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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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297
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Am Feierabende des 8. Mat. 2!>7

Bernhard, der allen Sündern zuruft:Wenn dich, oSünder! die Größe und Abscheulichkeit deiner Laster schreckt;wenn die Rachestimme deines Gewissens dich foltert; wenndich die Schrecken des Gerichtes durchbeben, und wenn duam schwindelnden Abgrunde der Trostlosigkeit, oder gar amRande der Verzweiflung stehest, so rufe zu Maria! Sie istja die Stiege der armen Sünder zum Himmel."

Fr. Was wird aber von Seite des Sünders er-fordert, wenn er bei Maria eine Zufluchtsstätte finden will?

Antw. Rene und der Entschluß zur Besserung.

Belehrung und Beispiele. Wo keine Rene und keinEntschluß zur Besserung ist, wird man Mariens Fürbitteund Hilfe vergebens suchen. Als eines Tages, so erzähltwiederum der obengenannte heilige Alphons Liguori, eingroßer Sünder zu Maria flehte:Maria! zeige, daß dumeine Mutter bist!" erwiderte ihm die seligste Jungfrau:Zeige, daß du mein Sohn bist!" Maria ist also aller-dings die Zuflucht der Sünder, aber nur jener, die sich bes-sern wollen; sie theilt die Gaben und Gnaden Gottes aus,aber nur unter ihre aufrichtigen Diener, nicht unter ihreabgesagten Feinde. Groß und mächtig war die Fürspracheder Königin Esther bei Assuerus; hat sie aber deswegen fürden gottlosen Aman ein Fürwort eingelegt? Wie sehr er sichauch vor ihr krümmte und flehte, er niußte dennoch an denGalgen. Die einzige Hilfe und der Schutz der Israelitenwar die Arche des Bundes; und dennoch wurden drcißigtau-send Mann getödtet, obwohl sie die Arche bei sich hatten.(1. Kön. 4.)Kein Wunder," sagt Theodorct,da siezwar die Arche ehrten, aber dabei voll Sünden waren."Die Arche ist ein Vorbild der allerseligsten Jungfrau Maria;also kann auch ein Solcher verloren gehen, der auf dieseArche sein Vertrauen setzt, wenn er den Sünden nicht ent-sagt. Wahr ist es, daß sich auf ihre Fürbitte manche Sün-der wunderbarer Weise bekehrt haben und selig gewordensind; aber merke wohl: wunderbarer Weise! Wirstauchdu dich auf ein solches Wunder verlassen können? Dannwaren auch die Winzer besser daran, wenn sie, statt sich inihren Weinbergen zu plagen, ihre Fäßer mit Wasser füllenund mit Vertrauen erwarten würden, daß Christus auf die FürbitteMariens dasselbe in Wein verwandeln werde. Bermessent-lich auf Mariens Schutz und Hilfe sündigen, ist also ebensogefehlt, als vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit zu sün-digen, (wie schon oben im 117. Lesestück gezeigt worden ist).

Legende: Der heilige Märtyrer Florian,(fl 290.)

Die katholische Kirche feiert heute die herrliche Er-scheinung des heiligen Erzengels Michael, welche un-

Mchler, Hausbuch.

ter Papst Gelasins I. auf dem Berge Gorgano ge-schah, und der zu Ehren der Bischof von Siponto aufdiesem Berge eine berühmte Kirche erbauen ließ. Dauns die Legende hierüber nur wenig erzählt, so will ichdie LebeuSgeschichte des heiligen Florian nachtragen,dessen Fest schon ans den 4. d. M. fällt. Dieser Hei-lige, der Sage nach zu Zeiselmauer in Nnterösterreich ge-boren und einer der Hanptleute im kaiserlichen Heere,hatte gehört, daß Aquilinus, der Statthalter in Nori-kum, dem heutigen Oberösterreich, die VerfolgungsbefehleDiokletians und Maximians mit aller Grausamkeit anden Christen vollziehe; da machte er sich sogleich aufAntrieb des heiligen Geistes dahin sauf den Weg, um denverfolgten Glaubensbrüdern beizustehen. Zn den Waffen-

genossen, denen er unterwegs begegnete, und die den Be^fehl hatten, Christen Kufzusuchen, sprach er:Einer vonDenen, die ihr aufsuchet, steht hier vor euch. Ich binein Christ. Gehet und hinterbringet euerm Statthalter,daß ich hier bin." Hierauf vor Aquilinus geführt, for-derte dieser ihn auf, den Götzen zu opfern, wenn er dasLeben retten wolle. Florian aber entgegnete:Opfernwerde ich nie; handle nur nach deinem Befehle!" DerStatthalter ließ nun den Glaubenshelden entkleiden undmit Stöcken schlagen; er aber sprach:Jetzt, da ich ge-schlagen werde, bringe ich ein wahres Opfer meinemHerrn Jesus Christus dar, der mich hiezu gestärkt undzu dieser Ehre erhoben hat." Als endlich Aquilinusalle Mühe fruchtlos sah, fällte er das Urtheil, daß derchristliche Kriegsmann in der bei Lorch vorbeifließendenEns ersäuft werden sollte. Dieß Urtheil wurde auchalsogleich vollzogen. Der Leichnam wurde von den Wel-len auf einen hervorragenden Felsen ausgesetzt und voneiner gottseligen Frau, Namens Valeria, auf ihremLandgute unweit Linz beerdigt. Der heilige Florian

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