Am Feierabende des 14. Mai.
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AMMK
Hundertviermiddreißigstes Lesestück.
Am Feierabende des 14. Mai.
Die lauretanische Litanei.
Fr. Welche Gebetsformel pflegt man häufig mitdem Rosenkränze zu verbinden?
Antw. Die lauretanische Litanei, sogenannt,weil sie in der zn Loretto (lat. Imuratum) der seligstenJungfrau gewidmeten Kirche zuerst gebetet oder gesun-gen wurde.
Belehrung und Erzählung. Wenn ich die Ursacheangeben soll, woher diese Litanei zu Ehren Mariens denNamen „die lauretanische" erhalten hat. so muß ichweiter ausholen; denn es liegt ihr eine Geschichte zu Grunde.Schon bei den allerersten Christen wurde jenes Haus zuNazareth, in welchem Maria geboren, vom Erzengel Gabrielbegrüßt wurde, und worin Jesus mit Maria und Josephso lange gelebt hat, in höchsten Ehren gehalten. Die heili-gen Apostel haben es selbst zu einem Bethause gemacht, unddie heilige Kaiserin Helena erbaute über dasselbe einenPrachtvollen Tempel. Dieses Haus war bis zum Jahre 1291zu Nazareth der Sammelplatz und der Ort inbrünstigerAndacht vieler Tausend gottesfürchtiger Christen. Weil aberum diese Zeit die Christen von den Türken so unterdrücktwaren, daß jenes ehrwürdige Haus wie verödet dastand, so
wurde es' von den heiligen Engeln, die Mariam im Himmelloben und preisen (sieh das nebenstehende Bild!) und ihreVerehrung überall hin verbreitet wissen wollen, aus demGrunde gehoben, und über eine ungeheuere Länder- undMceresstrecke nach Dalmatien, nach vier Jahren von da nachAncona, einer Landschaft in Italien, gebracht, und in einemWalde des Neciwetaner Gebietes niedergcsetzt. Dieser Waldgehörte einer gottseligen Frau, Namens Lanretta, undvon dieser hat dieses heilige Haus Mariens den Namen„das lauretanische Haus" bekommen. Nach achtMonaten wurde es wieder aus dem Walde auf einen Hügelgesetzt, steht daselbst noch und wird überaus in Ehren ge-halten. Diese Geschichte ist zwar höchst wunderbar, undvielleicht möchten sie Einige unter die Fabeln eines dummenund leichtgläubigen, finstern Zeitalters setzen. Allein sie istdurch die Zeugnisse, durch die dalmatischen und ankonischenUrkunden, durch das Ansehen der glaubwürdigsten Geschicht-schreiber so gewiß, daß man allen menschlichen Glauben, al-les geschichtliche Ansehen aus der Welt verbannen müßte,wenn man sie im Ernste bezweifeln wollte. Die Kirche hatsogar auf den, 10. Dezember eigene Tagzeiten von der Ue-bertragung dieses Hauses von Nazareth nach Loretto im Bre-vier der Geistlichen angeordnet, und das Gebet, welches dieKirche bei diesen Tagzeiten betet, ist sehr lehrreich für uns.Sie betet: „O Gott, der du das Haus der seligsten Jung-frau durch das Geheimnis) des eingefleischten Wortes gehei-liget und dasselbe durch ein Wunder in den Schooß deinerKirche übertragen hast, verleihe, daß wir uns von den Hüt-ten der Sünder entfernen, und würdig gefunden werden, In-wohner deines heiligsten Hauses im Himmel zu sein." Istdieß kein geistvolles Gebet? Möchten wir nur auch unsereHäuser heiligen durch einen christlichen Wandel, durch Ge-rechtigkeit und Gottesfurcht in denselben! Möchten wir dasHaus unserer Seele, den Leib rein und ehrbar erhalten, da-mit er einst wieder mit der Seele vereiniget, auch übertragenwerde in das himmlische Land!
Fr. Ist auch die lauretanische Litanei einsehr empfehlenswerthes Gebet?
Antw. Ganz gewiß; daher hat die katholische Kirchediese Andacht mit Ablässen beschenkt, und die seligsteJungfrau hat ein großes Wohlgefallen daran, so daß sieden frommen Betern dieser Litanei durch ihre Fürbitteschon gar viele Gnaden erwirkt hat.
Belehrung. Dass die lauretanische Litanei ein sehrempfehlenswerthes Gebet sei, erhellt schon aus dem Umstande,daß die heilige katholische Kirche selbst dasselbe