Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
337
Einzelbild herunterladen
 

337

Am Feierabende des 26. Mai.

habe. Mit hoher Würde sprach der Heilige:Die-jenigen , von denen du redest, sind nicht zu Grunde ge-gangen , sondern sie haben das Himmelreich' erlangt.Erkenne doch, Verblendeter! den ewigen Schöpfer, demui Liebe Cacilia ihr Vermögen spendete, und freudig inden Tod ging. Nur Die gehen im Tode zu Grunde,die ihres falschen Glaubens und ihrer bösen Werke we-gen dem Schöpfer mißfallen." Hierauf wurden die hei-ligen Märtyrer wieder in's Gefängniß abgeführt. Dorterklärte der Gefangenwärter Anolinus, überwältigt vonso hoher Gottseligkeit, so froher Zuversicht und so innigerLiebe, seinen Glauben an Jesus Christus, wurde getauftund durch den heiligen Chrysam bekräftigt. Zu demTempel der Diana geführt, wo sie sich weigerten, zuopfern, ermunterte Urban die Seiuigen zur Standhaf-tigkeit in diesem letzten Kampfe, und sprach:Sehet,jetzt ruft uns Gott zu sich mit den Worten: Kommetzu mir, die ihr Mühe habt und beschwert seid, ich willeuch erquicken!" Hierauf wurden sie enthauptet imJahre 230.

Gebet. O Gott, du Geber alles Guten, der duuns mit deiner göttlichen Gnade überhäufest, verleiheuns auf die Fürbitte des heiligen Papstes und Mär-tyrers Urban Kraft und Stärke, auf daß wir deineGnade stets mit bereitwilligem Herzen annehmen undtreu mit derselben Mitwirken, durch Christum unfernHerrn. Amen.

Hmldertsechsimdvierzigstes Lesestück.

Am Feierabende des 26. Mai.

Wie wir uns der Gnade Gottes gegenüber verhalten müssen.

Fr. Was muß der Mensch seinerseits thun, damitihm Gottes Gnade stets zu Theil werde und ihm selbezum Heile gereiche?

Antw. Er muß 1) fleißig und andächtig Gott umGnade bitten, 2) treulich mit derselben Mitwirken.

Belehrung. Gott gibt jedem Menschen die zu seinemSeelenheile nothwendigen Gnaden, jedoch nicht alle Gnadentheilt er ohne alle Bedingniß aus. Manche Gnaden erhältder Mensch nur, wenn er darum bittet, und wenn ermit der vorausgegangenen Gnade mitwirkt. Be-nützt er also eine Gnade nicht, so empfängt er auch die fol-gende außerordentliche Gnade nicht. Gleichwie nun an einerKette die ganze Ordnung gestört und die ganze Kette getrenntist, wenn man auch nur einen einzigen Ring aus der Mittehcrausnimmt, ebenso kann auch durch eine einzige, nicht an-genommene Gnade die ganze Gnadenkette zerbrochen werden,

Mehler, Hausbuch.

und auf diesen Ungehorsam ein ewiges Verderben folgen.Mit der göttlichen Gnade verfährt Gott der Herr, wie einkluger Hausvater. Wenn dieser am späten Abend eine Kerzein seinem Hause brennen sieht, deren Licht sich Niemand be-dient, weder zum Aus- und Eingehen, noch um bei der Ar-beit zu sehen; wenn die Knechte und Mägde nichts thun, alsschlafen, so löscht er das Licht aus; denn wofür soll er esunnütz brennen lassen?Die faulen Knechte," denkt er,werden schon sehen, woher sie Licht bekommen, wenn sie er-wachen." Ebenso macht es Gott der Herr mit seinem Gna-denlichte; bedienst du dich desselben nicht, weder um aus dei-nem Sündcnstande herauszukommen, noch um den Weg derTugend zu betreten, fahrest du fort, in deinen Lastern zuverharren und zu schlafen in deiner Trägheit und Lauigkeitim Guten, so entzieht er dir seine Gnade; denn wofür solldieses Licht ohne Nutzen leuchten? Und du kannst zusehen,wer dir ein neues Licht verschaffe.

Fr. Was ist also das Erste, wenn wir GottesGnade erlangen wollen?

Antw. Daß wir fleißig, ja täglich um dieselbe zuGott beten; denn auch hier gilt das Wort des Herrn:Bittet, so werdet ihr empfangen."

Belehrung und Beispiel. Wenn auch Gott der Herrmit seiner Gnade, mit seiner göttlichen Huld und Erbarmungdem Menschen entgegenkommt, so will er doch auch von unsererSeite eingeladen, gebeten sein. Es ist dieß eine Prüfungunserer Liebe. So kam einst der göttliche Heiland den bei-den Jüngern, die nach Emaus gingen, liebevoll entgegen;aber er wollte wieder weiter gehen. Als sie ihn jedoch baten,er möchte bei ihnen bleiben, so willigte er sogleich ein. Sotheilt auch uns Gott oft ungebeten seine Gnade mit; oft aberscheint es, als ob er sie wieder zurückziehen, als ob er sichvon uns wieder entfernen wolle. Da nun müssen wir ihnzum Bleiben einladen und ihn darum bitten. Hast dudas auch immer gethan, mein Christ? Ach, leider nicht!Höre, was dir der heilige Bonaventura zuruft:Wennein Jahr lang ununterbrochen Dürre und Trockenheit herr-schen würde, würdest du da nicht inbrünstig um Regen bit-ten? Siehe, die Dürre und Trockenheit deines Herzensdauert bei dir schon 2030 Jahre, und du verlangst nichtden Regen der Gnade des heiligen Geistes?" O wie thöricht>bist du doch, o Meusch! Bete daher eifrig um Gottes Gnade;denn wenn uns Gott auch Allen hinlängliche Gnade verleiht,so will er doch auch um viele Gnaden gebeten sein.

Fr. Was müssen wir noch ferner unserseits thun,damit uns die Gnade zum Heile gereiche?

43