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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Am Feierabende des 29. Mai.

Beispiel und Anwendung. Es wird erzählt, oaßeinst die türkischen Kaiser ihren Günstlingen ein kostbaresgvlddurchwirktes Kleid zu schenken pflegten. Wer in ein sol-ches Kleid gekleidet war, konnte ohne Gefahr durch das ganzeReich reisen. Alle Thore mußten sich ihm öffnen, die Kriegs-heere ihm weichen, gerade so, als wenn der Kaiser selbstgekommen wäre. Der war also im Reiche ein glücklicherMensch, welcher ein solches Kleid zum Geschenke erhaltenhatte. Doch unvergleichlich glücklicher ist die Seele, welchenicht von einem sterblichen Menschen, sondern von dem un-sterblichen Gotte zum Zeichen seiner unendlichen Liebe undGüte mit dem kostbaren Kleide der heiligmachenden Gnadegeschmückt worden ist; denn nun ist sie ein Tempel des hei-ligen Geistes, ein lebendiges Glied des Leibes Jesu Christi,theilhaftig der göttlichen Natur und ein Gegenstand des Wohl-gefallens in den Augen Gottes und des ganzen Himmels;nun ist sie ein Kind Gottes, und es öffnen sich vor ihr diePforten des Himmels; denn als Kind Gottes ist sie auch eineErbin Gottes und eine Miterbin Jesu Christi. Wegender Vortrefflichkeit der heiligmachcnden Gnade schätzten auchdie Heiligen Gottes dieselbe überaus, wie wir z. B. aus derLebensgeschichte des heiligen Bischofs Germanus ersehen,dessen Festtag heute gefeiert wird.

Legende: Der heilige Germanus, Bischofvon Paris, (ff 576.)

Der heilige Germanus, welcher im sechsten Jahr-hundert die Zierde der gallischen Kirche war, wurde um496 im Bezirke von Autun geboren. Sein Netter, derfromme Priester Scapilio, nahm es auf sich, ihm dieerste sittliche und wissenschaftliche Bildung zu geben. DerJüngling zeigte einen seltenen Andachtseifer und wuchsHeranim Gewände der Gnade und Unschuld zu einem wahr-haft frommen Diener des Herrn. Er wurde Priester und

bald hierauf Abt von St. Shmphorian. Im Jahre555 wurde er sogar gegen seinen eigenen Willen zumBischöfe von Paris ernannt. Als solcher änderte erNichts in seiner Lebensweise; er blieb arm und demü-thig; als der größte Schmuck galt ihm das Kleid derheiligmachenden Gnade. Dieser liebreiche Oberhirtbot all seine Klugheit auf, die Zwistigkeiten der weltlichenFürsten beizulegen. Er war der liebreichste Vater derArmen und arbeitete unermüdet im Weinberge des Herrn.So hatte er das achtzigste Jahr erreicht, als er in einemGesichte über den Tag seines Todes eine Offenbarungerhielt. Er ließ hierauf an seine Bettstatt die Worteschreiben:Am 28. Mai!" Niemand wußte, was dießzu bedeuten hätte, bis der Tod des Heiligen, der andiesem Tage erfolgte, das Räthsel löste im Jahre 576.Seine Reliquien befinden sich in der Abtei von St.Germain und werden in einem prachtvollen Sarge vonGold und Silber, reich geschmückt mit kostbaren Perlenund Edelsteinen, aufbewahrt; weit herrlicher aber als seinSarg wird dieser Heilige selbst glänzen im Gewändeder Herrlichkeit dort oben in der Glorie des Himmels.

Gebet. O Gott, du Gnadenspender! verleihe, daßwir allen irdischen Schmnck verachten und uns schmückenmit dem Kleide der heiligmachenden Gnade, auf daß auchwir einst, wie der heilige Bischof Germanus, im Ge-wände der Herrlichkeit glänzen mögen in der Glorie desHimmels, durch Christum, unfern Herrn. Amen.

Hundertnemmndvierzigstes Lesestück.

Am Feierabende des 29. Mai.

Wie der Sünder zur heiligmachenden Gnade gelangt.

(Gang der Rechtfertigung.)

Fr. Wie gelangt der Sünder zur heiligmachendenGnade oder auf welche Weise geht der Mensch vomStande der Sünde über in den Stand der Gerechtigkeitund der Heiligkeit?

Antw. Auf folgende Weise: Zuerst erleuchtet diezuvorkommende Gnade den Sünder und treibt ihn an,daß er sich zu Gott hinwende. Nun aber muß der Sün-der diesem Zuge folgen, d. h. er muß mit dem Bei-stände der Gnade sich freiwillig zu Gott hinwenden undAlles glauben, was Gott geoffenbart hat, insbesondere,daß wir durch Jesus Christus gerechtfertigt werden.Dieser Glaube bewirkt nun in dem Sünder, daß er vonder Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit heilsam er-'schiittert wird, jedoch so, daß er zugleich von der gött-