Am Feierabende des 13. Mai,
307
Gebet. Selige Jungfrau Maria, die wir imheiligen Rosenkränze fromm verehren, erflehe uns beiGott Kraft und Stärke, damit auch wir mit dem jugend-lichen Märtyrer St. Pankratius Jesnm, deinen Sohn,großmüthig bekennen und für ihn Blut und Lebenopfern. Amen.
Himdertdreümddreißlgstes Lesestück.
Am Feierabende des 13. Mai.
Der Rosenkranz: seine Vortrefflichkeit nnd Kraft.
Fr. Warum hat die Kirche den Gläubigen den Ro-senkranz so nachdrücklich empfohlen?
Antw. Weil derselbe 1) ein sehr vortreff-liches und 2) ein sehr wirksames Gebet ist.
Fr. Inwiefern ist der Rosenkranz ein sehr vor-treffliches Gebet?
Antw. Der Rosenkranz ist ein sehr vortreff-liches Gebet 1) wegen seines höchst heiligen und auf-erbaulichen Inhaltes und 2) wegen seiner Einfachheit.
Belehrung. Der Rosenkranz ist vortrefflich 1) wegenseines Inhaltes; denn Alles, was er in sich enthält, isthöchst heilig und auferbaulich. Er enthält, wie schonoben gesagt worden ist, vor Allem das apostolischeGlau-bensbekenntniß, diesen erhabenen Inbegriff aller Glau-bcnswahrheiten; dann das Vater unser, jenes Muster-gebet, das uns Christus der Herr selbst gelehrt hat; fernerden englischen Gruß, der vom Himmel stammt, derJcsum und Maria mit süßen Worten preist, und uns ihrerAlles vermögenden Fürsprache versichert. Damit verbindenwir gleich im Anfänge die Bitte um die drei Haupt lügen-den: Glaube, Hoffnung und Liebe, und fügen endlich dieschönsten und vorzüglichsten Geheimnisse aus der Le-bens- und Leidensgeschichte Jesu und Mariensbei. Sage es nun selbst, mein Christ! ist dieß Alles nichthöchst heilig und auserbaulich? — Der Rosenkranzist aber auch noch vortrefflich 2) wegen seinerEinfach-hcit; er ist ja überaus faßlich. Der Bauersmann, wieder Gelehrte; Der, welcher weder lesen noch schreiben gelernthat, wie der in allen Kenntnissen und Wissenschaften Be-wanderte; das Kind, wie der Erwachsene kann ihn verstehenund leicht dem Gedächtnisse einprägen, weßhalb er sich zu-gleich zur gemeinsamen Volksandacht zu Hause, wie in derKirche oder auf dem Wege bei Prozessionen und Wallfahrtenvorzüglich eignet.
Beispiele und Anwendung. Daher haben Hohe undNiedere, Gelehrte und Ungelehrte von jeher den Rosenkranzmit besonderer Vorliebe und Andacht gehetet. Der heiligeFranz von Sales betete den Rosenkranz, ungeachtet sei-ner überaus vielen Arbeiten, alle Tage. Merkwürdig ist dieAntwort, die einst der heilige Bischof seinem Sekretär gab.Außerordentliche Beschäftigungen hatten ihm nicht erlaubt,den Rosenkranz zu der von ihm bestimmten Stunde zu beten,und erst bei Anbruch der Nacht bereitete er sich noch, ob-wohl ganz abgemattct, zur Erfüllung dieser frommen Pflichtvor. Dieses wahrnehmend bat ihn der Sekretär, die Noth-wendigkeit der Ruhe zu berücksichtigen und darum seinen Ro-senkranz auf den morgigen Tag zu verschieben. Der Hei-lige aber erwiederte ihm: „Mein Freund! man muß, wasnoch zur rechten Zeit geschehen kann, nicht auf den morgigenTag verschieben." — Ein großer Liebhaber des heiligenRosenkranzes war auch der ehrwürdige Ber km ans. Die-ser trug immer seinen Rosenkranz bei sich. „Ich habe,"sagte er, „drei Schätze, mit denen ich gerne sterben will:mein Crucifix, meinen Rosenkranz und das Buch meinerOrdensregel." Er starb wirklich mit dem Rosenkränze inder Hand. Wohl Dem, der diese Andacht gerne und eifrigverrichtet! Denn es liegt darin eine große, segenreiche Kraft.
Fr. Jnwieferne liegt im Rosenkränze eine große,
39 *