Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
341
Einzelbild herunterladen
 

Am Feierabxnde des 28. Mai.

341

/

ist ein auserlesenesBeispiel der Tu-gend undHeiligkeit;bei all den reichenGnaden, mit denensie der Herr über-häufte , blieb siestets demüthig undvoll Mißtrauen aufihre eigenen Kräfte.Sie wurde 1566 zuFlorenz geborenund betrat von derWiege an den WegderchristlichenVoll-kommenheit. Alssie in die Schulegeschickt wurde, gabman ihr Speisenn. dgl. mit, um sichvon Zeit zu Zeitdamit zu laben; al-lein sie schenkte die-selben den Armenund Unglücklichen,die ihr begegneten.

Kanin sieben Jahre

alt, fing sie schon an, sich auf allerlei Art abzutödten;von Tag zu Tag nahm sie an Tugend und Frömmigkeitzu. Im siebzehnten Jahre trat sie endlich in das Klo-ster der Karmeliterinen zu Florenz, indem sie freudig aufalle irdische Pracht und Herrlichkeit verzichtete und Jesumzum Bräutigam wählte. Da nun erreichte ihre Liebezu dem Gekreuzigten einen so hohen Grad, daß sie bis-weilen ein Crucifix ergriff und mit lauter Stimme ans-rief:O Liebe! o Liebe! ich will niemals aufhören,dich zu lieben!" Es gefiel dem Allerhöchsten, seineDienerin auch mit Widerwärtigkeiten heimzusuchen. FünfJahre lang wurde sie fast Tag und Nacht von den ent-setzlichsten Anfechtungen geplagt, und in den drei letztenJahren ihres Lebens mußte sie verschiedene schmerzlicheKrankheiten ausstehen. Aber glänzend bestand sie diePrüfung in der Leidensschule; gestärkt von Oben durchdie göttliche Gnade, rief sie oft voll Liebe zu Jesus aus:Leiden! nicht sterben!" Sie starb heilig i. 1. 1607.

Gebet. O Gott! im Gefühle der Reue bekennenwir es, daß wir oft deinen Gnadenruf überhört, und deruns dargebotenen Gnade Widerstand geleistet haben; ach,Herr! wir bitten dich, siehe nicht auf diese unsere Bos-heit und entziehe uns deine Gnade nicht! Stärke uns,

und wir wollen von nun an deine treuen Diener sein, unddich, wie oie heilige Magdalena von Pazzis, zumBräutigam unsers Herzens wählen. Amen.

Hnndertachtundvierzigstes Lesestück.

Am Feierabende des 28. Mai.

Von der Gnade der Heiligmachung oder Rechtfertigung; Bedeu-tung und Wesen derselben.

Fr. Was ist die heil! gm ach ende Gnade?

Antw. Sie ist eine unverdiente, übernatürliche Gabe,welche der heilige Geist unserer Seele mitthcilt, durchwelche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Got-tes und Erben des Himmels werden.

Belehrung. Die heiligmachende Gnade ist also 1) eineübernatürliche" Gabe, weil Gott dem Menschen durchsie, wie durch eine geistige Zeugung das übernatürlicheLeben mittheilt, welche geistige Lebenskraft in uns bleibendist, so lange wir sie nicht durch die Todsünde zerstören. Da-her ist auch die heiligmachende Gnade im Gegensätze zurwirklichen Gnade eine bleibende. 2) Die heiligmachendeGnade ist eineunverdiente" Gabe, weil sie ein ganzfreies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes ist, indem wirsie weder durch unsere natürlichen Kräfte erwerben, nochselbst mit Hilfe der wirklichen Gnade eigentlich verdienen.Daher schreibt der heilige Paulus (Rom. 3, 24.):Allewerden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade,die in Jesu Christo ist"; und (Tit. 3, 57.):Er hatnicht wegen der Werke der Gerechtigkeit, die wirgethan, sondern nach seiner Barmherzigkeit uns ge-rettet durch Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er reich -lich auf uns ausgegossen hat durch Jesum Christum unser»Heiland, daß wir gerechtfertigt durch seine Gnade Erbenseien nach der Hoffnung des ewigen Lebens."Die GnadeChristi," sagt der heilige Augustinus (de nst. et ^rut.)wird nicht als Lohn für das Verdienst, sondern unver-dient ertheilt; gerade deßhalb heißt sie Gnade."3) Die heiligmachende Gnade rechtfertigt den Men scheu,d. h. versetzt ihn aus dem Stande der Sünde in den Standder Gerechtigkeit und Heiligkeit; deßwegen nennt man sie auchGnade der Rechtfertigung."

Fr. Worin besteht sonach dasWesen derRecht-fertigung?

Antw. Darin, daß wir von der Schuld befreit undin das Wohlgefallen Gottes ausgenommen werden.

Belehrung. Die Gnade der Rechtfertigung nimmt vonuns die Schuld und verleiht uns Gottes Wohlgefallen; daher