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Drittes Hauptstück. Vsn der Gnade der Heiligmachung oder Rechtfertigung rc.
-Es,-
schließt die Rechtfertigung in sich: 1) die Reinigung vonallen, wenigstens schweren Sünden, nebst derNachlassung der ewigen Strafe, und 2) die Hei-ligung und Erneuerung des innernMenschen, wiedieß wiederum der heilige Paulus (1. Cor. 6, 11.) aus-spricht mit den Worten: „Ihr seid abgewaschcn, ihr seid ge-heiliget, ihr seid gerechtfertigt im Namen unsers Herrn JesuChristi und im Geiste unsers Gottes." Die Rechtfertigungbewirkt sonach in der Seele des Menschen eben das, was dieSonne bewirkt, wenn sie in die Finsterniß hineinscheint; damuß alle Finsterniß weichen, und überall herrscht Lichtund Helle, wohin ihre Strahlen dringen. So muß auchaus der Seele der Gerechtfertigten alle Finsterniß derSünde weichen, und es zeigt sich in ihr überall nur dasLicht und die Klarheit der innern Heiligung und Erneuerung.
Beispiel und Anwendung. In den Geschichtsbüchernder Makkabäer wird erzählt, daß der Fürst Nehem-ias,als er den neuerbauten Tempel von Jerusalem einweihcnwollte, die Priester zu einer Cisterne gesendet habe, in wel-cher nach der Zerstörung der Stadt das Feuer, das unaufhör-lich im Tempel brannte, verborgen worden war. Und wie-wohl sie dort nichts Anders fanden, als ein trübes, schlam-miges Wasser, ließ es Nehemias dennoch hcrbeiholen, undüber den im Freien errichteten Altar, sowie über das daraufgeschichtete Holz und über das Opferthier ausgicßen. In demAugenblicke nun, als die bisher verhüllte Sonne aus denMolken trat, und der erste Strahl den Holzstoß berührte,entzündete sich eine mächtige Flamme, und Alles ward au-genblicklich verzehrt. — Diese Begebenheit, die nur als eineÜberlieferung der Väter verbürgt wird, kann als ein be-deutsames Bild erachtet werden, das uns das Wesen der
Rechtfertigung veranschaulicht und uns zeigt,was sie von uns hinwegnimmt, und was^ sie uns verleiht. Das schlammige Wasser inder Tiefe ist die Sündenknechtschaft und die Gottentfremdete Gesinnung; der Sonnenstrahl aus ewigenH Höhen ist die erneuernde Macht des heiligen Geistes;^ die Flamme, die dieser Strahl entzündet, ist dieFreude des Heiles und die Kraft der Tugend. So-bald der Strahl der heiligmachenden Gnade dasmenschliche Herz bescheint, so muß aller Schlaminder Sünde verschwinden, die Flamme der TugendM aber muß sich entzünden, und Gottes WohlgefallenN wird alsdann auf dem Gerechtfertigten ruhen.
Fr. Da die heiligmachende Gnade unsvon der Sünde reinigt, uns gerecht und heiligund zu Kindern Gottes macht, was folgt daraus?
Antw. Daraus folgt, daß es für unsereSeele nichts Kostbareres geben kann, als dieheiligmachende Gnade.
Belehrung. Wahrlich, es gibt für unsere Seele nichtsKostbareres, als die heiligmachende Gnade. Willst du wis-sen, mein Christ; wie viel diese Gnade Werth sei? Wohlan,lege auf die eine Wagschale all das vergossene Blut JesuChristi, und stehe, wenn du nicht in der Gnade Gottes stehst,hat es keinen Werth für dich; bist du aber im Stande derGnade, dann wiegst du dieses Blut auf. Ein Kleid ist siefür deine Seele, in welchem sie der höchste Gott so sehr liebt,daß er sie für seine Braut erkennt; ein Geldstück ist es, mitwelchem du dir den Himmel erkaufen kannst; ja, brächtest dueinst vor den Thron Gottes nichts Anderes hin, als denStand der Gnade, so wäre Gott schuldig, dir den Himmeldafür zu geben; einen Theil der göttlichen Natur hast duempfangen; denn im Stande der Gnade bist du ein KindGottes, auf dem das Auge des heiligen Schutzengels mitWohlgefallen ruht. (Sieh das obige Bild!) Daher findenauch die heiligen Väter nicht Worte genug, um den hohenWerth der heiligmachenden Gnade würdig zu rühmen. Sienennen dieselbe ein Licht der Seelen, eine Sonne der Herzen.Was ist aber schöner, als das Licht? glänzender als dieSonne? Sie wird ferner genannt eine Quelle, die hinüber-fließt in das ewige Leben, ein glänzendes Gold, welches alleWerke der Menschen vergoldet, eine Perle, ein Schatz, werth,um für all' unser Hab und Gut eingekauft zu werden. Derheilige Thomas von Aquin nennt die heiligmachendeGnade „ein Theilchen der göttlichen Wesenheit," und der heil.Hilarius sagt, sie sei das allerhöchste Brautkleid, womitder heilige Geist die Seele bekleide als eine werthe Braut Christi.