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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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319
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Am Feierabende des 18. Mai.

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an der Stelle desselben einen ganz anderen Spiegel erblickte,Maria nämlich, den Spiegel der Gerechtigkeit!Mit Freuden bemerkte die Mutter den tiefen Eindruck, dendas Bild auf ihre Tochter machte, und benützte diesen glück-lichen Augenblick zu einer heilsamen Lehre für dieselbe.Ja,mein Kind!" also sprach sie voll Ernst und Würde,dichsoll von nun an dein Spiegel sein; darin sollst du dich be-sehen alle Tage deines Lebens ! Maria soll dein Vorbild sein;der Spiegel der Gerechtigkeit soll dir zeigen, wieabscheulich die Eitelkeit und die Weltliebe sei, wie schön underhaben hingegen die Tugend und Gottesliebe! Lege ab dei-nen eitlen Sinn und ahme nach die schönen Tugenden Ma-riens, unsers erhabensten Vorbildes!" Die sinnreiche Erfin-dung und die würdevollen Worte der frommen Mutter blie-ben nicht ohne Segen. O möchte in allen Familien Ma-ria jener Spiegel sein, in dem sich Alle besehen und nachdem sich Alle richten! Bedienen wir uns ja eines gewöhn-lichen Spiegels, um die Gestalt unsers Leibes zu beobachtenund dessen Anzug und Schmuck zu ordnen, um wievielmehrmüssen wir uns eines geistigenSpiegels bedienen, eineserhabenen Vorbildes und Musters, in welchem wir die Be-schaffenheit unsrer Seele kennen lernen, und nach welchemwir sie ausbilden und vervollkommnen sollen? Ist nicht dieSchönheit der Seele mehr Werth, als die des Leibes? Die-ser geistige Spiegel nun sei uns Allen Maria, die da ge-nannt wird und in Wahrheit istder Spiegel der Ge-rechtigkeit. "

Fr. Warum heißt MariaSitz der Weisheit"?

Antw. 1) Weil Jesus Christus, die ewige Weis-heit selbst, sie zu ihrem Throne erwählt hat, und 2)weil Maria mit dem Geiste der himmlischen.Weisheit ganz erfüllt war.

Belehrung. Maria ist der Sitz der Weisheit;denn in ihrem jungfräulichen Leibe hat die ewige Weis-heit des Vaters, Jesus Christus, Fleisch angenommenund neun Monate im jungfräulichen Schooße Mariens ge-wohnt; überdieß wurde ja auch Maria selbst vom heiligenGeiste überschattet und mit himmlischer Weisheit er-füllt. Wenn du also, mein Christ! zur wahren Weisheitgelangen willst, so eile oft hin zu Maria und rufe zu ihr:Heilige Maria, du Sitz der Weisheit,bitte für uns!"

Beispiel und Anwendung. Heinrich D i l s o n tratin den Jesuitenorden; zeigte sich aber so stumpf und gedächt-nißschwach, daß er nichts Geistiges zu erlernen vermochte. Alser aber eines Tages im höchsten Schmerze deßwegen vor einemBilde der heiligen Jungfrau niedergeworfen lag, und ihrLeib und Seele und alle seine Kräfte auf immer geweihthatte, wurde er mit einem Male so gedächtnißstark, daß er-gänze Predigten behalten und nach Jahren noch vortragenkonnte; dabei so einsichtig in göttlichen Dingen, daß die tief-sten Theologen des Ordens urtheilten, er schöpfe wie aus demgründlichsten Brunnen seine wunderbaren Erklärungen.Die göttliche Mutter Maria hatte ihm durch ihre Für-bitte die Gabe der Weisheit und des Verstandeserwirkt; er hat nicht umsonst zu Maria, dem Sitze derWeisheit, gerufen; so werden auch wir nicht vergebensbei Maria wahre, himmlische Weisheit suchen; sie wird unsselbe am Throne der göttlichen Weisheit erwirken, wenn wirnur mit kindlich frommen Herzen darnach verlangen, wieHeinrich Dilson, oder wie jener Heilige, dessen Fest wirheute feiern.

Legende: Der heilige Felix von Kantalizio,Kapuziner-Laienbruder zu Rom. (ff 1587.)

Auch dieser Heilige, welcher 1515 zu Kantalizio,einem Flecken in Italien, von armen, aber gottesfürch-tigen Eltern geboren wurde, und keine besondere wissen-schaftliche Bildung genoß, gelangte durch seine innigeVerehrung gegen die seligste Jungfrau Maria zur wah-ren, himmlischen Weisheit. Denn er trug eine innigeZuneigung zur göttlichen Mutter. An den Vorabendenihrer Feste fastete er und genoß Nichts als Wasser undBrod; Samstags betete er den ganzen Psalter und täglicheinen Rosenkranz. Man nannte ihn gemeiniglichdenGeliebten der heiligen Jungfrau" wegen der vielen Gna-den, die er von ihr empfangen. Im vierten Jahrenach seinem Eintritt in den Kapuzinerorden wurde ernach Rom geschickt, um daselbst das Amt eines Almosen-sammlers zu versehen, welches Amt er vierzig ganze