Am Feierabende des 30. Mal.
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den Thränen, welche ihm die Scham über seine Unentschlos-senheit anspreßt, freien Lauf. Da hört er auf einmal dieStimme: „ Nimm und lies! Nimm und lies!" Betroffenspringt er auf, und öffnet das Buch der Briefe des heiligenPaulus. Da kamen ihm die Worte unter die Augen: „ Wieam Tage lasset uns wandeln, nicht in Schmausereien undTrinkgelagen, nicht in Schlafkammern und Unzucht, nicht inZank und Neid, sondern ziehet den Herrn Jesum Christuman und pfleget der Sinnlichkeit nicht zur Erregung der Lüste!"Jetzt fällt es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen,sein Herz ist durch Gottes Gnadenstrahl vollkommen umge-schaffen und bekehrt. Von diesem Augenblicke au klimmt erin der Heiligkeit von Stufe zu Stufe empor, und erfülltbald alle christlichen Länder mit dem Ruhme seiner himm-lischen Weisheit, wie seiner tiefen Selbstverleugnung und De-muth, und wird in der Kirche 'jenes strahlende Licht, dasdurch dreizehn Jahrhunderte herab so Vielen, namentlich Got-tesgelehrten zum Himmel leuchtet. (Sieh das vorhergehendeBild!) — Aehnliches finden wir in der Geschichte allerheiligen Büßer, die aus Sündern Gerechte wurden.
Legende: Der heilige Knabe Cyrillus, Mär-tyrer zu Cäsarea in Kappadocieu. (ch um 200.)
Die göttliche Gnade hatte auch den heiligen KnabenCyrillus, dessen Gedächtniß am heutigen Tage in derkatholischen Kirche gefeiert wird, auf eine wunderbareWeise aus den Finsternissen des Heidenthums und derAbgötterei herausgeführt zum Lichte des wahren Glau-bens, und wie selig fühlte sich nicht der junge Cyrillusim Lichte dieses beseligenden Glaubens! Nichts konnteihn bewegen, denselben zu verläugnen. Als nämlich seinVater, der tief im heidnischen Aberglauben versunken war,
Mehler, HausLuch.
sah, daß sein Sohn, der heimlich in der christlichen Re-ligion unterrichtet worden war, sich weigere, seine Götzenauzubeten, jagte er ihn aus seinem Hause und mißhan-delte ihn auf alle mögliche Weise. Hierauf wurde er vorden Statthalter von Cäsarea gerufen, welcher Alles auf-bot, den Knaben zum Abfall zu zwingen. Allein Alleswar vergebens. Man zeigte ihm Feuer und Schwert;aber voll männlichen Ernstes, voll christlichen Helden-muthes eutgegnete Cyrillus: „Ich fürchte weder dasFeuer noch das Schwert. Ich brenne vor Verlangen,zu meinem Gott zu kommen. Nebergebet mich bald demTode, damit ich das Glück habe, ihn desto eher zu sehen."In diesen schönen Gesinnungen starb alsdann der uner-schütterliche Bekenner Jesu Christi im dritten Jahrhunderte.
Gebet. Verleihe uns, o Gott! die Gabe derThränen, damit wir, wie die heiligen Busser, unsereSünden beweinen, ans dem Stande der Sünde in denStand der Heiligkeit und Gerechtigkeit gelangen und dirfortan mit unverbrüchlicher Treue, wie St. Cyrillus,dienen mögen, so daß uns weder Feuer noch Schwertjemals von deiner Liebe zu trennen im Standesei, durch Christum unfern Herrn. Amen.
Himdertfünfzigstes Lesestmk.
Am Feierabende des 30. Mai.
Wodurch die heiligmachcnbe Gnade in uns geschwächtoder gänzlich verloren wird.
Fr. Wodurch wird die heiligmachendeGnade in uns geschwächt, wodurch gänzlichverloren?
AntW. Geschwächt wird sie durch dieläßliche Sünde, gänzlich verloren aberdurch die Todsünde.
Belehrung. Schon durch die läßlicheSünde wird die heiligmachende Gnade, wennauch nicht in ihrem Wesen, doch wenigstens inihren Aeußerungen geschwächt, und so ihrgänzlicher Verlust vorbereitet; gänzlich ver-aber ^ird sie durch die Todsünde: denn „diedie sündigt," heißt es bei Ezechiel (18, 20.), „soll" Und der heilige Basilius bemerkt gar schön:der Rauch die Bienen vertreibt; wie ein garstigerdie Tauben verscheucht: so wird auch der heiligediese himmlische Taube, und seine Gnade aus unsermverscheucht durch die beweinenswerthe, abscheuliche" Jede Todsünde ist sonach gleichsam ein Schwert,
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loren
Seele,
sterben.
„Wie
Geruch
Geist,
Herzen
Sünde.