298 Zweites Hauptstück. Maria
wird besonders in Wasser- und Feuergefahren um seineFürbitte angerufeu. Unstreitig soll dieß weit mehr ge-schehen, auf daß wir nicht in die Hölle kommen, in jenesFeuer, das ewig brennt „und nie erlischt." (Mark. 9,43.)
Gebet. Wir arme Sünder, die wir zu Mariamit kindlichem Vertrauen unsere Zuflucht nehmen, wirbitten dich, o Gott! beschütze uns auf die Fürbitte dergöttlichen Gnadenmutter und des heiligen Flori an vonallen Gefahren der Seele und des Leibes >— durchChristum, unfern Herrn. Amen.
Hundertneummdzwanzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 9. Mai.
„Bitt' für uns jetzt!"
Maria — unsere Helferin im Leben.
Fr. Was wollen wir mit den Worten sagen: „Bitt'für uns jetzt"?
Antw. Wir wollen uns dadurch Mariens Schutzund Hilfe im Leben erflehen, und bitten, daß sie sichunser, so lauge wir in diesem Thränenthale Pilgern, hilf-reich annehmen wolle, wie eine Mutter ihres Kindes.
Belehrung. Das Wörtlein „Jetzt" hat im AveMaria eine tiefe Bedeutung. Jetzt, so lange wir leben,ist die Zeit der Gnade und Barmherzigkeit; nach dem Lebenkommt die Zeit der Gerechtigkeit. Dort kann uns Maria nim-mer helfen; denn das Gericht hat der Vater nur demSohne übergeben; mit Maria aber hat er die Barmherzig-keit gctheilt. Darum schreibt der berühmte Kanzler der Uni-versität zu Paris, Wilh. Gerson: „Das Reich Gottesbesteht in der Barmherzigkeit und in der Gerechtig-keit. Gott hat es nnn getrennt, und das Gericht sei-nem Sohne, das Reich der Gnade und Barmherzig-keit aber Mariä übertragen, indem er wollte, daß alleGnaden, die den Menschen zukommen, nur durch die HandMariens an sie gelangen, und daß sie dieselben nach Will-kühr austheile." Auf solche Weise sind die Worte des Psal-rnisten bestätiget: „Bei Gott ist die Macht, und beidir ist die Barmherzigkeit." In diesem Leben also,so lange die Zeit der Gnade dauert, kann uns Maria hel-fen; darum rufen wir zu ihr: „Bitt' für uns jetzt, d. h.,stehe uns bei in diesem Erdenleben, du Mutter dergöttlichen Gnade und Barmherzigkeit! und verleihe uns durchdeine Fürbitte die nöthigen Gnaden zu einem frommen undheiligen Wandel, auf daß wir zur Zeit des Gerichtes, wo
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deine milde Herrschaft der Erbarmung und Gnade endet,nicht zittern dürfen vor der Gerechtigkeit des ewigen Richters!"
Fr. Wann sollen wir im Leben zn Maria unsereZuflucht nehmen?
Antw. Wir sollen in allen Gefahren und Nöthendieses Lebens, in zweifelhaften Fällen u. s. w. unsereZuflucht zu Maria nehmen.
Belehrung. Daß Maria die beseligende Herrschaftder Liebe und Barmherzigkeit besonders in diesem Leben ge-gen uns ausübe, das beweisen uns tausende von tröstlichenBegebenheiten, und die Kirche Gottes selbst bestätigt dießdurch die Worte, die in der lauretanischen Litanei so oft ver-kommen, und die wir später alle ausführlicher erklären wer-den. Deßhalb heißt Maria: Das Heil der Kranken,die Zuflucht der Sünder, die Trösterin der Be-trübten, die Helferin der Christen u. s. f. Dahersollen wir in gesunden und kranken Tagen, in allen Gefah-ren und Nöthen dieses Lebens zu Maria unsre Zuflucht neh- '
men und zu ihr rufen: „Bitt für uns jetzt!" Mit Freu- ^
den sollen wir folgen der Mahnung des heil. Bernhard,der uns zuruft: „In allen Gefahren, in allen Nöthen, inzweifelhaften Fällen denke an Maria, ruf Maria an! Nieweiche sie von deinem Munde, nie von deinem Herzen! Und