sterben, eben-falls ein Zeichen, daß man sich im Stande der Gnade be-findet; denn diese Gleichförmigkeit ist eine Wirkung der Gnade.Wo die Gnade fehlt, da ist Widerspenstigkeit; wo aber dieGnade ist, da ist auch volle Ergebung.
Beispiel und Anwendung. Der berühmte PredigerHunolt spracheinst also zum versammelten Volke: „Es weißzwar Niemand, ob er im Stande der Gnade sei, aber dochkann man mit menschlicher Gewißheit darauf schließen. Daßder Kanzeldeckel jetzt herunterfalle, und mir das Haupt zer-schmettere, daß die ganze Kirche einstürze und uns Alle er-schlage, das wäre keine Unmöglichkeit, auch wäre kein Wunder
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