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Zweites Hauptstück. Die lauretanische Litanei,
empfiehlt und es mit vielen Ablässen beschenkthat. Denn wer diese Andacht ehrerbietig verrichtet, erhältnach einer Bestimmung des Papstes Pius VII. vom 30. Sept.1817 einen Ablaß von 300 Tagen; wer sie aber täglichbetet, der gewinnt einen vollkommenen Ablaß an den fünfHanptsesten Mariens, wenn er an denselben reumüthig beich-tet, kommunicirt und bei Besuch einer Kirche nach der Mein-ung des Papstes die gewöhnlichen Gebete verrichtet.— Aberauch Gott der Herr und die seligste JungfrauMaria haben großes Wohlgefallen an diesemGebete; daher wurden den frommen Betern desselben nichtselten schon große Gnaden verliehen, wie wir aus nachfolgen-dem Beispiele ersehen.
Beispiel und Anwendung. Weltberühmt ist derName des Karmeliten Dominikus Ruzzola, der inSpanien, Italien und Deutschland mit unermüdlichem Eiferdie Ehre Christi und seiner Kirche förderte, dem seine Zeit-genossen das Verdienst des glänzenden Sieges zuschrieben,welchen das katholische Heer am weißen Berge erfochten, undder (im Jahre 1530) in Wien von hinnen geschieden. Vonihm wird erzählt, daß er einst in Begleitung zahlreicherGefährten auf einer Wanderung nach Valencia von der Nachtüberfallen wurde. Der Himmel war so dicht mit Wolkenbedeckt, daß kein Sternenschimmer die schwarze Finsternißmilderte, der Fußpfad von früheren Regengüssen so sumpfig,oft bodenlos, daß seine Begleiter fast bei jedem Schritte ein-sanken, und keiner dem andern beizustehen vermochte. Indieser Noth wendete Dominikus seinen Blick zum nächt-lichen Himmel empor, stimmte das bekannte Gebet an, wel-ches die lauretanische Litanei genannt wird, und dieAnderen beteten ihm nach; siehe, da erschien über ihremHaupte ein glänzendes Meteor, gleich einem Lichtballe, dasihren Pfad beleuchtete; der Boden ward unter ihren Füßenfester, und so legten sie noch zwei spanische Meilen zurück,bis sie wohlbehalten in Valencia anlang-ten. — Für uns sollen wir hieraus dieLehre ziehen: Wenn wir die seligste Jung-frau, sei es nun im Rosenkränze, oder inder lauretanischen Litanei, oder sonst einemGebete, mit wahrer Ehrfurcht anrufen, sowird auch uns das Licht des Glaubens nichtuntergehen, unser Weg wird sich befestigen;wir werden freudig erkennen und erfahren,daß die Vorsehung uns in der Nacht diesesLebens eine himmlische Mutter und Führeringegeben, die reich an Liebe, Güte und Machtist, um Allen beizustehen, die ihre mütter-liche Fürbitte suchen.
Fr. Was enthält die lauretanischeLitanei?
Antw. Sie enthält Lobsprüche aufdie seligste Jungfrau Maria, von denen
die einen bestimmt, die andern aber symbolischoder sinnbildlich sind.
Belehrung. Maria wird in der lauretanischen Litaneiunter den schönsten und erhabensten Bildern dargestellt, umdadurch ihr Lob auszusprechen; nach jedem Lobspruche aberrufen wir sie sogleich um ihre Fürbitte an mit den Worten:„Bitt' für uns!" — Die wunderlieblichen und tiefsin-nigen Titel, die hier Maria crthcilt werden, sind vorzüglichaus dem hohen Liede entnommen und wurden ihr großen-theils schon von alten Kirchenvätern zuerkannt. So ruftz. B. schon Andreas von Jerusalem aus: „Du bistjetzt geworden, o Maria! die Bundeslade, in welcherder wahre Gott seine Ruhe genommen; du bist jetzt gewor-den die Arche, in welcher der göttliche Noe das mensch-liche Geschlecht vom Untergang errettet; du bist jetzt gewor-den das ehrwürdige Gefäß, in welchem das lebendigeBrod, so vom Himmel kam, aufbewahrt ist; du bist jetztgeworden das geistliche Paradies, in welches der wahreAdam einzog, der Heiland der Welt; du bist endlich dasgoldene Haus, in welchem Gott Fleisch geworden, undder irdische Himmel, wo Gott seinen Stuhl aufgcschlagen,um unter uns zu wohnen." — Die einen von diesen Lob-sprüchen auf die seligste Jungfrau Maria sind nun be-stimmt, die andern aber symbolisch ober sinnbildlich;was sie bedeuten, das will ich dir nun, mein christlicherLeser! in den nachfolgenden Lesestücken näher erklären.
Legende: Der heilige Märtyrer Bo nifac ins.(ch um d. I. 307.)
In der Legende begegnet uns heute die Lebensge-schichte des heiligen Märtyrers Bo nifac ins. Dieserwar ein römischer Bürger und lebte mehrere Jahre lang
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MAS
L-L.