314 Zweites Hauptstück. Was Maria nach den bestimmten Lobsprüchen der säuret. Litanei für uns ist.
Hundcrtsechsmlddreißigstes Lesestück.
Am Feierabende des 16. Mai.
Was Maria nach den bestimmten Lobsprüchen der lauretanischenLitanei für uns ist.
Fr. Was ist Maria nach den bestimmten Lobsprü-chen der lauretanischen Litanei für uns?
Antw. Sie ist für uns: 1) die Ursache unsererFröhlichkeit, 2) das Heil der Kranken, 3) die Zu-flucht der Sünder, 4) die Trösterin der Betrübten, und5) die Helferin der Christen. (Da schon oben S. 296erklärt worden ist, daß Maria eine besondere Zu-flucht der Sünder sei, so erklären wir hier nur nochdie vier übrigen Punkte.)
Fr. Warum nennen wir Maria „die Ursacheunserer Fröhlichkeit"?
Antw. Weil sie uns durch die Frucht ihres Leibesvom ewigen Untergang gerettet und uns den Eingangzur himmlischen Freude geöffnet hat.
Belehrung und Beispiel. Als Judith, jene großeHeldin, als Siegerin über Holofernes nach Bethulien zurückkam, freute sich Alles, und alles Volk rief: „Der Herr hat
dich gesegnet in seiner Kraft; denn durch dich hat er unsereFeinde zunichte gemacht." Ja, die Fröhlichkeit über diesenSieg war in Israel so groß, daß Joakim, der Hohepriesterzu Jerusalem, selbst kam mit allen Priestern, um Judith zusehen, und als er sie sah, rief er aus: „Du bist der RuhmJerusalems und die Freude Israels, du die Ehre unsersVolkes." — „Und das Volk," heißt es, „war fröhlich unddrei Monate lang feierte man das Freudenfest dieses Siegesmit Judith, ja, der Festtag dieses Sieges ward von den He-bräern in die Zahl der heiligen Tage ausgenommen." Wer-det ihr nun nicht selbst sagen: „Wenn die Juden Judithals die Ursache ihrer Fröhlichkeit ansahen, um wie viel mehrmüssen wir Maria für die Ursache einer weit höherenFreude halten, da sie der Herr mehr noch als Judith geseg-net in seiner Kraft, da die Frucht ihres Leibes, Jesus, unsvon dem ewigen Tode errettet hat?" Wer soll in Maria nicht dieUrsache der Fröhlichkeit finden, da sie zugleich auch das Heilder Kranken ist?
Fr. In wieferue ist Maria „das Heil derKranken?"
Antw. Weil schon unzählige Kranke durch MariaTrost und Hilfe gefunden, ja, auf ihre Fürbitte hin so-gar die Gesundheit wieder erlangt haben.
Belehrung. Wir lesen zwar in der heiligen Schriftkein Beispiel, daß Maria einen Kranken geheilt habe, abergehen wir nur in eine der heiligen Jungfrau zu Ehren er-baute Kirche, betrachten wir die vielen Votivtafeln u. s. w.,oder lesen wir die Geschichte der Heiligen, und wir findenBeweise genug, daß unzählige Kranke bei Maria in ihren LeidenTrost und Erquickung, ja, nicht selten schon auf ihre Für-bitte hin sogar die Gesundheit des Leibes und der Seele ge-funden haben. Aus tausend Beispielen nur Eines, und zwaraus der allerneuesten Zeit.
Beispiel und Anwendung. Bilbao in Spaniennebst den benachbarten Ortschaften war von der Cholera aufschreckliche Weise heimgesucht worden. Die Gemeinderäthebeschlossen deßhalb zu Ehren Derjenigen, welche wir Alle„Heil der Kranken" nennen, und für welche jeder Bis-cayer die zärtlichste und begeistertste Verehrung hat, am8. Sept., dem Tage ihrer gnadenreichen Geburt, eine feier-liche Prozession zu veranstalten. Seitdem diese, die zahl-reichste, feierlichste und herrlichste, deren man sich erinnernkann, stattgefunden, hat die schreckliche Seuche so rasch ab-genommen, daß noch vor Ablauf der Octav weder in Bil-bao, noch der Umgegend ein Cholerafall mehr sich zeigte;der schreckliche Gast, der so viele Thränen verursachte, warverschwunden. Es wurden öffentliche Danksagungen veran-staltet, und um das Andenken an eine so große Wohlthat zu