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Zweites Hauptstück. Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lanretanischen Litanei.
lang vor. Seine Einkünfte vertheilte er entweder unterdie Armen oder stiftete damit neue Kirchen und stellteverfallene wieder her. Die Domkirchc zum heiligenKilian in Würzburg ist dermalen noch das schönsteDenkmal seines Hirteneifers und seiner thätigen Fröm-migkeit. Er starb gottergeben und selig im Herrn imJahre 1045. Nach beinahe 200 Jahren (1202 und1203) erscholl in ganz Deutschland und Italien der Rufder an seinem Grabe geschehenen Wunder; wcßhalb erheilig gesprochen wurde, wie man glaubt, von PapstJnnocenz lV.
Gebet. Heilige Maria, dn Königin der Heiligen!erwirke uns durch deine Fürbitte bei Gott die Gnade,daß auch wir, wie der heilige Bischof Bruno, unsereirdischen Reichthümer lind Güter nur zum Besten unsrerarmen Mitmenschen und unserer heiligen katholischen Kircheverwenden und uns so die Herrlichkeit des Himmels er-kaufen mögen. Amen.
Hundcrtachtmlddreißigstes Lcscstück.
Am Feierabende des 18. Mai.
Die symbolischen Lobsprüche Mariens in der lanretanischen Lianei:1) Spiegel der Gerechtigkeit, 2) Sitz der Weisheit.
Fr. Wie lauten die symbolischen oder sinn-bildlichen Lobsprüche Mariens in der laureta-nischen Litanei?
Antw. Die symbolischen oder sinnbildlichen Lob-sprüche Mariens, deren zwölf sind, lauten: Du Spiegel
der Gerechtigkeit, du Sitz der Weisheit, du geistlichesGefäß, dn ehrwürdiges Gefäß, dn vortreffliches Gefäßder Andacht, dn geistliche Rose, du Thurm Davids, duelfenbeinener Thurm, du goldnes Haus, du Arche des Bun-des, du Himmelspforte, du Morgenstern. — Sie sind,wie schon oben gesagt, großentheils dem hohen Liedeentnommen und haben einen tiefen Sinn, wie wir ausden nachfolgenden Belehrungen ersehen werden.
Fr. Warum heißt Maria „Spiegel der Ge-rechtigkeit"?
Antw. Weil sie alle Tugenden in sich vereinigt,welche die christliche Gerechtigkeit vollkommen ausmachen.(Sieh das nachfolgende Bild!)
Belehrung. Maria wird uns wie ein Spiegelvorgehalten, in dessen Reinheit wir alle unsere Mängel undUnvollkommenheiten sehen, und nach dem Vorbilde ihrerVollkommenheit verbessern können und sollen. Was wir inBeziehung auf unser Aeußeres, auf unfern Leib, dessen Ge-stalt und Anzug bemerken, wenn wir uns in einem Spiegelbesehen, das bemerken wir in Beziehung auf unser Inneres,auf unsere Seele und ihre Beschaffenheit, wenn wir unsMariens vollkommene Gerechtigkeit gleich einem Spiegel vordie, Augen unseres Geistes halten. Da sie der Inbegriffaller Tugenden ist, so finden wir, wenn wir uns mit ihrvergleichen, welche Tugenden uns noch mangeln, und weilMaria jede Tugend ganz vollkommen besitzt, so können wir,wenn wir die Tugenden, die wir etwa besitzen, an den reinenSpiegel der ihrigen halten, finden, was unfern Tugendennoch an Vollkommenheit mangelt. — Wie nützlich wird esalso nicht für uns sein, wenn wir uns recht oft in diesemSpiegel der Gerechtigkeit besehen?
Beispiel und Anwendung. Eine fromme Mutterhatte eine eitle und putzsüchtige Tochter, die sich nicht oftgenug im Spiegel besehen konnte. Mit Wehmuth bemerktedie Mutter, wie selbe von Tag zu Tag an Eitelkeit und Welt-liebe zunehme, und sann ernstlich auf Mittel, diesem Ver-derben ihres Kindes zu steuern. Eine Tages machte sie eineWallfahrt in die nahe gelegene Maria-Hilfs-Kirche undflehte da unter Thränen zu Maria für ihre unglücklicheTochter. Nahe an der Wallfahrtskirche wurden den Wall-fahrern, wie cs gewöhnlich der Fall ist, Bilder zum Kaufeangeboten; eines davon nun, welches die seligste Jungfrauals den Spiegel der Gerechtigkeit darstellte, gefielder frommen Mutter ganz besonders. Sie kaufte selbes, undals sie nach Hause kam, hing sie dieses schöne Bild, nach-dem sie den Spiegel weggenommen hatte, an die Stelle des-selben. Alsbald kam die putzsüchtige Tochter, um sich wie-der im Spiegel zu beschauen; aber wie erstaunte sie, als sie