Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
296
Einzelbild herunterladen
 

296

Zweites Hauptstück. Maria eine besondere Zuflucht der Sünder.

Gebet. Göttliche Jungfrau Maria! wir setzen'wie der heilige Bischof und Märtyrer Stanislaus,auf dich all unser Vertrauen, weil wir wissen, daß duuns in allen Nöthen und Anliegen helfen kannst undhelfen willst; bitte für uns, damit uns Gott ausrüstemit jenem Muthe, der weise und standhaft das Unrechtbekämpft und die verderbliche Leidenschaft durch sein hei-liges Gesetz besiegt, auf daß Ordnung und Sittenrein-heit wieder auf Erden hergestellt werde. Amen.

Hundertachtimd zwanzigstes Lesestnck.

Am Feierabende des 8. Mai.

Bitt' für uns, arme Sünder!"

Maria eine besondere Zuflucht der Sünder.

Fr. Warum sagen wir:Bitt' für uns, armeSünder?" Warum setzen wir bei:arme Sünder"?

Antw. Weil wir Alle Sünder sind, Maria abereine besondere Zuflucht der Sünder genanntwird und auch wirklich ist. (Sieh das nebenstehende Bild!)

Belehrung. Wir Alle sind Sünder, und wer da sagt,er habe keine Sünde, der betrügt sich selbst, und die Wahr-heit ist nicht in ihm. Daher müssen wir Alle zu Mariarufen:Bitt' für uns, arme Sünder!" denn sie ist einebesondere Zuflucht der Sünder.Sie ist," sagtder heilige Johannes Damascenus,von Gott fürAlle, die durch ihre Missethatcn den Tod verdient haben,als eine Zufluchtsstätte bestimmt worden; und sie ist vorzüg-lich beflissen, jenen Sündern, die sie anrufen, die Gnade ei-ner vollkommenen Bekehrung und Aussöhnung mit Gott zuerlangen, wie es unzählige Menschen bezeugen, die durch ihreFürbitte bekehrt und zur Seligkeit geführt worden sind."Der heilige Bonaventura vergleicht deßhalb Maria mit derTaube, die den Oelzweig, ein Sinnbild des Friedens undder Versöhnung, in die Arche zurückbrachte; und der heiligeBernardin von Siena sagt, sie sei der wunderbare Re-genbogen, den Gott nach der Sündfluth zum Zeichen derVergebung und der Versöhnung erscheinen ließ. Papst In-no een z III. nennt sie den Mond, wodurch die Finsternisseder Sünde zerstreut werden. Der fromme LudovikusBlosius ist der Meinung, es sei kein so abscheulicher Sün-der auf Erden, dem die heiligste Jungfrau nicht auf's Be-reitwilligste die Hand böte und den Schooß ihrer Barmher-zigkeit nicht eröffnete, wenn er um Beistand zu ihr fleht.Daher ruft uns ein frommer Dichter zu:

O haltet an Maria fest!

Arm ist allein, wer sie verläßt,

Und was ihr auch für Schuld verübt,

Und wie ihr auch den Herrn betrübt,

Sein noch so drohend StrafgerichtSchirmt jene nur, verdammt sie nicht.Beispiel und Anwendung. Zum heiligen Alp ho nsvon Liguori kam eine große Sünderin und klagte ihmunter Thränen den furchtbaren Zustand ihrer Seele. Alphonshatte inniges Mitleid mit dieser reuigen Magdalena und wiessie, wie er sonst gerne that, auf Maria, die Zuflucht derSünder hin.Habe Vertrauen, meine Tochter!" sprach erliebreich zu der niedergebeugten Seele,habe Vertrauen! Ichwill dir einen Ausweg zeigen, auf dem du wieder zurückkeh-rcn kannst zu deinem himmlischen Vater. Siehe! wir ha-ben eine Mutter; sie heißt Maria; und diese ist eine be-sondere Zuflucht der Sünder. Was thut eine Mutter nichtfür ihre Kinder? Läßt sie, wenn eines fällt nicht alle andernstehen, und eilt dem gefallenen entgegen? Wie sucht sie nichtdessen Schmerzen zu lindern und die beschmutzten Händchenund Glieder zu reinigen! Eile hin zu dieser liebreichen Mut-ter! Sie wird dir vom Sündcnfalle aufhclfen und mit müt-terlicher Sorgfalt deine beschmutzte Seele reinigen." Alphonsertheiltc seinen weisen Rath nicht vergebens; die Sünderinging hin und that, wie ihr befohlen ward; und sie fühlte eslebhaft, daß Maria eine besondere Zuflucht der Sünder sei. Eile also auch du, o sündiges Herz! zu Maria, derZuflucht der Sünder! Folge der Mahnung des heiligen