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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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338
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Drittes Hauptstück. Wie wir uns der Gnade Gottes gegenüber verhalten müssen.

Antw. Wir müssen treu mit derselben (Mitwirken;dennGott, der uns ohne unser Zuthun erschaffen hat,"sagt der heilige Augustin,will uns nicht ohne unserZuthun selig machen."

Belehrung. In der geheimen Offenbarung (3, 20.)spricht Gott der Herr selbst:Siehe, ich stehe vor der Thüreundklopfe an. (Sieh das obige Bild!) So Jemand meine Stimmehöret und die Thüre mir aufthut, zu dem will ich eingehen undmit ihm mein Abendmahl halten, und er mit mir."Gott derHerr reicht dir die Hand," sagt der heilige Chrysostomus,gib ihm die dcinige!" Wir müssen also dem Herrn dieThüre unseres Herzens öffnen und ihm die Hand reichenzur treuen Mitwirkung; nur so wird uns seine Gnade zumHeile gereichen.Unser Helfer ist zwar der Herr," schreibtSt. Augustin;allein geholfen kann nur Dem werden, derauch freithätig Etwas versucht; denn Gott wirkt unser Heilin uns nicht, als ob wir leblose Steine oder solche Ge-genstände wären, denen die Natur keine Vernunft oder keinenfreien Willen eingeschaffen hat." Ein schönes Sinnbildder himmlischen Gnaden, mit denen wir Mitwirken müssen,ist das Manna. Es fiel vom Himmel, wie uns die Gnadevom Himmel zukommt; allein um das Manna genießen zu

können, mußte man noch Vieles thun; man mußte es sam-meln , man mußte es mahlen und erst durch Fleiß zur Speisebereiten. So ist es auch mit der Gnade; wir müssentreulich mit ihr Mitwirken; nur so wird sie uns zumHeile gereichen. Wir sehen dieß an zahlreichen Beispielen.

Beispiele und Anwendung. David wirkte mit derGnade, als er auf das Wort des Propheten Nathan seineSünden bekannte und Buße that; und Gott verzieh ihmseineMissethat. Die Nin iviten wirkten mit der Gnade,als sie auf die Predigt des Propheten Jonas Buße thatenin Sack und Asche; und der Herr schonte ihrer. Mag-dalena, Zachäus und der gute Schächer am Kreuzewirkten mit der Gnade; als sie sich bekehrten; und sie fandenAlle Gnade und Verzeihung. Auch der heilige Pauluswirkte treulich mit der Gnade; daher konnte er von sich sagen:Ich habe mehr als sie Alle gearbeitet; doch nicht ich, son-dern die Gnade Gottes mit mir." (1. Cor. 15, 10.) Es wäre also thöricht, wenn wir von der Gnade GottesAlles erwarten, selbst aber dabei Nichts thun wollten. Eiiirömischer Soldat, welcher bei einem öffentlichen Schauspielekämpfen wollte, fürchtete sich sehr, und fragte bei der GöttinMinerva an, ob er wohl den Sieg davon tragen werde,und er erhielt zur Antwort:Sei nur guten Muthesund du wirst siegen!" Durch diese Verheißung aufge-muntert, trat er herzlich seinem Feinde entgegen, bekamaber gleich einen Kolbenschlag, so daß er fast zur Erde fiel.Vertrauend auf die Verheißung der Göttin, wehrte er sichaber nicht, erhielt einen Schlag nach dem andern und sankendlich besiegt zu Boden. Da erhob er wehklagend die Händezum Himmel und sprach:Wo ist die Treue der Götter?Mir wurde der Sieg verheißen, und nun liege ich besiegt zuBoden!" Es ward ihm die Antwort:Du hättest nichtmüßig sein, sondern muthig kämpfen sollen; denn die Götterhelfen nur dem Thätigen!" Dieß ist auch uns gesagt, meinChrist! Gott ist bereit, uns der unendlichen Verdienste sei-nes eingebornen Sohnes theilhaftig zu machen, damit wir seligwerden; er will aber auch, daß wir das Unsrige dazu thunund mit der Gnade wirken, die er uns spendet. Gott hilftnur den Thätigen. Er hat uns den Weg gezeigt, der zumLeben führt, er hat uns seine Gebote gegeben; an uns aberliegt es, diesen Weg zu wandeln und diese Gebote zu halten;denn es heißt:Willst du zum Leben eingehen, so halte dieGebote!" Gott hat uns den Sieg verheißen über alle Feindeunseres Heiles und will uns die Krone des ewigen Lebensgeben. Wenn wir aber lau und träge die Hände in denSchooß legen und nicht kämpfen gegen unsere Feinde, so wer-den wir nimmermehr siegen; denn ohne Kampf gibt es keinenSieg, ohne Sieg keine Krone. Gott hilft nur den Thätigen,und nur, wer ausharret bis an's Ende, der wird gekröntwerden. Wir sehen dieß auch wieder an jenem Heiligen,dessen Fest heute die Kirche feierlich begeht; es ist dieß derheilige Philippus Neri. Er wurde gekrönt, weil er tapferkämpfte und in der Gnade Gottes ausharrte bis an's Ende.