316 Zweites Hauptstück. Was Maria nach den bestimmten Lobsprüchen der lauret. Litanei für alle Gerechten ist.
Nepomuk in Böhmen, wo er im Jahre 1330 dasLicht der Welt erblickte. Er trat in den Priesterstandund predigte als Seelsorger in Prag Gottes Wort sokräftig und hinreißend, daß in Kurzem eine allgemeineSittenverbesserung wahrgenommen wurde. Nur aus Liebezu den Armen nahm er die Stelle eines Almosenpflegersund Beichtvaters der Königin Johanna, Tochter Albertsvon Bayern, an, die von der rohen Gemnthsart ihres Ge-mahls Vieles zn erdulden hatte. Auch in dieser Stel-lung wirkte der Heilige mit Segen und ward allgemeinhochgeachtet. Nur König Wenzeslaus, ungezähmt inseinem ausschweifenden Lebenswandel, grollte dem stren-gen Sittenrichter. Er forderte sogar von ihm die Entdeck-ung unter dem Siegel strenger Verschwiegenheit anvertranterGeheimnisse, die der fromme Mann abzulegen nicht ver-mochte. Darüber ergrimmte der König so sehr, daß erden unschuldigen Priester grausam foltern, und, nachdemer durch diese vergebliche Marter seine Absicbt nicht er-reicht hatte, in der Nacht in den Moldaufluß stürzenließ. Bald sah man auf dem Wasser ein Helles Lichtin Gestalt funkelnder Sterne, die den heiligen Leib um-gaben. Alles Volk lief herbei und verwunderte sich. Beianbrechendem Tage wurde der Leichnam des Märtyrersaufgefuuden und von den Domherren mit großem Tri-umphe in die Kathedrale übersetzt, wo er von selbigerStunde an von allem Volke um Fürbitte bei Gott an-gerufen ward. Die Bulle der Heiligsprechung erschienim Jahre 1729.
Gebet. Maria, du Ursache unserer Fröhlichkeit,du Heil der Kranken, du Zuflucht der Sünder, du Trö-sterin der Betrübten, du Helferin der Christen! bitte füruns, damit wir nach dem Beispiele des heiligen Jo-hannes von Nepomuk unfern Mund sorgfältig be-
wahren und einst jenen Heiligen, die sich mit der Zungenicht versündigt haben, beigezählt werden mögen durchChristum, unfern Herrn. Amen.
Hundertsiebenuuddreißigstes Lesestück.
Am Feierabende des 17. Mai.
Was Maria nach den bestimmten Lobsprnchen der lauretanischenLitanei für alle Gerechten ist.
Fr. Was ist Maria für alle Gerechten?
Antw. Maria ist in Bezug auf alle Gerechten desA. und N. Testaments eine „Königin"; daher heißtsie in der lauretanischen Litanei: eine Königin derEngel, der Patriarchen, der Propheten, derApostel, der Bekenner, der Märtyrer, derJungfrauen, eine Königin aller Heiligen.(Sieh das nachfolgende Bild!)
Fr. Warum ist Maria „die König in der Engel"?
Antw. Weil sie dieselben an Ruhm, an Heiligkeitund an Würde übertrifft.
Belehrung und Beispiel. Soviel auch die heilige»Engel im A. und N. Testamente Ruhm erlangt haben, so heißtes doch von keinem derselben, wie von Maria: „Bon nunan werden mich alle Geschlechter selig preisen."Bei Tobias verbot sich ein Engel alle Ehrenbezeugung; Ma-ria aber wird von einem Engel selbst auf Geheiß Gottesmit einer Ehrfurcht angeredet und begrüßt, wie er sic nureinem Wesen bezeugen konute, das er für erhabener ansah,als alle Engel, die er sonach betrachtete als die Königinder-selben; nnd so heißt Maria mit Recht „die Königin derEngel."
Fr. Warum wird Maria „die Königin derPatriarchen, der Propheten und der Apostel"genannt?
- Antw. Weil sie 1) die Patriarchen an demüthi-gem Glauben nnd an heiliger Sehnsucht nach dem Er-löser übertraf; 2) weil sie die Braut des heiligen Gei-stes war, die Propheten aber nur Werkzeuge desselben,und 3) weil sie die Mutter Christi war, die Apostelaber nur Freunde Christi. Sie steht sonach als Königinerhaben über alle Patriarchen, Propheten und Apostel.
Fr. Warum heißt Maria „die Königin derMartyre r"?